Dossierbild für "Einfach Politik - Flucht und Asyl": Links: Zerstörte Gebäude in der syrischen Stadt Homs im Mai 2014. Rechts: Flüchtlinge im September 2015 in einer Halle in Hanau, die als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt wird.

Diskussionen über Flüchtlinge

26.4.2016
Diskussion über die Flüchtlingskrise in der EU. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
In Deutschland und Europa sprechen Menschen
viel über Flüchtlinge.
Es gibt unterschiedliche Meinungen.
Solche Gespräche mit verschiedenen Meinungen
über ein Thema heißen auch Diskussionen.

Die Menschen diskutieren
über verschiedene Themen.
Über einige der Themen können Sie
sich hier informieren.


Zu viele Flüchtlinge in Deutschland?



Manche Menschen haben Angst,
dass zu viele Flüchtlinge in Deutschland leben.
Sie sagen zum Beispiel:
"Diese Leute passen nicht zu uns."
Sie haben eine andere Kultur
oder eine andere Religion.

Ein Asylbewerber aus Somalia wird in einem Brandenburger Unternehmen vom Meister angeleitet (2. Juni 2015). Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert.Ein Asylbewerber aus Somalia wird in einem Brandenburger Unternehmen vom Meister angeleitet (2. Juni 2015) (© picture-alliance, ZB)
Andere Menschen denken:
Flüchtlinge können Deutschland auch helfen.
Die Flüchtlinge, die zu uns kommen,
sind oft jung.
Junge Flüchtlinge können
eine Ausbildung bekommen
und dann in Deutschland arbeiten.
Dies ist gut für die deutsche Wirtschaft,
weil es in Deutschland
zu wenige Fachkräfte gibt.

Die Menschen diskutieren viel über
die Integration von Flüchtlingen.

Integration bedeutet:
  • Alle Menschen in Deutschland leben friedlich zusammen.

  • Flüchtlinge können ihr Leben selbst bestimmen.
         Dazu gehören zum Beispiel eine Arbeit,
         eine Wohnung und Freunde.

  • Wenn Integration gut funktioniert,
         dann fühlen sich Flüchtlinge
         genauso zu Hause wie alle anderen
         Menschen in Deutschland.


  • Flüchtlinge in Europa



    Zeichnung einer Europaflagge - Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Die Länder in Europa sind sich uneinig über Flüchtlinge.
    Die Regierungen streiten darüber,
    ob Flüchtlinge kommen dürfen.

    Die Länder diskutieren auch darüber,
    wie Flüchtlinge verteilt werden.
    Eine Idee ist, dass jedes Land
    einen Teil der Flüchtlinge aufnehmen soll.
    Länder mit vielen Einwohnern
    sollen mehr Flüchtlinge aufnehmen,
    Länder mit wenigen Einwohnern weniger.

    Wichtig ist auch, wie reich ein Land ist.
    Reiche Länder sollen mehr Flüchtlinge
    als arme Länder aufnehmen.
    Das nennt man Quotensystem.
    Manche Länder wollen diese Verteilung nicht.
    Manche Länder wollen auch
    gar keine Flüchtlinge aufnehmen.

    Manche Länder in Europa machen wieder
    Kontrollen an den Grenzen.
    Sie machen die Kontrollen,
    damit in ihr Land keine oder
    nur wenige Flüchtlinge kommen.


    Flüchtlingspolitik in Deutschland



    Politiker in Deutschland diskutieren
    über unterschiedliche Fragen:
    Flüchtlinge und freiwillige Helfer während einer Weihnachtsfeier in Dresden (16. Dezember 2015). Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert.Flüchtlinge und freiwillige Helfer während einer Weihnachtsfeier in Dresden (16. Dezember 2015) (© picture-alliance/dpa)
    • Wie kann man es schaffen,
      dass weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen?
    • Wie kann man trotzdem
      politisch verfolgten Menschen Asyl geben?
    • Wie können sich die Länder in Europa einigen?
    • Wie kann man Flüchtlinge gut integrieren?
    Auf diese Fragen müssen Politiker eine Antwort finden.

    Menschen machen sich Sorgen,
    dass jedes Jahr so viele Flüchtlinge kommen
    wie im Jahr 2015.
    Sie glauben:
    Dann wird es schwer,
    die Flüchtlinge gut zu versorgen.
    Zum Beispiel in den Städten,
    in den Schulen und Kindergärten
    oder in den Flüchtlingsunterkünften.


    Politische Meinungen


    zu Flüchtlingen in Deutschland



    Manche Politiker meinen:
    • Deutschland darf keine verfolgten Menschen
      an den deutschen Grenzen zurück in ihre Länder schicken.
    • Deutschland darf keinen Zaun an den Grenzen bauen.
    Sie sagen:
    Menschen diskutieren über die Flüchtlinge. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Denkt an das Recht auf Schutz vor Verfolgung
    und an das Recht auf Asyl!
    Man kann die Rechte beachten
    und trotzdem dafür sorgen,
    dass weniger Flüchtlinge kommen.
    Die Länder in Europa müssen
    eine gemeinsame Lösung finden.

    Manche Politiker wollen trotzdem
    eine Obergrenze festlegen.
    Eine Obergrenze ist eine Zahl,
    wie viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen dürfen.

    Diese Politiker haben Angst
    vor zu vielen fremden Menschen in Deutschland.
    Diese Politiker wollen das Asylrecht
    nur für eine bestimmte Zahl von Flüchtlingen.
    Manche Politiker sagen:
    Jedes Land muss auch alleine dafür sorgen,
    dass nicht zu viele Flüchtlinge kommen.

    Alle Politiker sprechen darüber:
    • wie weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen
    • wie Asylanträge schneller bearbeitet werden können.

    Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern



    Ein Asylbewerber wird abgeschoben. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Deutschland hat Gesetze.
    Diese Gesetze regeln die Abschiebung
    von abgelehnten Asylbewerbern.
    Die Behörden oder die Polizei können aber
    abgelehnte Asylbewerber oft nicht abschieben.
    Aus vielen Gründen dauern Abschiebungen lange.

    Ein Grund kann sein:
    Manche Flüchtlinge haben keinen Pass.
    Man weiß also gar nicht,
    in welches Land sie geschickt werden können.

    Manche Politiker diskutieren deshalb darüber,
    ob man die Gesetze zur Abschiebung verändern soll.


    "Sichere Herkunftsstaaten"



    Zeichnung einer Europaflagge - Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    In bestimmten Ländern brauchen die Menschen keine Angst
    vor politischer Verfolgung zu haben.
    Zum Beispiel in den Staaten der Europäischen Union.

    Diese Länder heißen in einem Gesetz
    "Sichere Herkunftsstaaten".

    Asylanträge von Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsstaaten
    werden schneller bearbeitet und meistens abgelehnt.

    Manche Politiker sagen deshalb,
    dass noch mehr Länder
    sichere Herkunftsstaaten werden sollen.
    Menschen diskutieren über die Flüchtlinge. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Dann können Asylanträge schneller abgelehnt werden.

    Andere Politiker meinen:
    Auch in manchen sicheren Herkunftsstaaten
    kann es Verfolgung geben.
    Deshalb sollen nicht noch mehr Länder
    sichere Herkunftsstaaten werden.
    Ein Antrag von Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten
    darf nicht zu schnell abgelehnt werden.
    Der Antrag muss genau geprüft werden.


    Frieden in den Herkunftsländern



    Es kommen weniger Flüchtlinge nach Deutschland,
    wenn in ihrer Heimat wieder Frieden ist.

    Die Politiker in Deutschland wollen deshalb dabei helfen,
    dass wieder Frieden ist.
    Das ist schwierig,
    weil Deutschland an den meisten
    Konflikten in der Welt
    nicht direkt beteiligt ist.
    Deutschland muss gemeinsam
    mit vielen anderen Ländern handeln.
    Eine Zeichnung, in der ein Mensch über Frieden spricht. Bitte klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern. (© bpb)

    Zum Beispiel:
    mit anderen europäischen Ländern,
    den USA oder Russland.

    Auch Länder mit besonders vielen Flüchtlingen
    sollen Unterstützung bekommen.
    Die Türkei, Jordanien und der Libanon haben
    zum Beispiel besonders viele Flüchtlinge.

    Hier sind Flüchtlingslager oft zu voll.
    Lebensmittel und medizinische Versorgung
    reichen nicht.
    Das muss sich wieder ändern.

    Ideen dazu sind zum Beispiel:
  • Hilfe durch Geld und Sachspenden
  • Hilfseinsätze von Freiwilligen.


  • Angst vor Gewalt in Deutschland



    Viele Menschen haben Angst vor Gewalt,
    die mit Flüchtlingen zu tun hat.
    Über Gewalt sprechen. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)

    Es gibt dabei zwei Arten von Gewalt:
    1. Es gibt Gewalt gegen Flüchtlinge.
      Zum Beispiel zünden Menschen Flüchtlingsheime an
      oder Menschen verprügeln Flüchtlinge.
      Hier sind die Flüchtlinge die Opfer.
    2. Es gibt auch Gewalttaten,
      in denen Flüchtlinge die Täter sind.
      Flüchtlinge sind genauso viel oder wenig kriminell
      wie alle anderen Menschen auch.
    Alle Arten von Gewalt verstoßen gegen die Gesetze.

    Das ist wichtig:
    Wenn ein Mensch etwas Schlechtes macht,
    heißt das nicht:
    Alle Menschen machen etwas Schlechtes.

    Zum Beispiel:
    • Ein Flüchtling hat etwas geklaut.
      Das ist gegen das deutsche Gesetz.
      Das heißt aber nicht:
      Alle Flüchtlinge klauen.

    • Oder: Ein Deutscher zündet ein Flüchtlingsheim an.
      Das ist gegen das deutsche Gesetz.
      Das heißt aber nicht:
      Alle Deutschen zünden Flüchtlingsheime an.
    Wenn jemand gegen das Gesetz verstößt, darf man sagen:
    Das ist nicht in Ordnung. Egal, wer es ist.


    Die Situation von Frauen



    Flüchtlinge kommen im Moment oft aus Ländern
    in denen Frauen und Männer
    nicht immer gleichberechtigt sind.
    Gleichberechtigung bedeutet:
    Die gleichen Rechte haben.

    Menschen unterhalten sich über Gleichberechtigung. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Die Männer sind es oft nicht gewohnt,
    dass Frauen genauso viel zu sagen haben wie Männer.
    Die Männer sind es oft nicht gewohnt,
    dass Frauen genauso über sich bestimmen wie Männer.
    Es ist wichtig, mit Flüchtlingen zu reden.
    Auch darüber wie Männer und Frauen
    in Deutschland zusammen leben.

    In Deutschland steht die Gleichberechtigung
    von Männern und Frauen im Grundgesetz.
    In Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes steht:
    "Männer und Frauen sind gleichberechtigt".

    Foto der Seite im Grundgesetz, die die Gleichberechtigung in Deutschland festschreibt. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© picture-alliance, ZB)
    Manchmal kommen Flüchtlinge
    gemeinsam mit ihren Familien nach Deutschland.
    Andere Flüchtlinge kommen alleine.
    Die meisten Flüchtlinge,
    die 2015 alleine nach Deutschland flohen,
    waren Männer.

    Es gibt aber auch Frauen, die alleine fliehen.
    Sie haben manchmal besondere Gründe.
    Zum Beispiel:
    Vergewaltigung oder Zwangsheirat.
    Manche fliehen auch vor Gewalt
    in ihrer eigenen Familie.
    Diese Gründe betreffen nur Frauen.
    Gründe, die nur Frauen
    Hinweisschilder in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in einer Schule in Brachenfeld (11. Juli 2015). Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert.Hinweisschilder in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in einer Schule in Brachenfeld (11. Juli 2015) (© picture-alliance)

    oder nur Männer betreffen,
    nennt man Geschlechtsspezifische Gründe.

    Mädchen und Frauen brauchen besonderen Schutz.
    Frauenverbände fordern deshalb:
    • Es muss abschließbare
      Duschen und Toiletten
      für Frauen und Männer
      in den Sammelunterkünften geben.

    • Es muss abschließbare Zimmer geben.

    • Allein reisende Frauen und Kinder
      müssen eigene Unterkünfte bekommen.
    Das geschieht bisher nicht immer.


    Vorurteile



    Menschen haben oft eine Meinung
    über andere Menschengruppen.
    Oft haben sie diese Meinung einfach so,
    ohne sich wirklich informiert zu haben.
    So eine Meinung ohne Information nennt man Vorurteil.

    Ein Vorurteil ist also eine Meinung über eine Gruppe.
    Ein Vorurteil kann gut oder schlecht sein.
    Ein schlechtes Vorurteil ist zum Beispiel:
    Die Flüchtlinge wollen nicht arbeiten.
    Wahr ist: Es stimmt nicht,
    dass alle Flüchtlinge nicht arbeiten wollen.
    Ein anderes schlechtes Vorurteil ist:
    Alle Deutschen mögen keine Flüchtlinge.
    Das stimmt auch nicht.

    Ein Vorurteil ist eine Meinung über eine Gruppe. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Aus Vorurteilen entsteht Diskriminierung.
    Diskriminierung bedeutet,
    dass Menschen ungerecht behandelt werden.
    Menschen werden dann benachteiligt.

    Deshalb ist wichtig:
    Jeder sollte selber prüfen,
    was stimmt.
    Jeder sollte prüfen,
    welche unterschiedlichen Meinungen es gibt.
    Diese Meinungen sollte man
    sich anschauen und anhören.
    Nicht nur auf das hören,
    was eine einzige Person sagt.




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