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Grafstat Methoden

14.5.2004

12. Karikatur interpretieren

Didaktische Hinweise

Die vorliegende Karikatur befasst sich mit der anstehenden Bundestagswahl und der Frage nach den Spitzenkandidaten. Die Szenerie - eine Wüstenlandschaft mit sengenden Sonnen soll die "heiße Phase" des Wahlkampfs verdeutlichen, die dem Wähler mitunter durch die permanente Konfrontation mit Wahlkampfthemen in den Medien als quälend lang erscheinen mag.

"Karikaturen sollten sowohl Mittel des Unterrichts sein (Motivationseinstieg, Veranschaulichung, Dokumente parteilicher historischer Standpunkte und Argumentationen, Reflexe auf politische Prozesse) als auch bewusst Gegenstand sein. Der erste emotionale Anstoß, die spontane Reaktion sind wichtig. Doch bleibt die Aufgabe, die Sicherheit im kritischen Umgang mit Karikaturen zu fördern, ein wichtiges Ziel. Die visuelle Satire soll nicht nur untersucht, sondern auch selbst produziert werden: zunächst mit zielgerichteten Textbeifügungen für vorgefundene Bilder, dann durch Veränderungen von Bildmaterial, schließlich mit eigenen zeichnerischen Versuchen. Dabei wird deutlich, dass politische Karikaturen nicht Selbstzweck sind, sondern zielgerichtete, satirische Kritik, die bei allem Lustgewinn etwas bewirken will, die über das Lachen betroffen, nachdenklich, im optimalen Fall politisch aktiv machen will." (Dietrich Grünewald, Bild und Karikatur, in: Wolfgang W. Mickel (Hrsg.), Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 358, Bonn 1999, S. 456.)

Das Auswerten einer Karikatur sollte immer die zwei methodischen Schritte des Beschreibens und Deutens enthalten. Das vorgeschaltete Beschreiben fördert die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Schüler/innen und ist hilfreich, um wichtige Einzelheiten der Karikatur genau wahrzunehmen. Bei der Deutung sollte der politisch-gesellschaftliche Hintergrund mit berücksichtigt und entweder von den Schüler/innen oder von der Lehrerin/dem Lehrer erläutert werden. Ebenso sollte die Sichtweise des Karikaturisten (evtl., parteipolitische oder sonstige interessengebundene Ausrichtung) thematisiert werden.

Einsatzmöglichkeiten

Karikaturen sind besonders geeignet als problemorientierter Einstieg in eine neue Thematik. Die vorliegende Beispielkarikatur wirft in erster Linie die Frage "Wer wird der nächste Bundeskanzler?" auf. Damit wird die geplante Wahlprognose der Reihe zur Bundestagswahl eingeleitet.

Auf der CD-ROM befinden sich noch zahlreiche weitere Karikaturen, die sich ebenfalls zur Interpretation eignen. In das nebenstehende "Blanko-Arbeitsblatt" können Sie eine beliebige Karikatur einkleben.

Literatur

Wolfgang W. Mickel (Hrsg. ), Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 358, Bonn 1999.

Günter Gugel, Methoden-Manual I: Neues Lernen. Tausend Praxisvorschläge für die Schule und Lehrerbildung, Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1999, S. 22f.

Inzwischen finden sich in fast jedem Schulbuch Hinweise zum Umgang mit Karikaturen, zum Beispiel:

Franz J. Floren, Politik 3. Ein Arbeitsbuch für den Politikunterricht, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1997, S. 431ff.



Interview
Unterrichtsprojekte mit Umfragen

Forschen mit GrafStat

Mit GrafStat werden Schülerinnen und Schüler selbst zu Sozialforschern. Das Programm zur Erstellung und Auswertung von selbst erstellten Umfragen greift aktuelle Themen wie Wahlen, Mobbing, Rechtsextremismus oder Fußball und Nationalbewusstsein auf. Lernende können selbst Hypothesen bilden, Daten ihrer eigenen Umfrage erheben und Ergebnisse selbstständig auswerten und interpretieren: ein spannender Einblick in die Meinungsforschung mit überraschende Analysen des eigenen Umfelds.

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