Erde

Die deutschen Bundespräsidenten

10.2.2017
Informationen zu allen bisherigen Amtsinhabern: Allen Bundespräsidenten gelang es, eine Integrationsfunktion wahrzunehmen, wenn sie dabei auch unterschiedliche Akzente gesetzt haben.

Theodor Heuss (1949 - 1959)

Heinrich Lübke (1959 - 1969)

Gustav Heinemann (1969 - 1974)

Walter Scheel (1974 - 1979)

Karl Carstens (1979 - 1984)

Richard von Weizsäcker (1984 - 1994)

Roman Herzog (1994 - 1999)

Johannes Rau (1999 - 2004)

Horst Köhler (2004-2010)

Christian Wulff (Juni 2010 - Februar 2012)

Joachim Gauck (März 2012 bis jetzt)


Theodor Heuss (1949 - 1959)



Schwarz-Weiß-Foto: Theodor Heuss und seine Frau Elly Heuss-Knapp, winken der begeisterten Menge auf einerr Fahrt im offenen Wagen durch Stuttgart am 1. Oktober 1949. Sie nehmen nach der Wahl Theodor Heuss' zum Bundespräsidenten Abschied vom baden-württembergischen Landtag, dem sie beide als Abgeordnete bislang angehörten. Beide legten anschließend ihre Mandate nieder.Theodor Heuss und seine Frau Elly Heuss-Knapp nehmen nach der Wahl Theodor Heuss' zum Bundespräsidenten Abschied vom baden-württembergischen Landtag, dem sie beide als Abgeordnete bislang angehörten. (© AP)
Theodor Heuss wurde am 31. Januar 1884 in Brackenheim geboren. Nach dem Abitur studierte er in München und Berlin Nationalökonomie und Kunstgeschichte und promovierte zum Dr. rer. pol. Schon während des Studiums war er journalistisch tätig, und diesem Beruf widmete er sich auch im Anschluss an seine Ausbildung.

Wegen einer leichten Schulterverletzung musste er, der für den Militärdienst ohnehin nicht viel übrig hatte, weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg kämpfen.

Als Schüler hatte Heuss sich dem "Nationalsozialen Verein" von Friedrich Naumann angeschlossen. 1924 zog er für die DDP in den Reichstag. 1932 veröffentlichte Heuss ein Buch über Adolf Hitler, durch das er sich den Zorn der Nationalsozialisten zuzog. Im Jahr darauf verlor er sein Reichstagsmandat und seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Politik, konnte jedoch - zum Teil unter einem Pseudonym - bis Kriegsende weiter publizieren.

1946 wurde er zum Vorsitzenden der "Demokratischen Volkspartei in der US-Zone" gewählt und widmete sich darüber hinaus der Vorstandsarbeit in der 1947 gegründeten "Demokratischen Partei Deutschlands". Er wirkte bei der Bildung des Bundesverbands der liberalen westdeutschen Parteien mit, der sich im Dezember 1948 unter dem Namen Freie Demokratische Partei (FDP) gründete. Heuss wurde der erste Bundesvorsitzende der FDP.

Als Mitglied des Parlamentarischen Rats hatte er großen Anteil an der Formulierung des Grundgesetzes.

1949 wurde Heuss zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt und bezog 1950 die Villa Hammerschmidt als Amtssitz. Als erster Bundespräsident hatte er die außenpolitische Aufgabe, das schlechte Ansehen der Deutschen in der Weltöffentlichkeit zu verbessern.

Er bemühte sich, das Demokratieverständnis der Deutschen zu fördern, und verstand den Bundespräsidenten als Hüter der Verfassung neben dem Bundesverfassungsgericht. Seine wohl bekanntesten innenpolitischen Handlungen waren die Bestimmung der Nationalhymne und die Neugründung des Bundesverdienstordens sowie des Ordens Pour le Mérite.

Auch die noch heute bestehende Künstlerhilfe geht auf Heuss zurück. 1952 hielt er eine vielbeachtete Gedenkrede im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen, in der er die Behauptung, man habe nichts von den NS-Verbrechen an den Juden gewusst, zurückwies und alle Deutschen aufforderte, sich mit der Wahrheit auseinander zu setzen.

Den Deutschen erschien er bald als idealer Bundespräsident, so dass man 1959 eine Grundgesetzänderung erwog, um ihm eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Diesen Plan lehnte Heuss aber schließlich ab. Er zog nach Stuttgart und widmete sich der Niederschrift seiner Memoiren und anderen Veröffentlichungen. Heuss starb am 12. Dezember 1963 an den Folgen einer Beinamputation.

Theodor Heuss war evangelisch. Er war seit 1908 mit Elly Knapp verheiratet. Sie hatten einen Sohn.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Heinrich Lübke (1959 - 1969)



Heinrich Lübke (Bundespräsident von 1959-1969) zusammen mit John F. Kennedy.Heinrich Lübke (Bundespräsident von 1959-1969) zusammen mit John F. Kennedy. (© picture-alliance/dpa)
Heinrich Lübke wurde am 14. Oktober 1894 in Enkhausen im Sauerland geboren. Nach dem Abitur studierte er Landwirtschaft, Geodäsie und Kulturtechnik, später auch Volkswirtschaft, Verwaltungsrecht und Boden- und Siedlungsrecht. Er nahm freiwillig am Ersten Weltkrieg teil. Zunächst arbeitete er als Geschäftsführer des Westfälischen Pächter- und Siedlerbundes. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung der "Deutschen Bauernschaft" 1926, für die er auch beruflich tätig war. Für die Zentrumspartei zog er 1931 in den Preußischen Landtag ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor Lübke alle seine Ämter und wurde inhaftiert. Nach 20 Monaten, am 10. Oktober 1935, wurde er aus der Haft entlassen und war nun im Bauwesen tätig.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er für das Architektur- und Ingenieurbüro Schlempp, das zur Arbeit für Albert Speer dienstverpflichtet wurde und unter anderem einige Baracken baute, die für Konzentrationslager bestimmt waren. Nach dem Krieg trat Lübke der CDU bei, erhielt ein Landtagsmandat in Nordrhein-Westfalen und war von 1947 bis 1952 Landesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - ein in den Hungerjahren bis 1948 besonders wichtiger Arbeitsbereich. Ein 1949 errungenes Bundestagsmandat gab er nach einem Jahr wieder auf, weil die Arbeitsbelastung beider Ämter zu groß war.

1953 zog er erneut in den Bundestag ein und wurde Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

1959 wurde Lübke zum Bundespräsidenten gewählt. Das wichtigste außenpolitische Projekt war ihm die Entwicklungshilfe, die Bekämpfung des Hungers in der Welt.

Innenpolitisch setzte er sich für eine Einbeziehung der SPD in die Regierungsverantwortung ein, wie sie in Form der Großen Koalition zwischen 1966 und 1969 Realität wurde.

1964 wurde Lübke mit großer Mehrheit für eine weitere Amtszeit gewählt.

Gegen Ende der zweiten Amtszeit startete die DDR eine Kampagne gegen ihn, in der sie ihn wegen seiner Tätigkeit für das Architekturbüro Schlempp als "KZ-Baumeister" diffamierte. Diese Kampagne, die auch in der Bundesrepublik Deutschland aufgegriffen wurde, schadete dem Ruf Lübkes. Ein sofortiger Rücktritt verbot sich, da er als Schuldeingeständnis gedeutet worden wäre, ebenso wie ein langwieriges gerichtliches Vorgehen gegen die Verleumder, unter dem der Ruf des Amtes ebenfalls gelitten hätte. Diese Kampagne und der Verfall seiner Gesundheit brachten Lübke zu dem Entschluss, sein Amt zehn Wochen vor Ablauf der Amtszeit 1969 niederzulegen. Er starb am 6. April 1972 nach einer Magenoperation.

Heinrich Lübke war katholisch. Er war mit Wilhelmine, geb. Keuthen, verheiratet.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Gustav Heinemann (1969 - 1974)



Gustav Heinemann (Bundespräsident von 1969-1974).Gustav Heinemann (Bundespräsident von 1969-1974). (© picture-alliance/dpa)
Gustav Heinemann wurde am 23. Juli 1899 in Schwelm in Westfalen geboren. Am Ersten Weltkrieg nahm er aufgrund einer Grippeerkrankung nur wenige Wochen teil. Anschließend studierte er in Marburg und anderen Städten Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Geschichte und promovierte zum Dr. rer. pol. und zum Dr. jur. Er arbeitete als Justitiar und Prokurist bei den Rheinischen Stahlwerken Essen, deren stellvertretendes Vorstandsmitglied er wurde.

Unter dem Einfluss seiner Frau Hilda entwickelte er großes Interesse an der Religion. Während des Nationalsozialismus gehörte er der Bekennenden Kirche an (eine Untergruppe der evangelischen Kirche, die den Machtanspruch des Nationalsozialismus nicht akzeptierte). Unter anderem war er Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Präses der Gesamtdeutschen Synode.

Schon als Student engagierte sich Heinemann in den Studentengruppen der Deutschen Demokratischen Partei. Nach dem Krieg war er ehrenamtlicher Oberbürgermeister von Essen für den Landesverband der CDU, den er mitbegründet hatte, dann auch Justizminister von Nordrhein-Westfalen. 1949 legte er das Bürgermeisteramt nieder und wurde Bundesinnenminister.

Nach einem Jahr trat er jedoch zurück, weil er nicht akzeptieren wollte, dass Bundeskanzler Adenauer den Westmächten ohne Absprache ein deutsches Kontingent für eine europäische Armee angeboten hatte. In der "Notgemeinschaft für den Frieden Europas" sammelte Heinemann Gegner der Remilitarisierung um sich, die aus seiner Sicht eine Gefahr für die Wiedervereinigung darstellte. Er trat aus der CDU aus und gründete die "Gesamtdeutsche Volkspartei", die sich jedoch 1957 wieder auflöste. Heinemann trat daraufhin der SPD bei, für die er auch im Bundestag saß. 1950 gründete er eine gemeinschaftliche Anwaltspraxis. In der Großen Koalition war er Bundesjustizminister.

1969 wurde Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten gewählt. Als eines seiner wichtigsten Anliegen bezeichnete er die Überwindung der Untertänigkeit und die Erziehung der Deutschen zu mündigen Menschen mit bürgerlichem Handeln und Verhalten, die sich aktiv für die freiheitliche Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit einsetzen sollten.

In einem Interview sagte er, er wolle lieber ein "Bürgerpräsident" sein als ein "Staatspräsident". In diesem Sinne führte er die Tradition ein, zu Neujahrsempfängen auch einfache Bürger einzuladen. Außenpolitisch lagen ihm die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarländern und die Förderung des Friedens in Europa am Herzen.

Ohne sich in die Tagespolitik einzuschalten, befürwortete er deshalb die Ostpolitik der SPD-FDP-Koalition.

Nach seiner Amtszeit kehrte Heinemann wieder nach Essen zurück, nahm aber bis zu seinem Tod am 7. Juli 1976 auch aktiv Anteil am politischen Geschehen.

Gustav Heinemann war evangelisch. 1926 heiratete er Hilda Ordemann aus Bremen. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Jochheim, Gernot: Freiheitstraditionen in der deutschen Geschichte


Walter Scheel (1974 - 1979)



Walter Scheel (Bundespräsident von 1974-1979).Walter Scheel (Bundespräsident von 1974-1979). (© picture alliance/ akg-images)
Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Banklehre. Im Zweiten Weltkrieg war er bis 1945 als Oberleutnant der Luftwaffe eingesetzt. Anschließend arbeitete er in der Stahlwarenfabrik des Vaters seiner ersten Ehefrau Eva, ab 1953 als selbstständiger Wirtschaftsberater in Düsseldorf. 1958 wurde er Geschäftsführer der von ihm mitgegründeten "Interfinanz GmbH".

Seine politische Karriere begann Walter Scheel 1946 durch seinen Beitritt zur FDP. Zunächst wirkte er als Stadtverordneter in Solingen, anschließend als Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, bis 1974 als Bundestagsabgeordneter, zwei Jahre lang auch als Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Parallel dazu gehörte er zunächst zwei Jahre lang der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Link: 16734) an und von 1958 bis 1961 dem Europaparlament. 1961 wurde er der erste Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und blieb dies auch in den Kabinetten Erhard.

1968 übernahm Walter Scheel den Vorsitz der FDP.

In der sozialliberalen Koalition ab 1969 war er als Außenminister auch für die umstrittene Ostpolitik und den deutsch-deutschen Grundlagenvertrag verantwortlich.

Weitreichende Prominenz erlangte er 1973, indem er für die Aktion Sorgenkind (Link: 27788) das Lied "Hoch auf dem Gelben Wagen" auf Schallplatte sang. Allein bis zum Frühjahr 1974 wurde die Platte über 300.000 Mal verkauft.

1974 wurde Scheel zum – bis heute jüngsten – Bundespräsidenten gewählt. Seine Präsidentschaft zeichnete sich bei allem Drang zu klaren Worten immer durch sein Streben nach Ausgleich aus. Er setzte sich für mehr soziale Mitwirkungsrechte der Bürger ein. Oft wandte Scheel sich in seinen Reden an die jungen Menschen, die er zum Engagement ermutigte, aber auch ermahnte, aus den Verfehlungen der älteren Generationen ihre Lehren zu ziehen.

Bemerkenswert ist seine Rede von 1976, in der er Richard Wagner (Link: 160059) gleichberechtigt in eine Reihe anderer bekannter Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts einordnete. Vor der versammelten Bayreuther Festspielgesellschaft wies er darauf hin, dass die Deutschen gelernt haben sollten, sich weder einem Mann, einem Werk oder einer Nation völlig zu unterwerfen, und erteilte damit dem Wagner-Mythos eine klare Absage.

Außenpolitisch betonte er immer wieder die Bedeutung eines geeinten Europas für den Erhalt von Frieden und Demokratie.

Nach dem Ende seiner Amtszeit war und blieb Scheel bis heute gesellschaftlich aktiv, hat eine Vielzahl von Ehrenämtern inne und gehört verschiedenen Gremien an.

Walter Scheel ist evangelisch. Am 2. September 1966 starb nach 24-jähriger Ehe seine erste Frau Eva Charlotte, geb. Kronenberg. 1969 heiratete er die Röntgenologin Dr. Mildred Wirtz, die später die Deutsche Krebshilfe ins Leben rief. Mildred Scheel starb am 13. Mai 1985. Walter Scheel hat vier Kinder. 1988 heiratete er Frau Barbara Wiese.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Jänicke, Prof. Dr. Martin: Geschichte der deutschen Umweltpolitik


Karl Carstens (1979 - 1984)



Karl Carstens (Bundespräsident von 1979-1984).Karl Carstens (Bundespräsident von 1979-1984). (© picture alliance/ nordphoto)
Karl Carstens wurde am 14. Dezember 1914 in Bremen geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und politische Wissenschaften und promovierte zum Dr. jur. Wegen Bedürftigkeit hatte er 1937 einen Antrag auf staatliche Beihilfe gestellt, für den er seine "politische Zuverlässigkeit" durch einen Antrag auf Beitritt zur NSDAP beweisen musste. 1940 wurde Carstens Mitglied der NSDAP. Während des Zweiten Weltkriegs unterwies er als Ausbilder im Leutnantsrang Soldaten bei der Flakartillerie. 1945 machte er sich in Bremen als Anwalt selbständig und trat 1947 in eine Anwaltssozietät ein. Von 1949 bis 1954 war er Bevollmächtigter Bremens beim Bund in Bonn.

Von 1948 bis 1949 erwarb er an der Yale Universität in Connecticut einen Master of Law und habilitierte sich 1952 in Köln, wo er ab 1960 auch das Institut für das Recht der Europäischen Gemeinschaften leitete.

Durch seine Tätigkeit beim Bund wurde Carstens von Walter Hallstein für die Stellung als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat entdeckt. 1955 stellte ihn das Auswärtige Amt ein, in dem er schließlich Ständiger Stellvertreter des Außenministers wurde.

1955 trat Carstens der CDU bei. Während der Großen Koalition wechselte er als Staatssekretär erst ins Verteidigungsministerium, dann zu Kurt-Georg Kiesinger ins Bundeskanzleramt. 1970 übernahm er die Leitung des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 1972 erlangte er ein Bundestagsmandat und anschließend den Fraktionsvorsitz. 1976 wurde er Bundestagspräsident.

Als die CDU ihn 1979 als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufstellte, warf die Presse ihm seine frühere nominelle NSDAP-Mitgliedschaft vor; auch ein Prozess gegen den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Günther Metzger belastete den Kandidaten. Dennoch gewann Carstens die Wahl. Durch Objektivität und Volksnähe - bekannt sind seine Wanderungen durch die Bundesrepublik und die von ihm gestiftete Eichendorff-Plakette für Wandervereine - erwarb er das Vertrauen der Menschen.

1983 löste Carstens den Bundestag auf und ordnete Neuwahlen an - trotz erheblicher Bedenken, da die Vertrauensfrage von der CDU-FDP-Regierung aufgeworfen worden war, um den eigenen Bundeskanzler, der durch ein konstruktives Misstrauensvotum ins Amt gekommen war, durch Neuwahlen zu legitimieren.

1983 gab Carstens die Anthologie "Deutsche Gedichte" heraus, da die Pflege der deutschen Literatur und des Geschichtsbewusstseins, also der geistigen Einheit der Deutschen, für ihn eine Voraussetzung zur Überwindung der Teilung Deutschlands darstellte. Außenpolitisch räumte er den guten Beziehungen zu den USA eine Vorrangstellung ein.

Nach dem Ende seiner Amtszeit 1984 hielt er sich mit politischen Äußerungen zurück, wurde aber Mitglied des Ältestenrats der CDU und nahm weiterhin an zahlreichen Veranstaltungen teil. Er war Träger des Aachener Karlspreises, Ehrensenator der Universität Bonn und mehrfacher Ehrendoktor. Karl Carstens starb am 30. Mai 1992 in Meckenheim.

Karl Carstens war evangelisch. Er war mit der Ärztin Dr. med. Veronica Carstens verheiratet.

Quelle: Bundespräsidialamt


Richard von Weizsäcker (1984 - 1994)



Richard von Weizsäcker (Bundespräsident von 1984 – 1994).Richard von Weizsäcker (Bundespräsident von 1984 – 1994). (© picture-alliance)
Richard Freiherr von Weizsäcker wurde am 15. April 1920 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur studierte er in Oxford und Grenoble und leistete dann von 1938 bis 1945 Militärdienst. Nach Kriegsende studierte er Rechtswissenschaft und Geschichte und promovierte anschließend zum Dr. jur. Noch als Student assistierte er 1948 dem Rechtsanwalt, der von Weizsäckers Vater bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen verteidigte.

1954 trat er der CDU bei. Nach einer Tätigkeit für Mannesmann wurde er persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Waldthausen & Co. in Essen und Düsseldorf. Ab 1962 arbeitete er für das Chemieunternehmen von C. H. Boehringer in Ingelheim.

Ebenfalls 1962 trat er dem Präsidium des Evangelischen Kirchentags bei, dessen Präsident er bis 1970 war.

Ab 1966 war er Mitglied des Bundesvorstands der CDU. 1969 wurde er in den Bundestag gewählt, dem er bis 1981 angehörte.

1978 ging von Weizsäcker nach Berlin und blieb dort Oppositionsführer, bis er 1981 zum Regierenden Bürgermeister gewählt wurde.

Schon 1974 hatte er als Zählkandidat gegen Walter Scheel für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert. 1984 stellte er sich erneut zur Wahl und wurde mit einer überwältigenden Stimmenmehrheit gewählt.

Er fand klare Worte zur deutschen Vergangenheit, trat für demokratische und christliche Werte ein, versuchte Konsens herzustellen und äußerte sich klar und deutlich, wo es nötig schien. Er sprach sich für Aussöhnung und Gespräch mit der Sowjetunion und der DDR aus, denn er empfand sich als Präsident aller Deutschen und sprach daher auch zu den Bürgern der DDR.

Die bekannteste Rede seiner Amtszeit hielt er am 40. Jahrestag des Kriegsendes im Bundestag. Darin wies er darauf hin, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war, thematisierte das Leid der Betroffenen, die Verantwortung nachfolgender Generationen und die Rolle der aus den Erfahrungen des Dritten Reichs entstandenen Bundesrepublik Deutschland.

1989 wurde von Weizsäcker mit einem noch besseren Ergebnis für eine zweite Amtszeit gewählt.

Nach dem Fall der Mauer mahnte er zur "Behutsamkeit beim Zusammenwachsen von DDR und Bundesrepublik Deutschland" und setzte sich für Berlin als Hauptstadt des vereinigten Deutschlands ein.

In der Debatte um Zuwanderung und Integration nahm von Weizsäcker während seiner zweiten Amtszeit ebenso deutlich Stellung wie durch seine Kritik an den politischen Parteien, die sich durch seine Argumente auch sämtlich angesprochen fühlten.

Seit seinem Ausscheiden aus dem Amt bestätigte von Weizsäcker seinen Ruf als "politischer" Bundespräsident, indem er eine Reihe von Vorsitzen in verschiedenen Gremien innehatte, Vorlesungen hielt und weiterhin Stellung zu den aktuellen politischen Debatten nahm. Er starb am 31. Januar 2015 in Berlin. Richard von Weizsäcker war evangelisch. Seit 1953 war er mit Marianne geb. von Kretschmann, verheiratet. Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Roman Herzog (1994 - 1999)



Roman Herzog (Bundespräsident von 1994 – 1999).Roman Herzog (Bundespräsident von 1994 – 1999). (© picture-alliance/dpa)
Roman Herzog wurde am 5. April 1934 in Landshut geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. jur.

Er arbeitete als Assistent bei dem Staatsrechtler Theodor Maunz, habilitierte sich 1964 und lehrte danach in München, ab 1965 auf einem eigenen Lehrstuhl an der Freien Universität in Berlin und ab 1969 in Speyer.

1970 trat Herzog der CDU bei. 1973 wurde er ordentliches Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche.

Nachdem er fünf Jahre lang die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Bonn geleitet hatte, trat er 1978 als Kultusminister in die Stuttgarter Landesregierung ein. 1980 übernahm er das Amt des Innenministers, in dem er durch seine Bereitschaft, rechtsstaatliche Grundsätze auch mit Härte durchzusetzen, von sich reden machte.

1983 ging er als Vizepräsident ans Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und übernahm 1987 das Amt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts.

In der durch den Fall der Mauer eröffneten Debatte um eine Erneuerung des Grundgesetzes sprach Herzog sich für mehr Kompetenzen der Länder, eine Neuordnung der Finanzverfassung und die Aufnahme von Volksabstimmungen ins Grundgesetz aus.

1994 wurde Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt, wobei er sich im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durchsetze. Er war der erste Bundespräsident, der von Anfang an seinen ersten Amtssitz in Schloss Bellevue in Berlin hatte.

Redegewandt und humorvoll, bezog Herzog zu den grundlegenden Problemen der Gesellschaft deutlich Stellung. Er setzte sich dafür ein, dass das wiedervereinigte Deutschland nun auch weltpolitisch Verantwortung übernehme.

Aufsehen erregte er, als er sich 1996 deutlich gegen alle Ansprüche auf ehemalige deutsche Ostgebiete aussprach, wodurch er sich bei den Vertriebenen nicht nur Freunde machte.

Noch heute ist sein Wort vom "Ruck", der durch Deutschland gehen müsse, in aller Munde. In einer Rede im Hotel Adlon - der ersten "Berliner Rede", deren Tradition seine Nachfolger fortsetzten - hatte er 1997 mit diesem Begriff mehr Reformbereitschaft und Änderungswillen angemahnt und dadurch eine Diskussion geprägt, die noch viele Jahre andauern sollte.

Nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Roman Herzog wissenschaftlich und publizistisch tätig. Im Jahr 2000 leitete er den Konvent zur Erarbeitung der EU-Grundrechte-Charta und legte die Empfehlungen der Herzog-Kommission für die zukünftige Parteienfinanzierung vor. Seit dem 3. Oktober 2003 leitet er den "Konvent für Deutschland", dessen Hauptthema die Verbesserung der Reformfähigkeit Deutschlands ist.

Roman Herzog war evangelisch. 1959 heiratete er die Hauswirtschaftslehrerin Christiane Krauß, die am 19. Juni 2000 verstarb. Sie widmete sich an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose erkrankten Menschen und gründete die nach ihr benannte Christiane-Herzog-Stiftung. Das Ehepaar hatte zwei Söhne.

Roman Herzog starb am 10. Januar 2017 in Bad Mergentheim. Er war in zweiter Ehe mit Alexandra Freifrau von Berlichingen, geb. von Vultejus, verheiratet.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Johannes Rau (1999 - 2004)



Johannes Rau (Bundespräsident von 1999-2004).Johannes Rau (Bundespräsident von 1999-2004). (© picture-alliance/dpa)
Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal geboren. 1948 brach er das Gymnasium noch vor dem Abitur ab und engagierte sich in der Bekennenden Kirche. Er machte eine Lehre als Verlagsbuchhändler und besuchte die Buchhändlerschule in Köln. Auch journalistisch und politisch wurde er aktiv; für die von Gustav Heinemann gegründete Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) wurde er Kreis- und Ortsvorsitzender von Wuppertal. 1952 begann er als Verlagsbuchhändler zu arbeiten, war dann als Lektor und Vertreter tätig und wurde 1954 Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlags in Wuppertal. Hier erhielt er 1962 einen Sitz im Vorstand und leitete den Betrieb von 1965 bis 1967 als Direktor. Als die GVP sich auflöste, trat Rau der SPD bei.

Ab 1968 gehörte er dem Parteivorstand und ab 1978 dem Parteipräsidium an. Von 1982 bis 1999 war er stellvertretender Parteivorsitzender. Auf Landesebene hatte er den Parteivorsitz seit 1977 inne.

1969 und 1970 war Rau Oberbürgermeister von Wuppertal, anschließend Wissenschaftsminister im Land Nordrhein-Westfalen, und 1978 übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, das er bis zu seiner Wahl als Bundespräsident innehatte.

1987 kandidierte er für das Amt des Bundeskanzlers und unterlag Helmut Kohl.

Nach einer ersten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 1994 trat Johannes Rau 1999 erneut für das höchste Staatsamt an und gewann im zweiten Wahlgang.

Seine Amtszeit stand, wie schon seine Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, unter dem Motto "Versöhnen statt spalten".

Er setzte sich für die Integration von Ausländern und für Minderheiten ein und widmete diesem Anliegen auch seine erste Berliner Rede, in der er für eine geregelte Einwanderungspolitik plädierte.

2000 sprach Rau als erstes deutsches Staatsoberhaupt vor dem israelischen Parlament, der Knesset, und bat das jüdische Volk und Israel in deutscher Sprache um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust.

2002 unterzeichnete er das umstrittene "Zuwanderungsgesetz", verband seine Unterschrift jedoch mit einer deutlichen Rüge an die Verantwortlichen im Bundesrat, die durch ihr Abstimmungsverhalten für einen Eklat gesorgt hatten.

Auf einer Reise nach China mahnte er nicht minder deutlich die Einhaltung der Menschenrechte an. Johannes Rau war dem christlichen Menschenbild tief verpflichtet.

Johannes Rau war Träger zahlreicher Orden und hat viele Auszeichnungen und Würden erhalten, u.a. 14 Ehrendoktoren, 4 Ehrensenatoren, 1 Ehrendozentur. Er war Ehrenbürger von Berlin, Bonn, Maroldsweisach, Spiekeroog und Wuppertal. Er starb am 27. Januar 2006 in Berlin.

Johannes Rau war evangelisch, verheiratet mit Christina Rau, geb. Delius, und hatte drei Kinder.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Horst Köhler (2004-2010)



Horst Köhler (Bundespräsident von 2004-2010).Horst Köhler (Bundespräsident von 2004-2010). (© picture-alliance)
Horst Köhler kommt am 22. Februar 1943 im polnischen Skierbieszów zur Welt. Die Eltern, deutschstämmige Bauern aus dem rumänischen Bessarabien, waren zwangsweise nach Polen umgesiedelt worden. Polen ist von der Wehrmacht besetzt. Köhler ist das siebte von acht Kindern.

Im Kriegsjahr 1944 flüchtet die Familie vor den sowjetischen Truppen nach Markkleeberg-Zöbigker bei Leipzig. Dort bauen sich die Eltern auf einem kleinen Hof eine neue Existenz auf. Bald wünscht sich besonders die Mutter bessere Chancen für ihre Familie. 1953 gelingt den Köhlers noch vor dem 17. Juni die Flucht über West-Berlin in die Bundesrepublik. Sie leben vier Jahre lang in verschiedenen Flüchtlingslagern. 1957 wird das schwäbische Ludwigsburg schließlich endgültig Heimat für die Familie.

Am dortigen Mörike-Gymnasium macht Köhler 1963 Abitur. Er leistet seinen Wehrdienst ab, verpflichtet sich für zwei Jahre bei den Panzergrenadieren und wird Leutnant der Reserve. Das Studium der Wirtschaftswissenschaften finanziert Horst Köhler durch Arbeit selbst. 1969 schließt er sein Studium an der Eberhard Karls Universität Tübingen ab und wird wissenschaftlicher Referent am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung. Im selben Jahr heiratet er Eva Luise Bohnet. Sie ist Lehrerin aus Ludwigsburg.

1977 erwirbt Köhler an der Universität Tübingen seinen Doktortitel. Der Titel seiner Dissertation lautet: "Freisetzung von Arbeit durch technischen Fortschritt".

1976 tritt Köhler in die Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums in Bonn ein. Minister ist zu dieser Zeit Otto Graf Lambsdorff. 1981 wechselt Köhler von Bonn nach Kiel und wird Referent von Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg in der Staatskanzlei Schleswig-Holstein. Als Gerhard Stoltenberg 1982 im Zuge des Regierungswechsels Bundesfinanzminister wird, verlässt Köhler Kiel und kommt zurück nach Bonn. Dort arbeitet er im Leitungsstab des Finanzministeriums und wird Leiter des Ministerbüros. Später übernimmt er die Grundsatzabteilung des Bundesfinanzministeriums und die Abteilung Geld und Kredit, die für die internationale Finanz- und Währungspolitik zuständig ist.

1990 ernennt Bundesfinanzminister Theo Waigel Horst Köhler zum Staatssekretär. Köhler verhandelt mit der DDR-Führung über die deutsch-deutsche Währungsunion. In Moskau handelt er das Abkommen über den Abzug der sowjetischen Truppen aus der DDR aus. Er ist Chefunterhändler beim Maastricht-Vertrag über die Europäische Währungsunion, zugleich persönlicher Beauftragter ("Sherpa") von Bundeskanzler Helmut Kohl für die Weltwirtschaftsgipfel der seinerzeit sieben führenden Industrienationen. Köhler organisiert den Weltwirtschaftsgipfel von München, als Deutschland 1992 Gastgeber der G-7 ist.

1993 scheidet Horst Köhler aus der Bundesregierung aus und wird Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Er setzt sich für ein modernes Bild der Sparkassenorganisation ein und sieht die besondere Verantwortung der Sparkassen für den Mittelstand und das soziale Klima in den Kommunen. 1998 bittet ihn Helmut Kohl, Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London zu werden. Aufgabe der Bank ist es, Marktwirtschaft und Demokratie in den ehemaligen Ostblockstaaten aufzubauen. Köhler steuert die Geschäftspolitik der Bank auf die stärkere Unterstützung von mittelständischen Unternehmen um. Die Marktwirtschaft soll von unten aufgebaut werden.

Auf Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder wird Horst Köhler im Jahr 2000 Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds IWF in Washington, D.C.. Köhler setzt sich zum Ziel, die Geschäftspolitik des IWF transparent zu machen und stärker auf Krisenprävention auszurichten. Deshalb verstärkt er die Zusammenarbeit des IWF mit der Weltbank unter James D. Wolfensohn. Köhler ist davon überzeugt, dass die dauerhafte Sicherung von Frieden und Stabilität mehr Einsatz und Erfolg bei der Bekämpfung der Armut verlangt. Dafür leitet er umfangreiche Reformen beim IWF ein.

Die Universität von Tübingen ernennt Köhler 2003 zum Honorarprofessor.

Am 1. Juli 2004 legt Horst Köhler den Amtseid als neunter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland ab. Innenpolitisch widmet sich der Bundespräsident vor allem der Frage, wie zukunftsfähige Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden können. Zur Erneuerung Deutschlands gehört für ihn auch ein besseres Bildungswesen sowie ein kreativer Umgang mit dem demographischen Wandel. Horst Köhler sieht die Chance für ein neues, integratives Miteinander von Alt und Jung. Deutschland sieht er als "Land der Ideen", das einig und selbstbewusst die eigene Zukunft gestalten kann und seine Verantwortung annimmt, in der Welt und besonders in der Europäischen Union als Kraft zum Guten zu wirken. Außenpolitisch macht er sich für eine menschliche Globalisierung mit verlässlichen Regeln stark. Deshalb setzt er sich besonders für die Armutsbekämpfung und den afrikanischen Kontinent ein.

Am 23. Mai 2009 wird er von der Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 613 Stimmen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

Am 31. Mai 2010 tritt er von seinem Amt als Bundespräsident zurück.

Horst Köhler, evangelisch, ist verheiratet mit Eva Luise Köhler. Sie haben zwei Kinder. Er ist seit 1981 Mitglied der CDU. Die Mitgliedschaft ruhte während seiner Amtszeit als Bundespräsident.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Christian Wulff (Juni 2010 - Februar 2012)



Christian Wulff (Bundespräsident von 2010-2012).Christian Wulff (Bundespräsident von 2010-2012). (© picture-alliance/dpa)
Christian Wulff wird am 19. Juni 1959 im niedersächsischen Osnabrück als zweites Kind von Rudolf und Dagmar Wulff geboren. Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium legt er das Abitur ab. Christian Wulff engagiert sich früh als Schülersprecher, Studentenvertreter und in den Jugendverbänden Schüler Union und Junge Union.

Von 1980 bis 1986 studiert Christian Wulff Rechtswissenschaften mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Osnabrück. 1987 leistet er sein Referendarexamen in Hannover, danach sein Referendariat am Oberlandesgericht Oldenburg und legt 1990 sein Assesorenexamen in Hannover ab. 1990 tritt Christian Wulff in eine Rechtsanwaltskanzlei ein.

1986 wird Christian Wulff für die CDU Mitglied im Rat der Stadt Osnabrück, von 1989 bis 1994 ist er deren Fraktionsvorsitzender. Christian Wulff bleibt Ratsmitglied bis 2001. 1994 wird er in den niedersächsischen Landtag gewählt. Im März des Jahres wird er Fraktionsvorsitzender, im Juni Landesvorsitzender seiner Partei in Niedersachsen. 1998 wird Christian Wulff zu einem der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt.

Christian Wulff heiratet 1988 Christiane Vogt, mit der er eine Tochter hat. Annalena wird 1993 geboren. 2006, nach 18 gemeinsamen Jahren, trennen sich die Eheleute einvernehmlich. 2008 heiratet Christian Wulff Bettina Körner. Gemeinsam mit ihr hat er einen Sohn. Linus Florian wird 2008 geboren. Bettina Wulff bringt einen Sohn, Leander, geboren 2003, in die Ehe mit.

Nach den Landtagswahlen 2003 wird Christian Wulff am 4. März von den Abgeordneten des niedersächsischen Landtags zum Ministerpräsidenten gewählt und in dieser Position am 26. Februar 2008 bestätigt. Das Amt des Ministerpräsidenten hat er bis zum 30. Juni 2010 inne, dem Tag der 14. Bundesversammlung (Link: 16369). Die Bundesversammlung wählt Christian Wulff zum zehnten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Seitdem ruht auf seinen Wunsch seine Mitgliedschaft in der CDU.

Christian Wulff ist seit 2001 Schirmherr des Bundesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Christian Wulff ist katholisch. Er ist Ehrendoktor der Tongji-Universität in Shanghai, Senator der Max-Planck-Gesellschaft und Ehrensenator der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg.

2011 wurde Christian Wulff durch den Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr bekam er die Ehrenmedaille des Deutschen Olympischen Sportbundes verliehen.

Am 17. Februar 2012 trat er von seinem Amt als Bundespräsident zurück.

Quelle: Bundespräsidialamt

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Joachim Gauck (März 2012 bis jetzt)



Joachim Gauck (Bundespräsident von 2012-2017).Joachim Gauck (Bundespräsident von 2012-2017). (© picture-alliance/dpa)
Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. Nach dem Abitur studierte er Theologie. Von 1965 bis 1990 stand er im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und arbeitete viele Jahre als Pastor.

Schon als Jugendlicher trat Joachim Gauck in Opposition zur Diktatur in der DDR. 1989 gehörte er zu den Mitbegründern des Neuen Forum und wurde in Rostock dessen Sprecher. Joachim Gauck war Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstandes gegen die SED-Diktatur. Er leitete die wöchentlichen "Friedensgebete", aus denen die Protestdemonstrationen hervorgingen.

Im März 1990 zog Joachim Gauck als Abgeordneter der Bürgerbewegungen, die sich im Bündnis 90 zusammengeschlossen hatten, in die zum ersten Mal frei gewählte Volkskammer ein. Joachim Gauck wurde zum Vorsitzenden des Parlamentarischen Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit gewählt. Zum 3. Oktober 1990 berief ihn Bundespräsident Richard von Weizsäcker auf Vorschlag der Bundesregierung zum Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes. Von 1991 bis 2000 war Joachim Gauck Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

Von 2001 bis 2004 war Joachim Gauck deutsches Mitglied des Verwaltungsrates der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien.

2003 wurde er Bundesvorsitzender der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

Am 18. März 2012 wählte die Bundesversammlung Joachim Gauck zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Für sein Wirken wurde Joachim Gauck mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet, darunter die Theodor-Heuss-Medaille, der Geschwister-Scholl-Preis, der Europäische Menschenrechtspreis und der Ludwig-Börne-Preis. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Rostock, Jena, Augsburg, der National University of Ireland, Galway, und der Hebräischen Universität von Jerusalem.

Joachim Gauck lebt seit 2000 mit Daniela Schadt zusammen. Er hat vier Kinder, zwölf Enkel- und vier Urenkelkinder.

Quelle: Bundespräsidialamt

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