30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren


Minbar

Kanzel in einer Moschee für die Freitagspredigt; for­males Vorbild waren koptische Kanzeln. Muḥammad wurde laut Überlieferung ein dreistufiger M. aus Äthiopien geschenkt, von dem aus er seine Ansprachen hielt. In der Frühzeit diente der M. möglicherweise als Richterstuhl. Die Kalifen erhöhten den M. um mehrere Stufen, die späteren M. besaßen meist bis zu sieben Stufen, konnten aber wie die osman. M. noch höher sein. Der M. befindet sich nach dem Vorbild der Prophetenmoschee in Medina immer rechts vom Mihrab. In den Moscheen des Westens, in Nord­afrika und auch Andalusien lag rechts neben dem Mihrab ein Raum, in dem der M. verborgen und nur zu den Freitagsansprachen (Predigt) hervorgeholt wurde. Als für den Got­tesdienst notwendiges Requisit wurde der M. oft als kostbar verziertes Kunstwerk gestaltet, wie etwa der Holzminbar in der Großen Moschee in Qairawan/Tunesien aus dem 9. Jh., der vermutlich aus dem Irak stammt. Verziert werden die Seitenwangen, Stufen und der Sitz, über dem sich ein Baldachin erhebt. Abgesehen von M., die aus Holz gefertigt wurden, gibt es auch aus Stein gemauerte M., v. a. in osman. Moscheen.

Literatur:
Becker, C.: «Die Kanzel im Kultus des alten Islam», in Orientalische Studien, Festschrift Theodor Nöldeke, 1906, 331 – 351. – Pedersen, J.: Art. «Minbar», The Encyclopaedia of Islam, second edition.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Barbara Finster, Universität Bamberg, Islamische Kunst und Archäologie


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



Lexika-Suche

Dossier

Islamismus

Seit 9/11 hat ein Wort Hochkonjunktur: Islamismus. Wer sind seine Wortführer? Welche Ziele verfolgen sie? Das Dossier führt ein in Vergangenheit und Gegenwart der extremistischen Herrschaftstheorie, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor große Herausforderungen stellt.

Mehr lesen