Puppenspiel

Sowohl das Spiel mit Stab- oder Handpuppen als auch Marionetten- und Schattenspiel finden sich in der islam. Welt als Unterhaltungsdarbietung. Besonders Südostasien besitzt eine reiche Tradition an P. Vorgetragen werden Epen, Legenden und Märchen in lokalen Dialekten. Stabpuppen und Marionetten sind etwa 75 cm hoch und aus Holz geschnitzt. Figuren und Rollen sind typisiert, ebenso wie die musikal. Stücke, welche das Spiel begleiten. So gibt es Stücke, die bestimmten Rollen, Bewegungen, Emo­tio­nen oder Handlungen zugeordnet sind. Verschiedene Arten von Trommeln und Gongs sind dabei die hauptsächlichen Instrumente, dazu kommen Beckenpaare, Oboe oder ein Streichinstrument. Es wird vermutet, dass das Schattenspiel aus Südostasien seinen Weg in den Nahen Osten gefunden hat. Aus Ägypten sind die Handschriften des Muḥammad ibn Danyāl mit Texten von drei Spielen aus dem 13. Jh. überliefert, was jedoch nicht ausschließt, dass es vorher schon Schattenspiel gegeben hat. Die schriftliche Überlieferung von Texten ist ansonsten selten, und erst wieder in neuerer Zeit werden Texte schriftlich fixiert und archiviert. Die Spiele werden in improvisierter Form, aber um vorgegebene Plots herum aufgeführt. Dabei stehen der Puppenspieler und sein Assistent hinter einer von unten angeleuchteten Leinwand. Daneben befinden sich zwei bis drei Musiker mit Trommeln, Oboe oder Flöte. Die Schattenfiguren – Menschen, Tiere, phantast. Figuren und Kulissen – sind zweidimensional und aus farbigem Leder hergestellt. Die Spielfiguren sind zwischen 20 und 60 cm hoch und werden durch an einem oder mehreren Gelenken befestigte, etwa 50 cm lange Stöcke bewegt. Auch hier gibt es stereotypisierte Figuren und Handlungen. Die bekannteste Figur ist Karagöz (türk.: «Schwarzauge»), Leitfigur des türk. Schattenspiels, welche auch in arab. Spiele Eingang gefunden hat. Zusammen mit seinem Partner Hacivad erlebt er Abenteuer, bei denen er durch seine Schlitzohrigkeit immer als Sieger hervorgeht. Die Stücke sind von Märchen oder dem Alltag inspiriert und verwenden meist den Dialekt, sowohl in Prosa als auch in Versen. Schattenspiel diente als Unterhaltungsform im Ramadan oder bei sozialen Anlässen und wurde in Kaffeehäusern oder privaten Salons vorgetragen. Heute wird diese Form oft von staatlicher oder privater Seite aus gepflegt und in Theatern oder auf Freiluftbühnen aufgeführt.

Literatur:
Guo, L.: The Performing Arts in Medieval Islam. Shadow Play and Popular Poetry in Ibn Dāniyāl’s Mamluk Cairo, 2011. – Spitzing, G.: Das indonesische Schattenspiel, 1981.

Autor/Autorinnen:
Dr. Ines Weinrich, Universität Bochum, Arabistik und Islamkunde


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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