Copy creates Culture?

Video-Interview mit Lawrence Lessig

Wie der Verfassungsrechtler Lawrence Lessig mit einem neuen Copyright die Kultur retten will

Inhalt

So sieht ein Netzaktivist eigentlich nicht aus: Anzug, Brille und Lackschuh, ein Ex-Kandidat der Republikaner mit einer juristischen Bilderbuchkarriere. Und doch: Heute leitet Lawrence Lessig das Stanford Law School Center for Internet and Society und hat eine eigene Kolumne im kalifornischen Mutterschiff der Internetkultur, dem Magazin 1999 störte sein Buch "Code" die Netzgemeinde auf: Das Internet sei kein Paradies unbegrenzter Freiheit. Da alles im Internet aus menschengemachten Zeilen Software – Code – besteht, kann auch alles von Menschen kontrolliert werden, und zwar wirksamer als jedes Gesetz. Seinen bislang größten öffentlichen Auftritt hatte der Verfassungsrechtler, als er vor dem Obersten Gerichtshof der USA eine Klage gegen die Verlängerung des Copyrights auf 95 Jahre vertrat, spöttisch "Mickey-Mouse-Schutzgesetz" genannt. Die Walt Disney Company hatte das entsprechende Gesetz mit massivem Lobbying unterstützt. Ohne die Verlängerung wäre die Figur Mickey Mouse 1998 Gemeingut geworden. 2003 wurde die Klage abgewiesen.

Im Video-Interview erläutert Lessig die Thesen seines 2004 erschienenen Buches "Freie Kultur": Kultur besteht im Grunde aus Sampeln, und mit den digitalen Sampling-Technologien blüht derzeit weltweit eine neue kollektive Kreativität auf. Dem steht jedoch das veraltete Copyright im Weg. Einen Ausweg bietet die von Lessig 2001 mit gegründete Initiative "Creative Commons": Auf deren Website kann sich jeder mit wenigen Klicks sein individuelles Urheberrecht zusammenbauen und auf Büchern, CDs oder Websites einsetzen.

Das Interview entstand am 12. Mai 2005 auf der Auftaktveranstaltung der bpb-Diskussionsreihe "Kontinentaldrift 3.0 – Amerika zwischen Europa und Asien".

Lawrence Lessig im Mai 2005 in Berlin, (c) bpb 2005

Weitere Informationen

  • Kamera: Jörg Pfeiffer

  • Redaktion: Tatjana Brode, Sebastian Deterding

  • Produktion: 05.2005

  • Spieldauer: 00:04:52

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung

 
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