Erde

Gründung der UNESCO

16.11.2015
Vor 70 Jahren unterzeichneten 37 Staaten in London die Verfassung der UNESCO. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Paris setzt sich weltweit dafür ein, dass Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert werden.

Ansicht des Konferenzraums für die 38. Sitzung der UNESCO, die vom 3. bis 18. November 2015 in Paris, Frankreich stattfindet.Ansicht des Konferenzraums für die 38. Sitzung der UNESCO, die vom 3. bis 18. November 2015 in Paris, Frankreich stattfindet. (© picture-alliance/dpa)

Im November 1945 luden die französische und die englische Regierung zur Konferenz der Vereinten Nationen nach London ein. Auf der Agenda stand die Gründung einer internationalen Organisation für Erziehung und Kultur. Der Einladung folgten Delegierte aus zahlreichen Ländern sowie Vertreter internationaler Organisationen wie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Mitglieder der Gründungskommission der Vereinten Nationen (UNO). Innerhalb von zwei Wochen erarbeiteten sie die Verfassung der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, UNESCO), die 37 Staaten am 16. November 1945 unterzeichneten.

Die Verfassung der UNESCO



Die Verfassung sieht vor, dass die UNESCO die Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur fördern soll, um zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen und somit weltweit Menschenrechte und Grundfreiheiten zu stärken. In der Präambel der Verfassung heißt es, dass ein allein auf politischen und wirtschaftlichen Abmachungen beruhender Frieden nicht von Dauer sein könne. "Friede muss – wenn er nicht scheitern soll – in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden." Knapp ein Jahr nach der Unterzeichnung der Verfassung wurde die UNESCO offiziell am 4. November 1946 gegründet. Die Bundesrepublik Deutschland trat der Organisation 1951 bei, die Deutsche Demokratische Republik 1972.

Wiederaufbau von Bildungsstätten in der Nachkriegszeit



In ihren Anfangsjahren widmete sich die UNESCO vor allem dem Wiederaufbau von Bibliotheken, Schulen und Museen, die im Krieg zerstört worden waren. Dafür wurde 1947 auf einer UNESCO-Konferenz der Internationale Rat für den Wiederaufbau des Bildungswesens gegründet. Seither ist eine Vielzahl von Organisationen und Aufgabenbereichen hinzugekommen. Unter den Oberthemen Bildung, Wissenschaft, Kultur, Kommunikation und Information setzt die UNESCO heute auf der ganzen Welt Projekte um, die inhaltlich von Rassismusbekämpfung über den Zugang zu modernen Informationstechnologien bis hin zur Wahrung des Kulturerbes reichen. Mehr als 1.000 Natur- und Kulturstätten in mehr als 160 Ländern wurden bis heute als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt. Um den Wissensaustausch über Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen, organisiert die UNESCO außerdem Konferenzen und Dialogveranstaltungen.

Organe



Wichtigstes Organ der UNESCO ist die Generalkonferenz, zu der die derzeit 195 Mitgliedstaaten alle zwei Jahre zusammentreten. Sie entscheidet über das Programm und den Haushalt der Organisation und verabschiedet Übereinkommen, Empfehlungen und Erklärungen. Zudem wählt sie den Exekutivrat. In der Generalkonferenz hat jeder Mitgliedsstaat eine Stimme.

Der Exekutivrat fungiert als Aufsichtsorgan. Er bereitet die Generalkonferenz vor, prüft die Arbeitsprogramme sowie den Haushaltsplan und schlägt die Generaldirektorin oder den Generaldirektor vor.

Das Sekretariat unter Führung von Generaldirektorin Irina Bokova setzt die in der Generalversammlung verabschiedeten Programme um. Viele Mitgliedstaaten der UNESCO, darunter auch Deutschland, haben Nationalkommissionen gegründet, die die Umsetzung der UNESCO-Ziele vor Ort koordinieren und als Schnittstellen zwischen dem jeweiligen Staat, der Zivilgesellschaft und der UNESCO dienen.

Bildung für alle



Für das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Artikel 26 festgeschriebene Recht auf Bildung und Schulbesuch setzt sich die UNESCO ein, indem sie Bildungsmaßnahmen und -einrichtungen in den Mitgliedstaaten unterstützt und entwickelt. Bereits 1965 fand in Teheran eine Weltkonferenz zur Beseitigung des Analphabetismus statt, 1967 startete die UNESCO ein Programm zur Massenalphabetisierung in acht Ländern Afrikas und Südamerikas. Mit dem Welttag der Alphabetisierung erinnert sie zudem jedes Jahr am 8. September daran, dass weltweit viele Menschen weder lesen noch schreiben können. Laut dem Weltbildungsbericht der UNESCO von 2013/2014 sind etwa 781 Millionen Menschen Analphabeten.

Seit 1990 führt die UNESCO das Aktionsprogramm "Education for All – Bildung für alle" durch. Es soll allen Menschen ein Mindestmaß an Bildung ermöglichen und Analphabetismus bekämpfen. Im Jahr 2000 formulierten die Mitgliedstaaten auf dem Weltbildungsforum in Dakar zudem einen Aktionsplan (Dakar Framework for Action). Der Plan umfasste sechs Ziele, die bis 2015 umgesetzt werden sollten. Unter anderem war vorgesehen, die frühkindliche Förderung und Erziehung auszubauen und zu verbessern, allen Kindern einen Zugang zu kostenloser, verpflichtender und qualitativ hochwertiger Grundschulausbildung zu bieten und das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarbildung zu überwinden. In ihrem diesjährigen Weltbericht "Bildung für alle" zog die UNESCO eine kritische Bilanz: Es seien große Fortschritte auf dem Weg zu einer "Bildung für alle" gemacht worden, aber von der Erfüllung der in Dakar vereinbarten Ziele sei man noch weit entfernt. "Die Erkenntnis aus den vergangenen 15 Jahren lautet, dass technische Lösungen zwar wichtig, politische Zugkraft jedoch wichtiger ist. Letztere ist essentiell, um das große Ausmaß an Reformen umzusetzen, das für ‚Bildung für alle‘ auf nationaler Ebene nötig ist", heißt es in dem Bericht.

Konflikte in der UNESCO



Innerhalb der UNESCO werden immer wieder politische Konflikte ausgefochten. Mitunter treten sogar Staaten aus, wenn sie mit der Politik der Organisation nicht länger einverstanden sind. Südafrika verließ die UNESCO 1956, weil es fand, dass sie sich zu sehr in südafrikanische Politik und die Apartheid einmische. Bereits 1949 hatte die UNESCO ein Programm zur Bekämpfung von Rassismus aufgelegt, 1950 gab sie eine Erklärung ab, die sich gegen die Anwendung des Begriffs "Rasse" auf Menschen wendet. Nach dem Ende der Apartheid trat Südafrika 1994 unter der Präsidentschaft Nelson Mandelas wieder der UNESCO bei. Die USA verabschiedeten sich im Jahr 1984 aus der UNESCO und kehrten erst zwei Jahrzehnte später im Jahr 2003 zurück. Als Gründe gab die Reagan-Regierung die Politisierung und ein ineffizientes Management der Organisation an.

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