Teilnehmer einer Demonstration verbrennen am 10.12.2017 eine selbst gemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin im Stadtteil Neukölln. Die geplante Verlegung der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem sorgte auch in Berlin für Proteste. Bei den pro-palästinensischen Demonstrationen wurden Fahnen mit dem Davidstern angezündet.

22.4.2008

Die umstrittene Rede Ahmadinedschads

Im Bericht der ISNA sagt Ahmadinedschad: "Ich hoffe, dass das palästinensische Volk weiterhin so überlegt und klug vorgeht, wie in seinem Kämpf während der letzten 10 Jahre. Diese Phase wird nicht lange dauern und wenn wir sie erfolgreich hinter uns gebracht haben, wird die Eliminierung des zionistischen Regimes glatt und einfach sein."

Unser Präsident sprach als Warnung an alle Führer der islamischen Welt: "Ich warne alle Führer der islamischen Welt vor der Spaltung [fitna]: Wenn jemand unter dem Druck der Hegemonialen Ordnung [nazm-i salta], durch Unverständnis oder Einfältigkeit, oder Egoismus und Hedonismus einen Schritt unternimmt, dieses Regime anzuerkennen, sollten sie wissen, dass sie im Feuer der islamischen Gemeinschaft [umma] verbrennen werden und mit dem Mal ewiger Schande auf ihrer Stirn gekennzeichnet werden."[4]

Ahmadinedschad bekräftigte, dass die Palästinafrage das Problem der islamischen Welt sei und sagte: "Menschen, die in einem geschlossenen Raum sitzen, können darüber nicht entscheiden. Das islamische Volk kann es nicht erlauben, dass diese historische Feindschaft im Herzen der islamischen Welt existiert."

Er wies darauf hin, dass wir in unseren Analysen die ganze Welt einbeziehen sollten und fügte hinzu: "Meine Lieben, schaut auf die [ganze] Welt. Mit wem haben wir es zu tun? Wir müssen uns die ganze Niedrigkeit unseres Feindes bewusst machen, damit sich unsere heilige Rache wie eine Welle immer weiter ausbreitet."

Unser Präsident wies darauf hin, dass sich bald der Märtyrertodes von Märtyrer [šahīd]] Fathī Šaqāqī jähren wird: "Wir stehen Leuten gegenüber, die sich nicht im Geringsten and irgendwelche Prinzipien der Menschlichkeit oder der Religion gebunden fühlen. Sie verkünden einfach dass sie diesen oder jenen ermorden werden. Märtyrer Fathī Šaqāqī war ein herausragender Märtyrer, dessen reines Blut sehr schnell auf die eigentlichen Schuldigen an seinem Tod zurückgefallen ist."

Ahmadinedschad sagte ebenfalls: "Sie verkünden, dass wir so und so umbringen wollen, verbrennen die Felder, zerstören die Häuser, töten Kinder vor den Augen ihrer Mütter, bombardieren, lagern Atomwaffen und andere Waffen und danach machen sie sich zum Anwalt für Menschenrechte!"

Auf sein erst kürzlich erfolgtes Treffen mit einem westlichen Botschafter in Teheran verweisend, sagte unser Präsident: "Ein westlicher Botschafter eines jener Länder, welche mit uns verhandeln, kam um mich zu sehen. Ich habe ihn mit dieser Frage konfrontiert und ihn gefragt: ,Wie kann es sein dass in unserer Nähe ein Regime herrscht, welches so grausam mit seiner Bevölkerung umgeht, Niederschlagung verkündet und dessen Gefängnisse voll mit jungen Männern sind, die man aus ihren Häusern heraus verhaftet hat, welches Atomwaffen und militärische Ausrüstungen lagert. Wie kann es sein dass sie stumm darüber verbleiben und es in Schutz nehmen? Wie kann es sein dass sie vor mir sitzen und von Menschenrechten reden?"

Unser Präsident hat in hier ebenfalls Erinnerungen an seine eigene Studentenzeit eingeflochten: "Damals haben in eben diesen Strassen Teherans Terrorgruppen mein Volk gemordet und zu Märtyrern gemacht."

Ahmadinedschad fügte hinzu: "Ich habe ihm gesagt, dass diese Leute mit Leichtigkeit in Ihrem Kongress und Ihrer Regierung ein- und ausgehen. Sie bezahlen [diesen damaligen Terrorgruppen] ihre Spesen und nun sind Sie der Anwalt der Menschenrechte?"

Darauf hinweisend, dass alle diese Angelegenheiten sich vom ursprünglichen Problem, welches er erwähnt hatte, ergeben hätten, bekräftigte er: "Wir müssen die Front richtig definieren und erkennen, wo wir stehen. Was gesagt wird, muss im Rahmen der Hegemonialen Ordnung analysiert werden, damit sich die wahre Realität zeigt."

Unser Präsident erwähnte die Gründung der Islamischen Studentenvereinigung: "Lasst uns den Wert dieser Gründung erkennen. Wenn wir heute in einem unabhängigen Land leben, in welchem Dienste und Fortschritte stattfinden, dann sind diese für diejenigen Jungen, welche in erhabener Kultur und mit hochstrebendem Idealismus erzogen wurden. Diese Gründung ist eine sehr wertvolle Institutionalisierung."

Ahmadinedschad sagte ebenfalls, dass wir das Feld der Organisationen und Gruppen danach bewerten sollten, ob sie irgendwelche Dienstleitungen erbringen oder den Fortschritt im Land beförderten. Viele dieser Gruppen hätten beinahe keinerlei Teilhabe. Aber die Kinder, welche in diesen Organisationen aufwuchsen, sind zur Grundlage weiterer Dienstleistung und eine Stütze des Landes geworden.

Nachdem der Präsident seine Rede beendet hatte, kam es zu einem kurzen Zusammenbruch der allgemeinen Ordnung als viele Studenten auf das Podium stürmten. Während sie mit dem Präsidenten diskutierten, übergaben die Studenten ihm auch zahlreiche Briefe.

ENDE

Übersetzung: Eckart Schiewek / Sprachendienst des Deutschen Bundestages

Fußnoten

4.
Derselbe Absatz findet sich auch am Anfang der Rede.

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