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15.1.2013

Die einzelnen Schritte im Bereich Regeln und Nachhaltigkeit

In diesem umfangreichen Kapitel finden sich zahlreiche Übungen zur schrittweisen Einführung von Regeln in der Klasse. Das Spektrum reicht von der Sensibilisierung für die Bedeutung von Regeln bis hin zur Entwicklung von Konsequenzen bei Regelverletzungen.

Regeln und NachhaltigkeitRegeln und Nachhaltigkeit

Sensibilisierung – Sinn und Bedeutung von Regeln

Ziel ist es, dass die Schüler/innen bezüglich ihrer Zusammenarbeit und einer guten Klassengemeinschaft selbst Regeln entwickeln. Sie sollen auch selbst für deren Einhaltung Sorge tragen.

Aus diesem Grund besteht eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen dieses Prozesses darin, überhaupt die Bereitschaft und Motivation der Schüler/innen zu wecken, sich diesem Vorgehen zu öffnen. Hierbei ist es zunächst grundlegend wichtig, allen den für ihn/sie ganz eigenen Sinn bzw. die Bedeutung von Regeln möglichst konkret erfahrbar zu machen. Geeignet sind in diesem Zusammenhang Interaktionsspiele, die ohne Eingabe von Absprachen zunächst etwas chaotisch wirken und so auch von den Schülern und Schülerinnen erlebt werden. Es ist wichtig, dieses Erleben zu thematisieren und z. B. die Schüler/innen zu fragen: Was können wir tun, um dieses Spiel für jeden Einzelnen und für die Gruppe günstiger zu gestalten? Auf dieser Basis der Reflexion der Erfahrungen können Schritt für Schritt Absprachen bzw. Regeln entwickelt werden. Deren folgende Anwendung verdeutlichen und machen dem Schüler bzw. der Schülerin erfahrbar, dass sich die erfolgten Absprachen günstig auf die Abläufe auswirken: "Ich fühle mich wohler und die Gruppe kann mehr erreichen." Dies wird oft erleb- und spürbar.

Beispiele für günstige Interaktionsspiele hinsichtlich der Einführung und der gemeinsamen Erarbeitung von Regeln:

a) "Rund geht es":
Erst einmal wird dieses Spiel ohne Bekanntgabe der Regeln gespielt. Aus dem Chaos, das sich entwickeln wird, können die Schüler/innen ableiten, dass unbedingt Regeln aufgestellt werden müssen.

Spielerklärung mit Regeln:

Stellen Sie (z. B. aus mit Tesakrepp verklebtem Zeitungspapier) ca. 6 bis 10 weiche Bälle in der Größe eines Handballs her. Regeln: Jeder erhält den Ball nur einmal. Vor dem Werfen wird der Name des Schülers bzw. der Schülerin gerufen, der/die den Ball erhalten soll. Jeder merkt sich genau, von wem er/sie den Ball bekommen und zu wem er/sie ihn geworfen hat. (So lässt sich der Weg rekonstruieren, falls jemand vergessen hat, wem er den Ball in der ersten Runde zugeworfen hat.) Geben Sie erst nach der ersten Runde bekannt, dass der Ball (die Bälle) in weiteren Runden den gleichen Weg nehmen soll(en).
Die Schüler/innen stehen im Kreis mit genügend Bewegungsfreiheit, um Bälle werfen und fangen zu können. Die Lehrkraft beginnt. Sie ruft den Namen eines Schülers bzw. einer Schülerin und wirft ihm/ihr dann den Ball zu. Der Fänger/Die Fängerin ruft den Namen des nächsten Schülers bzw. der nächsten Schülerin und wirft den Ball weiter. Der Ball zirkuliert nun in beliebiger Reihenfolge im Kreis. Damit gewährleistet ist, dass jeder den Ball nur ein einziges Mal erhält, hebt jeder, der bereits dran gewesen ist, einen Arm. Der Letzte wirft den Ball zur Lehrkraft zurück.
Machen Sie nach der ersten Runde zur Festigung eine weitere Runde mit nur einem Ball. Bleiben Sie gelassen, wenn unter den Schülern und Schülerinnen ein bisschen Langeweile aufkommt, bevor Sie in der dritten Runde überraschend weitere Bälle ins Spiel bringen. Die Lerhkraft bestimmt durch die Anzahl der Bälle den Schwierigkeitsgrad und auch die Spieldauer. Es gibt keine Gewinner oder Verlierer.

Variationsmöglichkeit: Das Spiel kann auch im Sitzen (Bälle rollen) oder auf dem Schulhof gespielt werden.

b) Eine weitere Methode, auf den Sinn und die Bedeutung von Regeln hinzuarbeiten besteht darin, zunächst relativ offene und unabgestimmte Gesprächssituationen zu erzeugen. Im Folgenden entwickelten die Schüler/innen selbst Absprachen bezüglich des Gesprächs. Durch diese kann erfahrbar gemacht werden, dass Absprachen günstigere Bedingungen für den Einzelnen, aber auch für die Gruppe schaffen.

Auf einer rein kognitiven Ebene können jedoch auch bestehende Verkehrsregeln oder notwendige Regeln bei Sportspielen genutzt werden, um den Schülern und Schülerinnen Sinn und Bedeutung von Regeln anschaulich und alltagsbezogen zu verdeutlichen.

Achtsamkeiten

  • Nicht zu viele Regeln entwickeln oder zur Anwendung bringen.
  • Schüler/innen lernen, dass auch Erwachsenen bestimmte Regeln bewusst sind. Die Umsetzung im Alltag kann aus verschiedenen Gründen auch für ältere Menschen schwierig sein.
  • Regelverletzungen lassen sich nie ganz vermeiden.
  • Bei Schülern bzw. Schülerinnen mit besonderen Auffälligkeiten müssen oder sollten u. U. weitere zusätzliche Vereinbarungen getroffen werden.
  • Kooperation mit Kollegen kann den Umsetzungsprozess durch das gemeinsame Herangehen vereinfachen. Der Austausch mit Kollegen kann zudem stärken, Ideen wachsen lassen und in schwierigen Situationen Mut machen.

Regeln entwickeln – Gruppenarbeit

Die Schüler/innen entwickeln ihre Regeln gemeinsam mit der PDF-Icon "Platzdeckchen-Methode" (AB 5).

Zunächst werden die Schüler/innen nach dem Zufallsprinzip in Vierer- oder Fünfergruppen aufgeteilt. Möglichkeiten zur Aufteilung:
  • Unterschiedliche Moderationskarten in vier oder fünf Teile zerschneiden, an die Schüler/innen austeilen und wieder zusammenfügen lassen
  • Steine unterschiedlicher Farbe verteilen
  • Nach einem bestimmten Merkmal (Geburtstag, Hausnummer usw.) aufstellen lassen und auszählen ...
Die Gruppen finden sich an den Tischen zusammen, auf dem Flipchartpapier (doppelt) und Filzstifte vorbereitet liegen. Auf dem Feld in der Mitte PDF-Icon (siehe AB 6) befindet sich eine Tageslichtschreiberfolie.
Jeder Schüler bzw. jede Schülerin erhält nun zunächst eine Zahl. Zum Aufwärmen für die Gruppenarbeit erhalten die Gruppen eine Fragestellung oder Aufgabe, die mit der eigentlichen Fragestellung nichts zu tun hat. Es kann sich um persönliches Erzählen (bestimmtes Ereignis), aber auch um etwas Witziges handeln:
"Stellt euch vor, Pommes frites und Ketchup begegnen sich. Zwei von euch sind die Pommes frites, die anderen das Ketchup. Wie geht es euch in dieser Rolle?"

In der ersten Phase der eigentlichen gemeinsamen Arbeit beschäftigt sich jeder Schüler bzw. jede Schülerin mit zwei Fragestellungen:
  • Was ist die Voraussetzung dafür, dass ich mich beim Zusammenarbeiten mit meinen Mitschülern und Mitschülerinnen, aber auch grundsätzlich in meiner Klassengemeinschaft wohl fühlen kann?
  • In welchen Situationen fühle ich mich unwohl bzw. geht es mir überhaupt nicht gut?
  • Die Schüler/innen lassen sich diese Fragestellungen durch den Kopf gehen und machen sich in ihrem jeweiligen Randfeld entsprechend Notizen.
In der zweiten Phase lesen die Schüler/innen die Notizen den anderen Schüler/innen aus der Gruppe vor und tauschen sich diesbezüglich aus. Ein Schüler bzw. eine Schülerin moderiert diesen Prozess (Zahl zwischen eins und vier oder fünf nennen je nach Gruppengröße). Es ist wichtig, den Schülern und Schülerinnen vorab kurz zu veranschaulichen, was für diesen Moderationsprozess wichtig ist:
  • dem Mitschüler bzw. der Mitschülerin zuhören und ihn bzw. sie direkt ansprechen
  • aussprechen lassen
  • nachfragen
Ein Sprechstein kann diesen Prozess unterstützen.
Die Arbeitsergebnisse werden auf der Folie festgehalten, indem die Schüler/innen Absprachen oder Regeln formulieren, die sie als wichtig empfinden für eine gute Zusammenarbeit und eine gute Atmosphäre in der Klasse.

Tipps für das Formulieren:

  • "Ich" und nicht "Wir"
  • positiv formulieren
  • auf Umsetzbarkeit und Nachvollziehbarkeit achten
Jede Gruppe trägt anhand der Folie ihre Ergebnisse vor. Durch das Nennen einer Zahl, die in der Gruppe vorkommt, kann jeder Schüler und jede Schülerin aus der Gruppe damit rechnen, dass er/sie hierbei Verantwortung für die Gruppe übernimmt.

Alternativ zu dieser Vorgehensweise kann man die Gruppen reihum nach jeweils einem Arbeitsergebnis fragen und die einzelnen Ergebnisse Schritt für Schritt an der Tafel festhalten.
Abschließend ist es wichtig herauszustellen, dass jede formulierte Regel von Bedeutung ist, da sie jeweils das Ergebnis des einzelnen, intensiven Nachdenkens über Regeln und ein wertzuschätzendes Ergebnis der Arbeit in den Gruppen ist.

Zielvorstellung entwickeln – Veranschaulichung der angestrebten Regel

Das VAK-Modell – die Sache mit der Wahrnehmung

Mit dem Formulieren der jeweiligen Regeln haben die Schüler/innen ausgedrückt, welche Aspekte für sie bezüglich des Zusammenarbeitens und Zusammenseins wichtig und wesentlich sind und für die sie sich eine Umsetzung wünschen. Häufig ist den Schülern und Schülerinnen jedoch nicht klar, wie diese Umsetzung in der Realität aussieht. Insofern ist es im nächsten Schritt wichtig, den Schülern und Schülerinnen anschaulich zu vermitteln, zu welchen konkret wahrnehmbaren Ergebnissen die Umsetzung der von ihnen angestrebten Regeln führt. Um bei den Schülern und Schülerinnen diesbezüglich eine konkrete Vorstellung zu ermöglichen, kann man das VAK-Modell einsetzen:

V – visuelle Wahrnehmung
A – auditive Wahrnehmung
K – kinästhetische Wahrnehmung

Dieses Modell wird beim kooperativen Lernen in Form eines T-Charts (VA) oder Y-Charts (VAK) entwickelt. Wenn die Schüler/innen z. B. die Regel "Ich höre dem anderen zu" entwickelt haben, ist folgendes T-Chart denkbar:

Ich höre: Ich sehe:
  • immer nur eine Stimme
  • Erinnerungen, sich gegenseitig zuzuhören
  • den anderen ausreden lassen ...
  • Blickkontakt zum anderen Schüler bzw. zur anderen Schülerin
  • unterschiedliche Redner
  • zugewandte Körperhaltung …


Bei der Erstellung eines Y-Charts ergänzen formulierte Wahrnehmungen aus dem Bereich des Fühlens die Ebenen des Hörens und Sehens:
  • Ich fühle mich wohl und angenommen.
  • Ich kann für den anderen empfinden.
  • Ich spüre Aufmerksamkeit. (Sind diese Merkmale okay, oder fallen dir andere ein?)
Wenn der Bereich der kinästhetischen Wahrnehmung thematisiert und aufgegriffen werden kann, schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt der Überlegungen, sich gemeinsam Regeln zu geben. Es geht ja im Kern darum, dass ich mich wohl fühlen kann, wenn ich mit den Mitschülern und Mitschülerinnen zusammen bin bzw. zusammen mit ihnen arbeite. Durch das Betrachten der auditiven und visuellen Kategorien wird deutlich, welche wahrnehmbaren Aspekte zu diesem Ziel führen.

Die angestrebten Regeln konkret erfahrbar und erlebbar machen

Nachdem die wahrnehmbaren Hinweise auf ein erfolgreiches Umsetzen der angestrebten Regeln erarbeitet wurden, ist es günstig, dass die Schüler/innen das erwartete Verhalten auch in einer konkreten Situation sehen können. Diesbezüglich bieten sich eine vorbereitete Situation, ein Rollenspiel oder ein aktuelles Geschehen aus dem Unterricht an. Diese Situation wird im Folgenden bezüglich der vorher erarbeiteten Grundlagen aufgearbeitet. Das Umsetzen von Regeln in konkreten Zusammenhängen wird für Schüler/innen leichter sein, wenn sie auf diese Art und Weise innere Bilder bezüglich der angestrebten Regeln entwickeln können.

Anwenden und Einüben der Regeln – Auswertung

Im Rahmen der Umsetzung der durch die Schüler/innen angestrebten Regeln ist es günstig, sich zunächst nur auf sehr wenige Regeln – vielleicht sogar nur eine – zu beschränken. Die Regeln befinden sich gut visualisiert im Klassenraum. Die Regeln, die sich momentan im Schwerpunkt der Umsetzung befinden, sollten besonders gekennzeichnet oder hervorgehoben sein. Ebenso befinden sich das T-Chart bzw. das Y-Chart gut sichtbar im Klassenraum. Die Einhaltung der Regeln sollte nun nicht nur im Bereich des sozialen Lernens, sondern auch im Fachunterricht eine besondere Rolle spielen. Die Entwicklung und Förderung sozialer Kompetenzen (hier: Anwendung von Regeln) sollte demnach möglichst parallel im Fachunterricht Berücksichtigung finden. So bietet es sich an mit Kollegen in diesem Bereich zusammenzuarbeiten und vor allem immer wieder Phasen der Partner- und Gruppenarbeit einzubeziehen. In dem jeweiligen Prozess kann reflektiert werden, inwieweit die Schüler/innen dem angestrebtem Ziel näher kommen oder auch nicht. Dies geschieht unter Bezugnahme auf die formulierte Regel, aber auch der erarbeiteten Veranschaulichung. Zur Auswertung und zum Bewusstmachen der stattfindenden Prozesse empfehlen sich kurze Blitzlichtrunden unterschiedlicher Art, Stimmungsbarometer oder eine Punktwertung entsprechend vorgegebener Kategorien, die dann entsprechend gekennzeichnet sind, z. B.:

Ziel – Ich höre nur eine Stimme: immer – meistens – nie

Weitere Möglichkeiten des Bewusstmachens von Regelverletzungen

Es ist grundsätzlich wichtig, immer wieder Regelverletzungen bewusst zu machen. Dies ist unabhängig davon, ob man Konsequenzen für Regelverletzungen selbst vorgibt oder von den Schülern und Schülerinnen erarbeiten lässt. Veränderung kann nur durch immer wiederholende Bewusstmachung und Einsicht erfolgen. Deswegen ist dies ein wesentlicher Aspekt, neben der wiederholten Arbeit mit den Regeln bzw. der ständigen Überarbeitung. Die Nachhaltigkeit hängt im Wesentlichen mit davon ab, inwieweit Formen der Bewusstmachung von Schülern und Schülerinnen selbst angeregt oder entwickelt wurden. Bewusstmachung sollte als solche nicht überstrapaziert werden.

Mögliche Formen

  1. Förderung der Selbstwahrnehmung – Festhalten der Beobachtungen (Selbstkontrollkarten, Tokenprogramme)
  2. Selbstwahrnehmung – Fremdwahrnehmung; Vergleich
  3. Handheben als Zeichen für Störung, Anschlagen einer Klangschale
  4. Zeigen vorbereiteter Kärtchen
  5. Zeigen auf die vorliegenden Regeln/Symbole
Bewusstmachung erfolgt bei diesen Formen in relativ kurzer Form unmittelbar nach der Regelverletzung. Andere Möglichkeiten der Bewusstmachung bestehen darin, mit der ganzen Klasse oder mit von den Schülern und Schülerinnen selbst bestimmten Mitschülern bzw. Mitschülerinnen über die wahrgenommene Verletzung zu sprechen. Allein diese Maßnahme des Bewusstmachens oder des bewussten Wahrnehmens hat in vielen Fällen zu einer Veränderung des Klassenklimas geführt. Die Zahl der Regelverletzungen nahm deutlich ab. Die Lehrkraft ist selbst Modell oder Vorbild, an dem sich die Schüler/innen orientieren können und werden. Dies ist ein wichtiger Aspekt bei Verletzungen bzw. des angemessenen Umgangs mit den Regeln. Beim Einhalten von Regeln sind Signale eine Erleichterung. Das bezieht sich nicht nur auf den Bereich des Einhaltens von Klassenregeln, sondern ist auch sinnvoll beim Phasenwechsel oder bestimmten Arbeitsformen einzusetzen. Hier einige Beispiele:
  • Ein bestimmtes akustisches Signal (z. B. Triangel, Glocke o. ä.) zeigt den Kindern an, dass sie im Moment zu laut sind.
  • "Verzaubern": Ein Zauberspruch leitet eine Stillephase ein, wie z. B. "Hokus Pokus Fidibus, wir sind jetzt bereit, nun beginnt die Mäusezeit/Flüsterzeit…".
  • Zum Beenden von Stillarbeitsphasen kann z. B. einmal über die Gitarrensaiten gefahren werden. Dies zeigt den Kindern an, dass sie diese Aufgabe noch fertig machen dürfen, aber nun zum Ende der Arbeit kommen sollen.
  • Eine bestimmte Melodie (z. B. auf der Flöte/Gitarre gespielt) zeigt den Kindern an, dass sie sich in den Sitzkreis begeben sollen.
  • "Wachsfigurenkabinett": Durch das Ertönen einer Kellnerklingel werden die Kinder zu Wachsfiguren: Sie können sich nun weder bewegen noch sprechen, sondern nur noch aufmerksam zuhören.
  • Durch das gesprochene oder auf eine Karte geschriebene Wort "Konferenz" begeben sich die Schüler/innen in eine aufrechte Position und kreuzen die Arme vor der Brust: Sie wissen, dass alle in einer Konferenz gut aufpassen müssen, was der Chef erklärt (in diesem Fall die Lehrkraft).
  • Die Meerestrommel bietet ebenfalls eine gute Möglichkeit, eine ruhige und aufmerksame Atmosphäre zu schaffen. Sie lässt sich in verschiedenen Lautstärken anwenden und wird solange bewegt, bis sie nur noch ganz leise zu hören ist und alle Kinder durch das Heben beider Hände signalisieren: "Ich höre dir zu und habe nichts mehr in der Hand."
  • Auch optische Signale wie Bildkarten oder das "Mäuschensymbol" lassen sich zum Einhalten der "Ruheregel" gut verwenden.

Wiederholte Überarbeitung der aufgestellten Regeln

Es ist wesentlich, von Zeit zu Zeit immer wieder mit den Schülern und Schülerinnen gemeinsam zurückzuschauen und daran zu arbeiten, welche Absichten man mit den Regeln hatte und ob die Erfolge entsprechend sind. Es ist wichtig, dabei die Schüler/innen-Perspektive zum Tragen zu bringen. Es gibt zunehmend Lehrkräfte, die gerade unter dieser Perspektive zunächst überhaupt nur mit einer Regel arbeiten (Arbeitsregel o. ä.), die dann mit der Zeit zur "Könnensregel" wird. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird an der Einführung anderer Regeln gearbeitet. Für die Überarbeitungsphase ist es wichtig, die Regeln, die zunächst nicht Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit waren, in einem Arbeitsspeicher aufzubewahren. Sie können jetzt wieder ins Licht der gemeinsamen Diskussion gestellt werden, da es sein kann, dass sich im Rahmen der Überarbeitung neue Schwerpunkte ergeben. Genauso wichtig ist es, die Ergebnisse der Arbeitsphase aus der ursprünglichen Entwicklung der Regeln zu speichern. Denn oft laufen bei der Entwicklung von Regeln Generalisierungsprozesse ab, die beim Betrachten des ursprünglichen Prozesses aufgehoben werden. Es gibt Lehrkräfte, die die Ergebnisse der Entwicklungsphase (Moderationskarten, Flip-Chart etc.) kontinuierlich visualisieren, um die "Ursprünge" der Regeln ständig im Rahmen der Überarbeitung bewusst zu machen. Die Zusammenarbeit mit Kollegen ist im Rahmen der Überarbeitung der Regeln günstig, wenn gemeinsam daran gearbeitet wurde.

Zusammenarbeit mit Kollegen und Eltern

Diese Zusammenarbeit begünstigt natürlich sämtliche Teilprozesse, wenn sie vorgenommen werden kann. Es ist besonders vorteilhaft, wenn die Kollegen zunächst über das Vorgehen informiert sind und immer wieder die Möglichkeit zur Rücksprache haben. Dann sind sie nicht überrascht, was nun gerade in der Klasse passiert bzw. was von Stunde zu Stunde visualisiert ist. Wenn Kollegen nicht an der Zusammenarbeit bezüglich dieses Themas interessiert sind, ist dies in Ordnung und zu akzeptieren.

Sind Kollegen an einer gemeinsamen Umsetzung interessiert, bieten sich die verschiedensten Möglichkeiten der Zusammenarbeit an (Regeln gemeinsam unterschreiben, gemeinsam auf Konsequenzen achten, Klassenregeln und Gesprächsregeln im Deutschunterricht etc.). Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig, weil dann in einem anderen Feld als in der Schule selbst die mit den Regeln in Zusammenhang stehenden Themen eine Rolle spielen. Erfahrungsgemäß nutzen einige Eltern – angeregt durch die Vorgänge in der Schule – die Chance, in ähnlicher Weise mit ihren Kindern zu reden und zu "arbeiten".

Entwickeln von Konsequenzen: Reflexionen zu Regeln und Klassenrat

Entwicklung von Konsequenzen durch die Schüler/innen selbst

Zunächst bestehen die Regeln ohne weitere Auseinandersetzung für eine gewisse Zeit (drei bis fünf Wochen). Nach dieser Phase wird folgender Impuls gegeben: "Wie hat es mit den von uns entwickelten Regeln geklappt?" Die unterschiedliche Befindlichkeit der Schüler/innen im Umgang mit den Regeln kann auf dieser Basis herausgearbeitet werden. Die Erfahrung geht meist dahin, dass es noch nicht so gut mit der Umsetzung funktioniert hat:
  • Wieso ist dies nicht so gut gelungen, wie wir uns dies vorgenommen haben?
  • Was können wir tun, um zu verhindern, dass es künftig zu diesen Regelverletzungen kommt?
Auf dieser Basis können die Schüler/innen angeregt werden, selbst angemessene Konsequenzen zu entwickeln. Dies gelingt oft mit der gesamten Klasse, manchmal aber auch mit Teilgruppen, die den Auftrag der Klasse haben und die Ergebnisse dann vorstellen. Es kommt vor, dass die Wünsche der Schüler/innen bezüglich der Konsequenzen wesentlich rigider sind, als wir Lehrkräfte uns denken. Hier ist hin und wieder auch eine Beratung bzw. Hilfestellung von unserer Seite wichtig. Oder die Möglichkeit, Konsequenzen auszuprobieren und dann zu verfeinern oder zu ändern. Es ist günstig, wenn die Konsequenzen im Zusammenhang mit der Regelverletzung stehen oder wenn die Konsequenzen ein Training für den Einsatz in der Klasse oder der Schulgemeinschaft darstellen.

Einhalten der Konsequenzen durch Schüler/innen oder Lehrkräfte

Es gibt viele Lebensbereiche, innerhalb derer mit Regeln gearbeitet wird. Die aufgestellten Regeln bleiben jedoch ohne nennenswerte Folgen für das Klima und die Zusammenarbeit, wenn nicht auf die Einhaltung der Regeln und der erarbeiteten Konsequenzen geachtet wird. Wenn nicht auf die Einhaltung der Regeln geachtet wird, fühlen sich die Schüler/innen schnell allein gelassen und geben auf. Denken Sie bitte daran: Für die Schüler/innen ergibt sich über das Einhalten von Regeln eine direkte Möglichkeit, auf das Klima der Klasse positiv einzuwirken. Auf diese Weise können partizipative Selbstwirksamkeitserfahrungen angeregt werden. Gerade bei einem Laisser-faire-Umgang mit Regeln setzen sich wieder die Schüler/innen durch, die ein nicht so großes Interesse an Regeln haben. Dies wäre nach dem bislang erfolgten Arbeitsaufwand der VorBild-Stunden und dem entwickelten Interesse natürlich enttäuschend. Die Umsetzung und der Erfolg weiterer pädagogischer Wege und Intentionen werden von den Schülern und Schülerinnen unmittelbar hieran gemessen. Die Lehrkraft kann die unterschiedlichsten Systeme entwickeln, um im Bereich der Konsequenzen zu arbeiten. Die meisten Lehrkräfte entwickeln ein mehrstufiges Vorgehen, innerhalb dessen Verletzungen zunächst deutlich, bewusst und visualisiert werden. Es bleibt zunächst bei Hinweisen. In einer bestimmten Phase werden dann die entwickelten Konsequenzen angewendet. Spannend wird es, wenn die Schüler/innen selbst auf die Einhaltung der Regeln und auf die Anwendung der Regeln achten. Diese Entwicklung kann z. B. von Klassenratsstunden ausgehen. In diesen wird oft in ritualisierter Art und Weise über die Klassengemeinschaft und dann auch über Regelverletzungen gesprochen. Die Lehrkraft führt die Klasse in diese Arbeit ein. Verantwortliche Schüler/innen (nicht unbedingt der Klassensprecher) werden gemeinsam bestimmt und ein angemessenes Verfahren wird entwickelt. Oft wird zur Sammlung der Regelverletzungen ein zweites Klassenbuch angelegt, ein Kummerkasten aufgestellt oder ein Flip-Chart-Papier eingesetzt.

Anregung zum Einhalten von Regeln

Das "Wolkenmodell"
  • Die Namenskärtchen aller Kinder befinden sich in einer Wolke.
  • Halten sie sich an die Klassenregeln, bleiben sie auch darin.
  • Von der Wolke führt ein "Regenbogen" mit drei Farbstreifen in gelb, orange und rot hinunter in den "Dschungel".
  • Verletzt ein Schüler bzw. eine Schülerin eine Regel, wandert sein/ihr Namensschild in den gelben Bereich (= Achtung: Verwarnung!).
  • Hierin bleibt der betreffende Schüler bzw. die betreffende Schülerin entweder solange, bis er/sie eine Wiedergutmachung schafft (z. B. Entschuldigung). Dann darf er/sie wieder zurück in die Wolke. Oder aber er/sie erlaubt sich noch einen Regelverstoß, dann wandert seine/ihre Namenskarte in den orangefarbenen bzw. anschließend in den roten Streifen. Ist ein Kind im roten Streifen angelangt, erhält es eine Strafe. Es bekommt sogleich eine neue Chance sich zu beweisen, indem es zurück in die Wolke darf.

Weiterführende Literatur:

Brüning, Ludger / Saum, Tobias (2007): Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen. Strategien zur Schüleraktivierung. Essen: Neue Dt. Verlagsgesellschaft.


Interaktives Wahltool

Wahl-O-Mat

Seit 2002 gibt es den Wahl-O-Mat der bpb. Mittlerweile hat er sich zu einer festen Informationsgröße im Vorfeld von Wahlen etabliert. Hier erfahren Sie, wie ein Wahl-O-Mat entsteht und was seine Ziele sind. Im Archiv können Sie außerdem jeden Wahl-O-Mat der vergangenen Jahre noch einmal nachspielen.

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