Herausforderung Salafismus

12.3.2019

Niedersachsen: Akteure und Organisation der Präventionsarbeit

2016 beschloss die niedersächsische Landesregierung die Einrichtung der "Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen" (KIP NI) und betraute sie mit der Erarbeitung einer Präventionsstrategie. Die Geschäftsführung von KIP NI liegt gleichberechtigt beim Landeskriminalamt und beim Niedersächsischen Verfassungsschutz. Neben diesen Sicherheitsbehörden sind an KIP NI drei weitere Ministerien sowie der Landespräventionsrat beteiligt.

1. Gibt es eine landeseigene Präventionsstrategie in Niedersachsen?

2016 beschloss die niedersächsische Landesregierung die Einrichtung der "Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen" (KIP NI) und betraute sie mit der Erarbeitung einer Präventionsstrategie.

Die Ziele der Arbeit der Kompetenzstelle liegen in den Bereichen Prävention und Intervention. Im Bereich Prävention soll die KIP NI staatliche und staatlich finanzierte Präventionsmaßnahmen in Niedersachsen im Bereich Islamismus bündeln und eine koordinierte Islamismusprävention für das Land entwickeln. Die Zusammenarbeit der Akteure soll institutionalisiert und intensiviert werden. Im Bereich Intervention soll die KIP NI lokale Präventionsnetzwerke in Niedersachsen bei ihrer Arbeit unterstützen und Betroffenen Hilfe beim Ausstieg aus der islamistischen Szene beziehungsweise Beratung bei Radikalisierungsverdachtsfällen anbieten.

Zudem vermittelt die KIP NI der Öffentlichkeit Informationen über die islamistische Ideologie und deren Erscheinungs- und Aktionsformen. Sie berät Kommunen, Vereine, Parteien, Behörden und Bildungseinrichtungen, veröffentlicht Informationsmaterialien und führt regelmäßig öffentliche Veranstaltungen zum Thema Islamismus durch.

2. Wie ist die Präventionsarbeit in Niedersachsen organisiert?

Die Präventionsarbeit in Niedersachsen wird zentral über die Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen (KIP NI) koordiniert.

2.1 Organisation der KIP NI: Geschäftsführung, Mitglieder, Gremien, Fachbeirat

Geschäftsführung KIP NI

Die Geschäftsführung der Kompetenzstelle liegt gleichberechtigt beim Landeskriminalamt (LKA) und beim Niedersächsischen Verfassungsschutz. Konkret zuständig sind im LKA die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität” (PPMK) und beim Verfassungsschutz die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des "Referatsteil Prävention”. Sowohl das LKA als auch der Verfassungsschutz gehören zum Geschäftsbereich des Niedersächsischen Innenministeriums.

Zum geschäftsführenden Team gehören eine Geschäftsführerin und ein Geschäftsführer sowie elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Geschäftsstelle ist in den Räumen des Landeskriminalamts in Hannover angesiedelt. Die Geschäftsführung der KIP NI versteht sich als Koordinierungs- und Servicestelle für alle an der KIP NI beteiligten Behörden und Institutionen.

Dem Verfassungsschutz obliegen dabei insbesondere die strategische Planung der Präventionsarbeit für Niedersachsen, die Öffentlichkeitsarbeit der Kompetenzstelle und die Organisation der "Jahresveranstaltung”. Dabei handelt sich um eine jährlich stattfindende Konferenz, bei der die KIP NI öffentlich über ihre Arbeit informiert und neue Entwicklungen erläutert. Die Veranstaltung soll auch der Bestandsaufnahme dienen und damit der fortlaufenden Selbstevaluation der Präventionsarbeit in Niedersachsen. [1]

Die Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität (PPMK) im Landeskriminalamt ist im Schwerpunkt für die operative Radikalisierungsprävention zuständig, also die Koordination der Einzelfallbearbeitung und die Arbeit an islamistischen Brennpunkten. In die Einzelfallbearbeitung ist der Verfassungsschutz mit seiner Expertise und dem Aussteigerprogramm "Aktion Neustart" eingebunden.

Mitglieder KIP NI

Neben dem Verfassungsschutz und der PPMK sind an der Kompetenzstelle weitere Akteure beteiligt: [2]
  • das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
  • das Niedersächsische Justizministerium
  • das Niedersächsische Kultusministerium
  • der Landespräventionsrat
Gremien KIP NI

Gremien innerhalb der Kompetenzstelle sind die Lenkungs- und die Vernetzungsgruppe. Beide werden durch die Geschäftsführung der KIP NI koordiniert. Die Lenkungsgruppe besteht aus der Geschäftsführung der KIP NI und den zuständigen Abteilungs- oder Amtsleitern der beteiligten Ministerien und Institutionen. Sie bestimmt die wesentlichen Weichenstellungen in der niedersächsischen Präventionsarbeit. Die Lenkungsgruppe trifft sich halbjährlich.

In der Vernetzungsgruppe findet hingegen die interministerielle Vernetzung auf Arbeitsebene statt. Hier kommen die fachlich beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der teilnehmenden Institutionen mit der Geschäftsführung der KIP NI zusammen. Die Gruppe kommt mindestens sechsmal im Jahr zusammen und erarbeitet die konkreten Schritte in der niedersächsischen Präventionsarbeit.

Anlass- und themenbezogen richtet die Geschäftsführung der KIP NI zudem Arbeitsgruppen mit Mitgliedern aller fachlich relevanten Institutionen ein.

Fachbeirat KIP NI

Unterstützt wird die Arbeit der Kompetenzstelle durch einen Fachbeirat: Bestehend aus Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Behörden, begleitet er die Arbeit der KIP NI. Über diesen Fachbeirat sind auch muslimische Verbände wie der Landesverband der Muslime in Niedersachsen, die DITIB oder die Föderation Türkischer Elternvereine in Niedersachsen in die Präventionsarbeit der KIP NI eingebunden. [3]

2.2 Umfeld- und Ausstiegsberatung

Die Beratung des Umfeldes Radikalisierter und die Beratung von Aussteigern wird in Niedersachsen von der "Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung” (beRATen e. V.) und "Aktion Neustart" (Landesamt für Verfassungsschutz) geleistet.

Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung

Der Verein für jugend- und familienpädagogische Beratung Niedersachsen – beRATen e. V. – ist der Träger der niedersächsischen "Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung”. Die Beratungsstelle ist an das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung angeschlossen, ihre Arbeit wird vom Land Niedersachsen finanziert. Sie steht insbesondere dem direkten Umfeld von radikalisierten Menschen zur Verfügung. Der Verein ist zudem Ansprechpartner für Betroffene, die Radikalisierung in ihrer Umgebung feststellen und nach Rat suchen. Die Beratungsstelle ist in Hannover ansässig, aber landesweit vor Ort tätig.

beRATen e. V. ist bundesweit vernetzt und Teil des "Nordverbunds” – einem Netzwerk von Beratungsstellen in den norddeutschen Bundesländern, die in der Islamismusprävention tätig sind (Legato für Hamburg, PROvention für Schleswig-Holstein, beRATen für Niedersachsen und VAJA/Jamil für Bremen).

Aktion Neustart

"Aktion Neustart" ist das Aussteigerprogramm des Landes Niedersachsen und wird vom Niedersächsischen Verfassungsschutz verantwortet. Das Programm arbeitet direkt mit Radikalisierten zusammen und unterstützt sie beim Ausstieg aus der islamistischen Szene. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von "Aktion Neustart" sind interdisziplinär zusammengesetzt und wurden speziell für diese Aufgabe eingestellt. [4]

Eine Besonderheit des Programms ist, dass "Aktion Neustart" proaktiv Menschen anspricht, um gezielt auf einen "Ausstieg" hinzuwirken. [5] Anders als bei der "Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung" steht damit nicht das soziale Umfeld im Fokus der Beratung, sondern die Betroffenen selbst. Das Programm ist nach eigener Aussage "absolut vertraulich". Ein Informationsaustausch mit operativen Einheiten des Verfassungsschutzes erfolgt nicht. [6] Als Ziel der Arbeit definiert das Programm die Hinwendung des Aussteigers oder der Aussteigerin zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und zu den Grund- und Menschenrechten. [7]

2.3 Aufgaben und Koordination im Bereich Schule

Im Rahmen der Präventionsarbeit werden in niedersächsischen Schulen zahlreiche Sensibilisierungsveranstaltungen durch die Kompetenzstelle durchgeführt. Zudem ist die KIP NI zentrale Anlaufstelle für alle Lehrerinnen und Lehrer. Über das Kultusministerium werden zudem Schulungen für Lehrkräfte angeboten.

3. Welche Rolle spielen die Akteure der Bundesebene in Niedersachsen?

Behörden und besonders die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern stimmen sich bereits seit 2009 in der Arbeitsgruppe "Deradikalisierung” des gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) über islamistischen Extremismus ab. Des Weiteren existieren verschiedene Bund-Länder-Arbeitsgruppen im Rahmen der Ständigen Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister sowie Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder (IMK). [8]

3.1 Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des BAMF

Auch das Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dient als Plattform für den Austausch zwischen Bund und Ländern. In Niedersachsen übernimmt das Referat "Migration und Teilhabe", angesiedelt beim Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung die Funktion der "Landeskoordinierungsstelle" im Rahmen des BAMF-Netzwerks. beRATen e. V. ist als zivilgesellschaftlicher "Partner vor Ort" mit der aktiven Fallarbeit befasst. [9]

3.2 Bundesprogramm "Demokratie leben!" des BMFSFJ

Über das Bundesprogramm "Demokratie leben!” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kofinanziert der Bund einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen.

Im Rahmen von "Demokratie leben!" werden in Niedersachsen 19 lokale "Partnerschaften für Demokratie" gefördert (Stand: Januar 2019). In diesen "Partnerschaften für Demokratie" kommen die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft zusammen. Anhand der lokalen Gegebenheiten und Problemlagen entwickeln sie gemeinsam eine auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmte Strategie. Die geförderten Kommunen werden durch kostenfreie Beratungs- und Coachingangebote begleitet. [10]

In jedem Bundesland unterstützen "Landes-Demokratiezentren" die Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien zur Förderung von Demokratie und Vielfalt und sorgen für eine Vernetzung der lokalen Aktivitäten – insbesondere der kommunalen "Partnerschaften für Demokratie". Darüber hinaus koordinieren sie die Arbeit der Beratungs- und Präventionsangebote und fungieren als Ansprechpartner für Hilfesuchende. In Niedersachsen ist das Landes-Demokratiezentrum am Niedersächsischen Landespräventionsrat im Niedersächsischen Justizministerium angesiedelt. [11]

Des Weiteren werden im Rahmen von "Demokratie leben!" Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention in den Bereichen "Islamistische Orientierungen und Handlungen" sowie "Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe" gefördert. In Niedersachsen sind das folgende Projekte [12]:

  • Fokus ISLEX – Mobile Maßnahmen zur Prävention und Deradikalisierung im niedersächsischen Strafvollzug und in der Bewährungshilfe (Violence Prevention Network e. V.)
  • HAFEZ – "Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber!" (Evangelische Jugendhilfe Osnabrück gGmbH)
Weitere Informationen zu den "Strukturen der Präventionsarbeit auf Bundesebene" finden Sie im entsprechenden Beitrag im Infodienst Radikalisierungsprävention.

4. Wie arbeiten Landesebene und kommunale Ebene in Niedersachsen zusammen?

Die Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen (KIP NI) arbeitet an der Etablierung eines Netzwerkes von kommunalen Anlaufstellen. Dafür wurde gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg das "Wolfsburger Kommunikationsmodell” entwickelt, das als Vorbild für die Etablierung vergleichbarer Strukturen in anderen Städten und Gemeinden dienen soll.

Dialogstelle Extremismusprävention Wolfsburg

Ausgangspunkt für das Modell ist die städtische "Dialogstelle Extremismusprävention” in Wolfsburg, die koordinierende Aufgaben wahrnimmt und erste lokale Anlaufstelle zum Thema Islamismus in Wolfsburg ist. Die Dialogstelle Extremismusprävention hat ein Netzwerk lokaler Partner geschaffen, darunter die örtliche Polizei, Stadtverwaltung und Schulen aber auch bundesweite Akteure der Islamismusprävention, wie die Beratungsstelle "Radikalisierung” des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge oder das Violence Prevention Network e. V. Die Dialogstelle Extremismusprävention wird vom Bundesprogramm "Demokratie leben!" gefördert.

Seit August 2018 lädt die Dialogstelle Extremismusprävention die Partner dieses Netzwerks, Vertreter/-innen der KIP NI sowie Vertreter/-innen sozialer Dienste, der Kirchen, muslimischer Verbände und anderer zivilgesellschaftlicher Organisationen zu regelmäßigen Treffen ein. Ziel ist es, ein umfassendes Netzwerk zu schaffen, in dem alle Beteiligten zusammenkommen, sich regelmäßig austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln. [13]

Perspektivisch sollen die kommunalen Strukturen zur Islamismusprävention in Niedersachsen ausgeweitet werden. Dabei sollen alle an der KIP NI beteiligten Ministerien und insbesondere der Landespräventionsrat involviert werden. Ziel ist es, dauerhafte Strukturen zu schaffen und diese durch feste Dialog- und Austauschformate in die Landesstrukturen der KIP NI einzubinden.

5. Welche zivilgesellschaftlichen Akteuren sind in Niedersachsen aktiv und wie arbeitet das Land Niedersachsen mit ihnen zusammen?

Im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" berät das "Landes-Demokratiezentrum” im Landespräventionsrat Niedersachsen (LPR) zivilgesellschaftliche – insbesondere lokal arbeitende – Akteure in Niedersachsen bei der Planung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen und beteiligt sich an der Schaffung lokaler Präventionsnetzwerke. [14] Als Mitglied der Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen (KIP NI) ist der LPR eine zentrale Anlaufstelle für zivilgesellschaftliche Akteure in Niedersachsen.

Modellvorhaben: Schaffung eines landesweiten Netzwerks regionaler und lokaler Präventionsstellen gegen Islamismus, Demokratie- und Islamfeindlichkeit

Das Landesdemokratiezentrum am Landespräventionsrat hat Mitte 2017 freie Träger aufgefordert, Konzepte für lokale Präventionsprojekte einzureichen. Auch dafür ist eine Förderung durch das Landes-Demokratiezentrum mit Mitteln des Bundesprogramms "Demokratie Leben!” vorgesehen. [15] Perspektivisch soll so ein landesweites Netzwerk entstehen.

Bislang sind drei Stellen Teil des Modellvorhabens: radius in Hildesheim, Präsenz in Osnabrück und RADIPRÄV in Göttingen. Ziel des Netzwerks ist es, Primärprävention auf lokal beziehungsweise regional angepasste Bedarfe abgestimmt hin zu gestalten. Durch die Vernetzung können Good Practice-Erfahrungen miteinander ausgetauscht. Als Erstkontaktstelle können die Stellen auch ein erstes Clearing übernehmen. Die drei Stellen arbeiten jedoch nicht im Bereich der Einzelfallbetreuung oder Intervention bei Radikalisierungsfällen.

Das Landes-Demokratiezentrum im Landespräventionsrat bietet einen fachlichen Rahmen für das Modellvorhaben. Es übernimmt beispielsweise die Erstellung eines gemeinsamen Qualitätshandbuchs sowie die Förderung weiterer primärpräventiver Maßnahmen zur landesweiten Umsetzung.

Caritas: "radius – Service- und Beratungsstelle gegen Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit"

Die "Service- und Beratungsstelle gegen Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit” (radius) in Hildesheim wird von der Caritas unterhalten und im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert. [16] radius setzt auf die Vernetzung der Akteure vor Ort und hat in diesem Zusammenhang einen Runden Tisch etabliert. Die Stelle bietet zudem Workshops und Schulungen an.

Diakonie: "Präsenz – Koordinierungsstelle gegen Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit"

In Osnabrück hat die Diakonie die "Koordinierungsstelle gegen Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit – Präsenz” eingerichtet. Gefördert wird die Einrichtung mit Mitteln des Landes-Demokratiezentrums. Vorrangiges Ziel der Stelle ist die Förderung der Netzwerkarbeit, konkret der Koordinierung des lokalen "Präventionsnetzwerks PRÄSENZ gegen Radikalisierung und Islam- und Demokratiefeindlichkeit”. Zum Netzwerk gehören Polizei, sowohl Stadt als auch Landkreis Osnabrück, das Landeskriminalamt, die Landesschulbehörde sowie zivilgesellschaftliche Partner wie Sportvereine oder kirchliche Gemeinden. Darüber hinaus bietet die Koordinierungsstelle Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten an. (Ein Organigramm des Osnabrücker Präventionsnetzwerkes ist hier abrufbar.)

Institut für angewandte Kulturforschung: „RADIPRÄV“

RADIPRÄV ist eine Beratungsstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung, die vom Göttinger Verein Institut fűr angewandte Kulturforschung e. V. umgesetzt wird. Sie wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert. Zielgruppen sind Schulklassen, Jugendgruppen, pädagogisches Fachpersonal und Multiplikator/-innen sowie Gefährdete, Betroffene und Angehörige religiös begründeter Radikalisierung.

VPN: "Fokus ISLEX – Mobile Maßnahmen zur Prävention und Deradikalisierung"

Eine weitere wichtige Zusammenarbeit besteht mit dem Verein Violence Prevention Network e. V. (VPN). Im Rahmen des Projekts "Fokus ISLEX – Mobile Maßnahmen zur Prävention und Deradikalisierung” ist VPN mit der Betreuung von Inhaftierten in Niedersachsen betraut. Der Verein leistet in den Gefängnissen sowohl Präventions- als auch Deradikalisierungsarbeit. Angeleitet wird VPN vom Niedersächsischen Justizministerium, das die Arbeit des Vereins gemeinsam mit dem Bundesprogramm "Demokratie Leben!” finanziert.

beRATen: "Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung"

Auch die unter der Federführung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung tätige "Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung” des beRATen e. V. ist ein zivilgesellschaftlicher Akteur. Der Verein arbeitet landesweit und richtet sich primär an das direkte Umfeld von radikalisierten Menschen. Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehören unter anderem auch die islamischen Verbände DITIB und Schura (siehe Abschnitt 2).

Evangelische Jugendhilfe: "HAFEZ"

HAFEZ wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" von der Evangelischen Jugendhilfe in Osnabrück umgesetzt. Das Projekt widmet sich der Radikalisierungsprävention und der Stärkung von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Als primärpräventiv agierendes Projekt verfolgt HAFEZ einen umfassenden, gesamtgesellschaftlichen Ansatz, der eine Vielzahl von Zielgruppen und Maßnahmen umfasst. Die Aktivitäten des Projektes fokussieren sich auf Osnabrück und den Osnabrücker Landkreis. HAFEZ gliedert sich in drei Säulen mit unterschiedlichen thematischen und methodischen Schwerpunkten. Das Modellprojekt kombiniert Vermittlung von Fachwissen in Form von Fortbildungen und Workshops für Multiplikatorinnen mit niedrigschwelligen Unterstützungs- und Partizipationsangeboten für Jugendliche.

Fachbeirat von KIP NI

Über den Fachbeirat von KIP NI sind zudem weitere zivilgesellschaftliche Akteure, wie etwa der Landesverband der Muslime in Niedersachsen, DITIB oder die Föderation Türkischer Elternvereine in Niedersachsen, in die Präventionsarbeit eingebunden. [17]

6. Welche Besonderheiten gibt es in Niedersachsen hinsichtlich der Präventionsarbeit?

Eine Besonderheit in der niedersächsischen Präventionsstruktur ist die starke Rolle der Sicherheitsbehörden. Sie sind nicht nur Teil der zentralen Organisation, der Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen (KIP NI), sondern haben innerhalb der Struktur auch eine hervorgehobene Stellung: Die Geschäftsführung der KIP NI besteht je zur Hälfte aus Mitarbeitern des Landeskriminalamtes (LKA) und des Verfassungsschutzes.

Allerdings liegt die Verantwortung nicht in den operativen Teilen der beiden Organisationseinheiten, sondern ist fachlich bezogen: So ist beim LKA die "Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität" (PPMK) zuständig und beim Verfassungsschutz der "Referatsteil Prävention". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Rahmen von "Aktion Neustart” direkte Deradikalisierungsarbeit leisten, arbeiten zudem eigenständig und sind nicht Teil des operativen Verfassungsschutzes.

Wie auch in Hamburg verbinden mehrere an der Präventionsarbeit des Landes Niedersachsen beteiligte Institutionen die Prävention von Islamismus mit der Prävention von Islamfeindlichkeit. Unter anderem das Landes-Demokratiezentrum im Landespräventionsrat Niedersachsen [18], aber auch das Landeskriminalamt [19] sowie die KIP NI selbst weisen in Veröffentlichungen auf diesen Zusammenhang hin.

Eine weitere Besonderheit ist die starke Einbindung von Religionsgemeinschaften in die Präventionsarbeit des Landes.

Schließlich besteht eine länderübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen des "Nordverbunds" – einem Netzwerk von Beratungsstellen in den norddeutschen Bundesländern, die in der Islamismusprävention tätig sind (Legato für Hamburg, PROvention für Schleswig-Holstein, beRATen für Niedersachsen und VAJA/Jamil für Bremen).

7. Weiterführende Informationen

Wichtige Quellen und Websites

Anlaufstellen und Präventionsprojekte in Niedersachsen



Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Niedersachsen und ihre Beziehungen zueinander dar.Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Niedersachsen und ihre Beziehungen zueinander dar. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Infodienst Radikalisierungsprävention, www.bpb.de/radikalisierungsprävention)

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Fußnoten

1.
Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachen: "Islamismusprävention gemeinsam gestalten" am 17.11.2017, Abruf am 3.1.2019.
2.
Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachen: Übersicht, Abruf am 3.1.2019.
3.
Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachen: Fachbeirat, Abruf am 3.1.2019.
4.
Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachen: Aktion Neustart – Aussteigerprogramm Islamismus, Abruf am 3.1.2019.
5.
Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachen: Aufgaben – Angebote – Ansprechpartner, Abruf am 3.1.2019.
6.
edersächsisches Ministerium für Inneres und Sport: Aktion Neustart – Das Aussteigerprogramm "Islamismus", Abruf am 3.1.2019.
7.
Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport: Aktion Neustart - Das Aussteigerprogramm "Rechtsextremismus", Abruf am 3.1.2019.
8.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
9.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Evaluation der Beratungsstelle "Radikalisierung", Abschlussbericht, S. 23 ff.
10.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Partnerschaften für Demokratie, Abruf am 7.1.2019.
11.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Landes-Demokratiezentren, Abruf am 7.1.2019.
12.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention, Abruf am 7.1.2019.
13.
regionalWolfsburg.de: Der Wolfsburger Weg zur Extremismusprävention, Abruf am 3.1.2019 sowie Telefonat mit Harry Guta/Dialogstelle Extremismusprävention Wolfsburg.
14.
Landespräventionsrat Niedersachsen: Prävention von salafistischer Radikalisierung und Islamfeindlichkeit, Abruf am 3.1.2019.
15.
Landes-Demokratie-Zentrum Niedersachsen: Interessenbekundungsverfahren zur Förderung einer lokalen Präventionsstelle gegen salafistische Radikalisierung und Islamfeindlichkeit, Abruf am 3.1.2019.
16.
Niedersächsisches Justizministerium: Präventionsstelle gegen radikalen Islamismus in Hildesheim gesichert, Abruf am 3.1.2019.
17.
Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachen: Fachbeirat, Abruf am 3.1.2019.
18.
Landespräventionsrat Niedersachsen: Prävention von salafistischer Radikalisierung und Islamfeindlichkeit, Abruf am 3.1.2019.
19.
Landeskriminalamt Niedersachsen: Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität, Abruf am 3.1.2019.

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