Herausforderung Salafismus

29.1.2019

Bayern: Akteure und Organisation der Präventionsarbeit

In Bayern arbeiten die staatlichen Akteure der Prävention seit 2015 in einem Netzwerk zusammen, das die Bereiche Prävention und Deradikalisierung systematisch abdecken soll. Zivilgesellschaftliche Träger sind Partner des Netzwerks. Koordiniert wird das Netzwerk durch eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von vier Ministerien, die Leitung der Arbeitsgruppe liegt beim Innenministerium.[1] Das Land arbeitet sowohl im Bereich der Prävention als auch bei der Deradikalisierung mit zivilgesellschaftlichen Trägern zusammen.

1. Gibt es eine landeseigene bayerische Präventionsstrategie?

Die Bayerische Landesregierung hat im Jahr 2015 das "Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk gegen Salafismus" geschaffen. Im Netzwerk arbeiten die staatlichen Akteure der Präventionsarbeit ressortübergreifend zusammen.[2] Die in Bayern bereits zuvor bestehenden Maßnahmen zur Prävention sollten auf diese Weise miteinander vernetzt, aufeinander abgestimmt und ausgebaut werden. Grundlage für die Entwicklung des Konzepts für dieses Netzwerk war ein 2014 erstelltes Rahmenkonzept einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz.[3] Im November 2015 hat die bayerische Landesregierung zudem in Form eines Kabinettsbeschlusses ein Maßnahmenbündel beschlossen, um die Präventionsarbeit zu verstärken.[4]

Die bayerische Präventionsarbeit deckt sowohl die frühe Prävention als auch den Bereich der Deradikalisierung ab. Ziel des Landes ist, möglichst flächendeckend Angebote zu initiieren und die verschiedenen Akteure zu vernetzen, auch auf kommunaler Ebene. Es geht darum, die Kompetenzen aller beteiligten Akteure zusammenzuführen. Dazu gehören Akteure aus der Jugend- und Sozialarbeit, der Bildungsarbeit, von religiösen Organisationen, aus Politik und Medien sowie Sicherheitsbehörden.

Insgesamt vier Ministerien und mehrere Landesbehörden sind Teil des Netzwerkes. Die zivilgesellschaftlichen Träger Violence Prevention Network und ufuq.de sind Kooperationspartner.

2. Wie ist die Präventionsarbeit in Bayern organisiert?

Die Präventionsarbeit im Freistaat Bayern wird seit 2015 zentral von der "Interministeriellen Arbeitsgruppe" (IMAG) koordiniert und geleitet. Sie stimmt die staatlichen Maßnahmen ressortübergreifend ab. Die IMAG ist für die inhaltliche Steuerung und strategische Ausrichtung des "Bayerischen Netzwerks für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus" zuständig.[5] Geleitet wird die Arbeitsgruppe durch das Bayerische Staatsministerium des Innern (StMI).[6]

2.1 Interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG)

Die IMAG trifft sich regelmäßig, um das weitere Vorgehen zu besprechen und um neue Betätigungsfelder und Zielgruppen zu definieren. Sie fungiert als Austauschplattform der unterschiedlichen Ministerien und Landesbehörden des Freistaats Bayern aus allen Bereichen der Extremismusprävention und stimmt die staatlichen Maßnahmen ressortübergreifend ab. Die Aufgaben, die nach der Definition der IMAG in den Bereich Prävention fallen, liegen im Verantwortungsbereich aller beteiligten Ressorts.[7] Die Verantwortung für die Tätigkeiten, die dem Bereich Deradikalisierung zugeordnet werden, liegt beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA).

Die IMAG besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Staatsministerien
  • des Innern (StMI; Leitung der IMAG),
  • der Justiz (StMJ),
  • für Unterricht und Kultus (StMUK),
  • sowie für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS).
Darüber hinaus sind auch Landesbehörden in der IMAG vertreten: Weitergehende Informationen über die Arbeit der einzelnen Partner des Netzwerks gibt es auf der Internetseite des Bayerischen Netzwerks für Prävention und Radikalisierung, www.antworten-auf-salafismus.de.

Zuständig ist die IMAG auch für die Vertretung Bayerns gegenüber anderen Ländern, und sie vertritt Bayern in bundesweiten Gremien zum Thema Prävention und Deradikalisierung.

Neben der programmatischen und strategischen Koordination der landesweiten Präventionsarbeit durch das "Bayerische Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus" werden Teilbereiche durch weitere Akteure inhaltlich koordiniert.

2.2. Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration

Bayerisches Landeskriminalamt
Die bayerischen Sicherheitsbehörden sind Teil der bayerischen Präventionsarbeit. So liegt die Verantwortung für die Säule Deradikalisierung beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA).

Kompetenzzentrum für Deradikalisierung
Dort ist das "Kompetenzzentrum für Deradikalisierung" angesiedelt. Das Kompetenzzentrum im BLKA dient für andere Behörden in Bayern als Ansprechpartner zum Thema Deradikalisierung und es ist landesweiter Ansprechpartner in Fällen konkreter Gefährdung. Zudem analysiert es sicherheitsrelevante Fälle und übernimmt die Koordination bei der Deradikalisierungsarbeit in Kooperation mit dem zivilgesellschaftlichen Träger Violence Prevention Network e. V. (VPN).

Beratungsstelle Bayern
Im Auftrag des BLKA unterhält VPN in München die "Beratungsstelle Bayern". Ihre Aufgabe ist die Arbeit mit gefährdeten jungen Menschen im Umfeld des extremistischen Salafismus und deren Angehörigen beziehungsweise deren sozialem Umfeld. Diese werden sowohl beraten als auch bei einem möglichen Ausstieg aus der Szene begleitet. Die Beratungsstelle dient in Bayern als zentraler Ansprechpartner für betroffene Jugendliche und Eltern, kommunale Stellen sowie für Vereine, Moscheegemeinden und Schulen. Finanziert wird die Arbeit der Beratungsstelle durch das Staatsministerium des Innern.

Das "Kompetenzzentrum für Deradikalisierung" im BLKA und die "Beratungsstelle Bayern" sind zudem direkte Ansprechpartner der Beratungsstelle "Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Fällen von Radikalisierung in Bayern.

Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz
Neben dem Bayerischen Landeskriminalamt ist mit dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz eine zweite Sicherheitsbehörde Teil der Bayerischen Präventionsstrategie und in der IMAG vertreten.

Präventionsstelle Salafismus
Das Landesamt betreibt die "Präventionsstelle Salafismus". In enger Kooperation mit den anderen Akteuren der bayerischen Präventionsarbeit bietet sie Schulungen und Beratung an – unter anderem für Polizei, Hochschulen, Lehrkräfte, JVA-Bedienstete, Bewährungshelfer/-innen, Mitarbeiter/-innen von Ausländerbehörden, Sozialbehörden und Jobcentern sowie Sozialpädagoginnen und -pädagogen und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit.

Koordination des Sicherheitsbereichs im Innenministerium
Im Rahmen der Sicherheitspolitik wurde vom Bayerischen Staatsministerium des Innern zudem das "Gemeinsame Handlungskonzept des Bayerischen Landeskriminalamts, des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz und des Operativen Staatsschutzes der Bayerischen Polizei" entwickelt. Schwerpunkt der Arbeit ist die Beobachtung von möglichen Ausreisewilligen in Gebiete, in denen dschihadistische Gruppierungen wie der sogenannte Islamische Staat aktiv sind, unter anderem in Syrien oder im Irak. Ziel des gemeinsamen Handlungskonzeptes ist es, Absichten zur Ausreise frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden.[8]

2.3 Bayerisches Staatsministerium der Justiz

Zentrale Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Salafismus/Islamismus in JVAs
Im Bayerischen Justizministerium wurde im Dezember 2015 die "Zentrale Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Salafismus/Islamismus in Justizvollzugsanstalten" geschaffen. Sie entwickelt unter anderem Handlungsstrategien für den bayerischen Justizvollzug im Umgang mit sich radikalisierenden oder bereits radikalisierten Gefangenen und übernimmt die Koordinierung bei salafistischen/islamistischen Verdachtsfällen im bayerischen Justizvollzug. Zu ihren Aufgaben gehört weiterhin die Vermittlung von Wissen im bayerischen Justizvollzug und die fachliche Begleitung und Unterstützung des Ausbaus der muslimischen Gefängnisseelsorge.

2.4 Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Die im Kultusministerium angesiedelte "Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit" stellt Vermittlungsangebote und Kommunikationsmittel für verschiedene Zielgruppen bereit. Die Angebote richten sich an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, beinhalten jedoch auch spezielle Formate für Jugendliche und Multiplikatoren. Dazu gehören zahlreiche Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, beispielsweise Migration, Flucht und Asyl; Europa; internationale Bildungszusammenarbeit sowie politischer und religiöser Extremismus.[9]

Regionalbeauftragte für Demokratie und Toleranz
Darüber hinaus ist die Arbeit der staatlichen Schulberatung ausgebaut worden. Seit 2016 beraten die vom Kultusministerium ausgesandten "Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz" Schulen in Bayern auch in Fragen der Salafismusprävention und bilden fort.[10]

2.5 Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

Organisationseinheit Radikalisierungsprävention
Beim Bayerischen Sozialministerium angesiedelt ist die "Organisationseinheit Radikalisierungsprävention im Bayerischen Sozialministerium". Sie ist nach eigenen Angaben für Fragen der "frühen" Prävention von Radikalisierung zuständig und erarbeitet Handlungs- und Kommunikationsstrategien im Bereich der Radikalisierungsprävention für die gesamte Gesellschaft. Dies betrifft neben der religiös motivierten Radikalisierung auch die Bereiche des Links- und Rechtsextremismus.

Die Organisationseinheit soll den Transfer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in die Praxis ermöglichen und arbeitet mit zuständigen Stellen und fachbezogenen Netzwerken auf Länder- und Bundesebene, aber auch europaweit zusammen.

Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung
Die Organisationseinheit ist zudem zuständig für die "Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung" von Ufuq e. V. in Augsburg und fördert diese. Ufuq.de erhält darüber hinaus für die Fachstelle eine Förderung aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!".

Die Fachstelle bietet Beratung und Fortbildungen in den Themenfeldern Islam, Islamismus, Salafismus und Islamfeindlichkeit sowie zu Ansätzen der präventiven pädagogischen Arbeit an. Die Fachstelle richtet sich mit ihrem Angebot primär an Jugendeinrichtungen und auch an Schulen, steht aber auch anderen Akteuren offen. 

3. Welche Rolle spielen die Akteure der Bundesebene in Bayern?

Behörden und besonders die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern stimmen sich bereits seit 2009 in der Arbeitsgruppe "Deradikalisierung" des gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) über islamistischen Extremismus ab. Des Weiteren existieren verschiedene Bund-Länder-Arbeitsgruppen im Rahmen der Ständigen Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister sowie Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder (IMK).[11]

3.1 Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des BAMF

Auch das Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dient als Plattform für den Austausch zwischen Bund und Ländern. In Bayern übernimmt das Bayerische Kompetenzzentrum für Deradikalisierung, angesiedelt beim Bayerischen Landeskriminalamt, die Funktion der "Landeskoordinierungsstelle" im Rahmen des BAMF-Netzwerks. Violence Prevention Network e. V. ist mit der "Beratungsstelle Bayern" als zivilgesellschaftlicher "Partner vor Ort" mit der aktiven Fallarbeit befasst.[12]

3.2 Bundesprogramm "Demokratie leben!"

Über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kofinanziert der Bund einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen.

Im Rahmen von "Demokratie leben!" werden in Bayern 24 lokale "Partnerschaften für Demokratie" gefördert (Stand: Januar 2019). In diesen "Partnerschaften für Demokratie" kommen die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft zusammen. Anhand der lokalen Gegebenheiten und Problemlagen entwickeln sie gemeinsam eine auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmte Strategie. Die geförderten Kommunen werden durch kostenfreie Beratungs- und Coachingangebote begleitet.[13]

In jedem Bundesland unterstützen "Landes-Demokratiezentren" die Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien zur Förderung von Demokratie und Vielfalt und sorgen für eine Vernetzung der lokalen Aktivitäten – insbesondere der kommunalen "Partnerschaften für Demokratie". Darüber hinaus koordinieren sie die Arbeit der Beratungs- und Präventionsangebote und fungieren als Ansprechpartner für Hilfesuchende. In Bayern ist das Landes-Demokratiezentrum bei der "Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus", verortet, die beim Bayerischen Jugendring" angesiedelt ist. Die "Kontaktstelle Landesmodellvorhaben Islamismusprävention" ist bei der Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung verortet, die von Ufuq e. V. betrieben wird.[14]

Des Weiteren werden im Rahmen von "Demokratie leben!" Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention in den Bereichen "Islamistische Orientierungen und Handlungen" sowie "Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe" gefördert. In Bayern wird das Modellprojekt "DERAD Bayern – Mobile Maßnahmen zur Beratung und Deradikalisierung im Strafvollzug und Bewährungshilfe" vom Violence Prevention Network e. V. durchgeführt (siehe Abschnitt 5).[15]

Weitere Informationen zu den "Strukturen der Präventionsarbeit auf Bundesebene" finden Sie im entsprechenden Beitrag im Infodienst Radikalisierungsprävention. 

4. Wie arbeiten Landesebene und kommunale Ebene in Bayern zusammen?

Die "Interministerielle Arbeitsgruppe" (IMAG) steht nach eigenen Angaben im Austausch mit der kommunalen Ebene. Demnach hat das "Bayerische Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus" den Anspruch, möglichst flächendeckend Angebote zu initiieren und die verschiedenen Akteure vor Ort zu vernetzen. Dabei sollen alle Akteure eingebunden werden, die einen direkten Zugang zu den Betroffenen haben: Polizei, Jugend- und Sozialarbeit.

Das im "Bayerischen Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus" vertretene Sozialministerium (StMAS) fördert den Aufbau kommunaler Netzwerke.[16] Landesmittel sowie Mittel aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" können dort beantragt werden. Auch für eine mögliche Unterstützung bei einer Förderung durch das Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe" ist das Ministerium zuständig.

Kommunale Netzwerke: Modellprojekte
Derzeit existieren drei kommunale Modellprojekte in Augsburg, Nürnberg und Würzburg, die alle vom Sozialministerium gefördert werden, sowie ein weiteres Netzwerk in München. Das Land plant, die kommunale Vernetzung weiter auszudehnen.[17]

Augsburg
2016 wurde in Augsburg das Projekt "Aufbau von kleinräumigen Netzwerken in Augsburg zur Prävention von Salafismus" ins Leben gerufen (siehe Beitrag im Infodienst Radikalisierungsprävention). Die Vernetzung findet hier bewusst auf der untersten, lokalen Ebene statt, um leichter eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufbauen zu können. Seit 2017 liegt ein Fokus des Augsburger Netzwerks auf genderspezifischen Präventionsprojekten. Projektträger des Netzwerkes ist die Geschäftsstelle des Kommunalen Präventionsrats Augsburg.

Nürnberg
In Nürnberg startete das "Präventionsnetzwerk gegen gewaltbereiten Salafismus" seine Arbeit im Jahr 2016. Koordiniert wird die Arbeit des Netzwerks im städtischen Menschenrechtsbüro. Aufgabe des Netzwerks ist die Bündelung der bestehenden Beratungs- und Präventionsangebote im Bereich Salafismus sowie die Vernetzung der lokalen Akteure. Zusätzlich bietet das Netzwerk seit 2018 Workshops in Schulen und Jugendeinrichtungen zu den Themen Identität, Islam und Jugendkulturen an. Zum Netzwerk gehören circa 50 Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen, die viermal pro Jahr zu Arbeitstreffen zusammenkommen.

Würzburg
In Würzburg gibt es seit 2017 ein interkommunales Projekt: Das "Präventionsnetzwerk Radikalisierung" wird gemeinsam von der Stadt Würzburg und vom Landkreis Würzburg betrieben. Die Koordination liegt für die Stadt beim Sozialreferat und für den Landkreis beim Landratsamt. Das Konzept des Netzwerks basiert auf drei Handlungsfeldern: 1. Der Netzwerkbildung aller Akteure, 2. der Sensibilisierung und Schulung von Multiplikatoren und 3. der praktischen Präventionsarbeit.

München
In München ist bereits seit 2008 das "Kommunale Netzwerk" aktiv. Viermal im Jahr kommen die Mitglieder im Rahmen der "Fach-Netzwerk-Treffen" zusammen um sich auszutauschen, gemeinsame Grundsätze und Qualitätskriterien zu entwickeln und gemeinsam neue Entwicklungen fachlich zu bewerten.

Koordiniert wird das "Kommunale Netzwerk" von der "Fachstelle für Demokratie" (Fachstelle für Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit) der Stadt München, die auch zu den Treffen einlädt.

Im Münchner Netzwerk ist mit der "Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung" von ufuq.de ein landesweiter Akteur vertreten.  

5. Welche zivilgesellschaftlichen Akteure sind in Bayern aktiv und wie arbeitet das Land Bayern mit ihnen zusammen?

Das Land arbeitet sowohl im Bereich der Prävention als auch bei der Deradikalisierung mit zivilgesellschaftlichen Trägern zusammen.

ufuq.de: "Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung"
Mit ufuq.de, dem Träger der landesweiten "Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung", ist ein zivilgesellschaftlicher Akteur fester Bestandteil des "Bayerischen Netzwerks für Prävention und Deradikalisierung". Dort arbeitet ufuq.de eng mit der "Organisationseinheit Radikalisierungsprävention" im Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) zusammen (siehe Abschnitt 2).

Violence Prevention Network: "Beratungsstelle Bayern" und "DERAD Bayern"
Die zweite Säule der Arbeit des Bayerischen Netzwerks ist neben der Prävention die Deradikalisierung. Auch hier arbeitet das Land aktiv mit einem zivilgesellschaftlichen Akteur zusammen, der "Beratungsstelle Bayern" des zivilgesellschaftlichen Trägers Violence Prevention Network e. V. (VPN). Angeleitet und finanziert wird VPN vom "Kompetenzzentrum für Deradikalisierung" im Bayerischen Landeskriminalamt (siehe Abschnitt 2).

VPN führt außerdem das Projekt "DERAD Bayern – Mobile Maßnahmen zur Beratung und Deradikalisierung im Strafvollzug und Bewährungshilfe" durch. DERAD bietet ein umfassendes Angebot an Interventions- und Deradikalisierungsmaßnahmen im bayerischen Strafvollzug. Das Projekt wird vom Bundesprogramm "Demokratie leben!" des BMFSFJ gefördert. Es besteht eine enge Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz und im Besonderen mit der dort angesiedelten Zentralen Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Salafismus/Islamismus in Justizvollzugsanstalten. Eine Vernetzung mit der "Beratungsstelle Bayern" von VPN wird angestrebt.

MIND prevention: "ReStart" und "ReThink"
Im Jahr 2018 haben die Ministerien des Innern, der Justiz und für Unterricht und Kultus Modellprojekte mit der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND prevention) begonnen. Das Justizministerium hat gemeinsam mit MIND prevention ein Konzept entwickelt, das junge Gefangene vor Radikalisierung schützen soll ("ReStart").[18] Das Innenministerium fördert das Projekt "ReThink", das Geflüchtete gegen salafistische Anwerbeversuche stark machen soll. "ReThink" wird vom Ministerium für Unterricht und Kultus fachlich unterstützt.

jumi – Initiative für Jugend und Migration
Das Bayerische Sozialministerium und die Stadt Aschaffenburg fördern "jumi – Initiative für Jugend und Migration". Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus Lehrkräften aus dem Team der Flüchtlingsbeschulung am Berufsschulzentrum Aschaffenburg mit weiteren interessierten Pädagogen und Pädagoginnen sowie Ehrenamtlichen aus anderen Berufsfeldern. Ziel von jumi ist es, mit niedrigschwelligen Angeboten einen Beitrag zur Extremismusprävention zu leisten – sowohl für deutsche Jugendliche und junge Geflüchtete als auch für die in der Jugendhilfe tätigen Kolleginnen und Kollegen.

Sozialministerium fördert zivilgesellschaftliche Präventionsprojekte
Das StMAS koordiniert und fördert zudem Maßnahmen und Projekte mit präventivem Charakter, die unter anderem auch von zivilgesellschaftlichen Trägern durchgeführt werden. So wurde gemeinsam mit der Hochschule für Fernsehen und Film München 2017 ein Filmwettbewerb veranstaltet. Finanziert wird diese Förderung mit Landes- sowie mit Bundesmitteln aus dem Programm "Demokratie leben!".

6. Welche Besonderheiten gibt es in Bayern hinsichtlich der Präventionsarbeit?

Bayern arbeitet anhand einer landesweiten Strategie, in der die Bereiche primärer und sekundärer Prävention strikt getrennt sind und für die jeweils unterschiedliche Stellen die Verantwortung tragen.

Hervorzuheben ist, dass innerhalb dieses Netzwerks mit dem Bayerischen Landeskriminalamt eine Sicherheitsbehörde die Beratungsarbeit koordiniert: Mit dem "Kompetenzzentrum Deradikalisierung" ist dort eine eigene Stelle geschaffen worden, der die Verantwortung für den Bereich Deradikalisierung übertragen wurde und die wiederum eng mit dem Verein "Violence Prevention Network" (VPN), der die Beratungsstelle Bayern unterhält, zusammenarbeitet.

Im direkten Vergleich mit anderen Ländern unterhält Bayern umfangreiche Werbemaßnahmen und Informationskampagnen, um auf das Netzwerk aufmerksam zu machen. In diesem Zusammengang ist vor allem die zentrale Website www.antworten-auf-salafismus.de zu nennen, auf der die gesamte Präventionsarbeit Bayerns dargestellt wird.

7. Weiterführende Informationen: Quellen, Anlaufstellen und Präventionsprojekte in Bayern

7.1 Wichtige Quellen und Websites 7.2 Anlaufstellen und Präventionsprojekte in Bayern 7.3 Kommunale Netzwerke


Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Bayern und ihre Beziehungen zueinander dar.Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Bayern und ihre Beziehungen zueinander dar. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Infodienst Radikalisierungsprävention, www.bpb.de/radikalisierungsprävention)

Die Infografik als PDF-Icon PDF zum Herunterladen.

Präventionsarbeit ist ein dynamischer Bereich mit vielen aktuellen Entwicklungen. Die Redaktion freut sich daher über Ihre Hinweise auf Akteure, Aktivitäten oder Zusammenhänge, die in diesem Beitrag bislang nicht berücksichtigt worden sind.
Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an:


radikalisierungspraevention@redaktion-kauer.de

Fußnoten

1.
Bayerischer Landtag: Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), Thema: Ein Jahr Antisalafismusnetzwerk: Wo steht das Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk gegen Salafismus?, Abruf am 3.1.2019.
2.
Bayerischer Landtag: Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), Thema: Ein Jahr Antisalafismusnetzwerk: Wo steht das Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk gegen Salafismus?, S. 2, Abruf am 3.1.2019.
3.
Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder: Sammlung der zur Veröffentlichung freigegebenen Beschlüsse der 204. Sitzung der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder, Abruf am 3.1.2019 sowie Bayerns Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung: Interministerielle Arbeitsgruppe, Abruf am 3.1.2019.
4.
Bayerische Staatsregierung: Bayerische Staatsregierung geht verstärkt gegen islamistische Radikalisierung vor: Antisalafismusnetzwerk mit Maßnahmenpaket zur Prävention und Deradikalisierung, Abruf am 3.1.2019.
5.
Bayerischer Landtag: Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), Thema: Ein Jahr Antisalafismusnetzwerk: Wo steht das Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk gegen Salafismus?, Abruf am 3.1.2019.
6.
Bayerischer Landtag: Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), Thema: Ein Jahr Antisalafismusnetzwerk: Wo steht das Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk gegen Salafismus?, S. 7, Abruf am 3.1.2019.
7.
Bayerns Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung: Interministerielle Arbeitsgruppe, Abruf am 3.1.2019 sowie Bayerisches Landeskriminalamt: Beitrag zur öffentlichen Anhörung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages; Drs. 18/10477 – Eine bundesweite Präventionsstrategie gegen den gewaltbereiten Islamismus, Abruf am 3.1.2019.
8.
Bayerns Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung: Netzwerkpartner, Abruf am 3.1.2019.
9.
Bayerns Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung: Netzwerkpartner, Abruf am 3.1.2019.
10.
Bayerischer Landtag: Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), Thema: Ein Jahr Antisalafismusnetzwerk: Wo steht das Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk gegen Salafismus?, S. 2, Abruf am 3.1.2019.
11.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
12.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Evaluation der Beratungsstelle "Radikalisierung", Abschlussbericht, S. 23 ff.
13.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Partnerschaften für Demokratie, Abruf am 7.1.2019.
14.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Landes-Demokratiezentren, Abruf am 7.1.2019.
15.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention, Abruf am 7.1.2019.
16.
Bayerns Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung: Kommunale Netzwerke, Abruf am 3.1.2019.
17.
Bayerns Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung: Kommunale Netzwerke, Abruf am 3.1.2019.
18.
Bayerisches Staatsministerium der Justiz: Justizminister Bausback stellt gemeinsam mit Ahmad Mansour Projekt "ReStart" zur Islamismusbekämpfung und Radikalisierungsprävention vor, Abruf am 3.1.2019.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Radikalisierungsprävention

Thumbnail des Videos "Umma" zum YouTube-Projekt "Bildwelten Islam"
Webvideoformate

Begriffswelten Islam

Im Rahmen von Webvideo-Formaten kooperiert die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit YouTuberinnen und YouTubern, die sich aus einem persönlichen Interesse heraus mit den in Deutschland geführten Islamdiskursen auseinandersetzen wollen.

Mehr lesen

Material für die Verlinkung des Infodienstes Radikalisierungsprävention

Sie möchten den Infodienst Radikalisierungsprävention verlinken? Diese Textbausteine und Grafiken können Sie dafür verwenden.

Mehr lesen

Der Islamist Metin Kaplan in Bonn, 7. Februar 1999. Kaplan wurde nach seiner Inhaftierung in Deutschland in die Türkei abgeschoben. Dort wurde er am 20. Juni 2005 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Dossier

Islamismus

Seit 9/11 hat ein Wort Hochkonjunktur: Islamismus. Wer sind seine Wortführer? Welche Ziele verfolgen sie? Das Dossier führt ein in Vergangenheit und Gegenwart der extremistischen Herrschaftstheorie, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor große Herausforderungen stellt.

Mehr lesen