Erde

Olympische Spiele in Sotschi

5.2.2014
Vom 7. bis zum 23. Februar 2014 finden im russischen Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele statt. Debatten um Menschenrechtsverletzungen in Russland, die immensen Kosten der Spiele und enorme Sicherheitsvorkehrungen begleiten das sportliche Großevent.

Zwischen Palmen und schneebedeckten Bergen, die neu errichteten Olympiastadien in Sotschi.Zwischen Palmen und schneebedeckten Bergen, die neu errichteten Olympiastadien in Sotschi. (© picture-alliance)

Rund 2.800 Wintersportler aus mehr als 80 Nationen treten in den kommenden beiden Wochen bei den Olympischen Spielen in Sotschi an. Deutschland tritt mit 153 Athletinnen und Athleten in allen 15 Sportarten an. Ausgetragen werden die Spiele im Olympiapark Sotschi an der Küste und in der Bergregion Krasnaja Poljana. Da die Temperaturen in der Schwarzmeerregion selbst in den Bergen um diese Zeit selten unter den Gefrierpunkt sinken, mussten die Organisatoren viele hunderttausend Kubikmeter Kunstschnee produzieren und einlagern. Zusätzlich kommen mehrere hundert Schneekanonen zum Einsatz, um winterliche Bedingungen in den Bergen nahe dem Bade- und Kurort Sotschi zu garantieren, der ansonsten für sein subtropisches Klima, Palmen und Strand bekannt ist.

Das olympische Dorf wird aus dem Boden gestampft



Mehr als 35 Milliarden Euro sind Schätzungen nach in die Ausrichtung der Spiele geflossen – so viel wie nie zuvor. Die Sportstätten und zugehörige Infrastruktur wurden komplett neu errichtet. Ein Großteil der Olympiastadt entstand in einem ehemaligen Nationalpark, wofür Naturschutzgesetze und mit ihnen 20.000 Hektar Wald weichen mussten. Für die Baumaßnahmen waren in den vergangenen Jahren etwa 6.000 Bauarbeiter im Einsatz. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch beklagen seit langem die Zustände auf den Baustellen und die Arbeitsbedingungen: »Die Arbeiter seien betrogen und ausgebeutet worden, so die Organisation.«

Sotschi wird zum Hochsicherheitstrakt



Überschattet wurden die Winterspiele schon im Vorfeld auch durch zwei Selbstmordanschläge im südrussischen Wolgograd Ende Dezember, bei denen über 30 Menschen ums Leben kamen. Für die Terroranschläge werden von russischer Seite zwei Mitglieder einer islamistischen Gruppierung aus Bujnaksk im Nordkaukasus verantwortlich gemacht. Zudem wurden in der Konfliktregion im Nordkaukasus "Anti-Terror-Einsätze" durchgeführt, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen. Zu den Spielen werden offiziellen Angaben zufolge rund 100.000 Polizisten, Soldaten und Spezialagenten im Einsatz sein. Bereits während der Sommerolympiade in London 2012 gab es eine Debatte um die erheblichen Sicherheitsvorkehrungen: 18.000 Sicherheitskräfte kamen damals zum Einsatz – mehr als je zuvor. In Sotchi sollen rund 5.500 Überwachungskameras sowie Drohnen die Sportanlagen und öffentliche Orte zusätzlich überwachen. Auch die Online-Kommunikation ist im Visier der Sicherheit. Experten zufolge will der Inlandsgeheimdienst Mobilfunktelefonate, E-Mails und Chats überwachen. Die USA schickten mit Blick auf mögliche Terroranschläge zwei Kriegsschiffeins Schwarze Meer.

Die Einschränkungen der Versammlungsfreiheit während der Winterspiele wurden inzwischen wieder gelockert: In Sotchi darf demonstriert werden –allerdings nur an genehmigten Plätzen und in Absprache mit den Sicherheitskräften.

Leere Plätze in Sotschi



Die Olympischen Spiele gelten für den russischen Präsidenten als wichtiges Prestigeprojekt, das die Leistungsstärke Russlands demonstrieren soll. Dennoch haben mehrere prominente Politiker und Staatsoberhäupter bereits angekündigt den Spielen nicht beizuwohnen. Bundespräsident Joachim Gauck verkündete im Dezember, er werde die Spiele nicht besuchen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nicht anreisen. Deutschland verhält sich dabei ähnlich den meisten europäischen Staaten, allein Bundesinnen- und Sportminister Thomas de Maizière vertritt die Bundesregierung in Sotchi. Den Spielen fern bleiben unter anderem auch der französische Präsident François Hollande und US-Präsident Barack Obama. Besonders deutlich begründete die stellvertretenden Vorsitzende der EU-Kommission ihre Absage an eine Teilnahme an Olympia in Russland: Viviane Reding schrieb Anfang Dezember via twitter, sie "werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden."

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