Dossier Familienpolitik
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2.6.2014 | Von:
Karsten Kassner

Väter heute: Leitbilder, Lebensrealitäten und Wünsche

Das Bild von Vaterschaft und Männlichkeit ist in Bewegung geraten und komplexer geworden. Alte Leitbilder werden brüchig, neue sind noch nicht fest etabliert. Viele Väter wollen mehr Zeit für Familie und beruflich kürzer treten. Aber nur wenige setzen dies um. Vorhandene Ansätze in Politik und Wirtschaft zur Unterstützung eines Wandels von Vaterschaft sind ausbaufähig.

Junge FamilieVielen gilt der Vater weiterhin als alleiniger Ernährer der Familie. Doch viele Väter wollen heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Die Leitbilder werden brüchig. (© Damian Longerich/www.cupitronic.net)

Das Statistische Bundesamt stellt in einer Pressemitteilung vom 6. Dezember 2013 (411/13) fest: "Der Trend, dass immer mehr Väter Elterngeld in Anspruch nehmen, ist ungebrochen." Danach liegt die Beteiligung der Väter im Bundesdurchschnitt mittlerweile bei über 29 Prozent, auch wenn Väter oft nur für wenige Monate Elterngeld beziehen. Dass junge Väter vermehrt eine familienbedingte Auszeit vom Beruf nehmen, ist Teil umfassender gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, die vor allem durch Frauen angestoßen wurden. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen (und Müttern) hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen; Lebensentwürfe haben sich ebenso gewandelt wie die Geschlechterbilder. Für viele Frauen ist es keineswegs mehr selbstverständlich, nach der Geburt eines Kindes längerfristig aus dem Beruf auszuscheiden und sich auf Familie und Haushalt zu konzentrieren. Die Lebenssituation von Vätern heute lässt sich deshalb nicht unabhängig von der Lebenssituation von Müttern betrachten (siehe hierzu auch "Mütter heute: Leitbilder, Lebensrealitäten und Wünsche").

Der Wandel von Einstellungen und die gestiegene weibliche Erwerbsbeteiligung führen dazu, dass paarinterne Abstimmungsprozesse notwendiger werden. Wie Beruf und Familie zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werden soll, ist nicht mehr selbstverständlich, sondern muss ausgehandelt und begründet werden. Zudem geraten tradierte Leitbilder von Geschlecht – und damit auch von Mutterschaft und Vaterschaft – in Bewegung. Gesellschaftliche Leitbilder sind Normalitätsvorstellungen darüber, was zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt als selbstverständlich und üblich gilt. Sie geben Sicherheit in Bezug auf die Fremd- und Selbstwahrnehmung und haben Einfluss sowohl auf individuelle Einstellungen als auch auf tatsächliche Verhaltensweisen. Wenn Normalitätsvorstellungen im Wandel begriffen sind, so zeigt sich das daran, dass unhinterfragte Selbstverständlichkeiten aufzubrechen beginnen, nicht mehr eindeutig sind und insgesamt zum Thema der Auseinandersetzung werden.

Das trifft auch auf Leitbilder von Vaterschaft zu, denn Väter sind in den vergangenen 15 Jahren verstärkt zum Gegenstand sowohl öffentlicher, politischer als auch wissenschaftlicher Debatten geworden. Viel ist dabei die Rede von den "neuen", "aktiven" oder "engagierten" Vätern (vgl. bspw. Baader 2006, Kassner 2008, Meuser 2009). Im Folgenden werden daher Leitbilder von Vaterschaft und deren Wandel ebenso betrachtet wie Vorstellungen und Wünsche von Vätern in Bezug auf Familiengründung, Erwerbs- und Familienarbeit und die tatsächlichen Erwerbs- und Arbeitsteilungsmuster im Vergleich zwischen Vätern und Müttern.

Geschlechterbilder im Ost-West-Vergleich

Zentraler Bestandteil des tradierten Leitbilds von Vaterschaft ist die Vorstellung vom Vater als dem Ernährer der Familie (Meuser 2009, Baumgarten et al. 2012). Er ist hauptverantwortlich für die ökonomische Absicherung der Familie und für den Erhalt sowie die Festigung ihres sozialen Status. Das auf Erwerbsarbeit und beruflichen Erfolg bezogene männliche Lebensmodell und Vaterschaft bilden insofern zwei Seiten der gleichen Medaille. Als Pendant dazu ist das tradierte Leitbild von Mutterschaft im Kern mit der Sorge um die Familienmitglieder und mit den inneren Angelegenheiten der Familie verknüpft. Dies schließt eine Erwerbstätigkeit der Mütter nicht notwendigerweise aus, soweit sich diese mit der primären Zuständigkeit für Kinder und Haushalt vereinbaren lässt. Dennoch gilt: Während Mütter ihrer Verantwortung in der Familie gerecht werden, übernehmen Väter eine Verantwortung für die Familie.

Vor gut 30 Jahren hatten diese Leitbilder noch starke Gültigkeit. 71 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen haben 1982 folgender Aussage zugestimmt: "Es ist für alle Beteiligten viel besser, wenn der Mann voll im Berufsleben steht und die Frau zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert." (Statistisches Bundesamt/WZB 2013: 388) Dies hat sich seitdem deutlich geändert. Nur noch 31 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen stimmten dieser Frage 2012 zu. Allerdings beziehen sich diese Zahlen auf die alten Bundesländer und sind Ausdruck des westdeutschen Familienmodells mit dem Mann als Familienernährer und der Frau als Hausfrau oder Zuverdienerin.

In Ostdeutschland waren Mütter vor der Wende in der Regel Vollzeit erwerbstätig und Väter stärker an der Haus- und Familienarbeit beteiligt. Diese andere Tradition spiegelt sich auch nach der Wiedervereinigung in den Einstellungsmustern wider. In Ostdeutschland ist die Erwerbstätigkeit von Müttern noch immer weit selbstverständlicher als in Westdeutschland. Lediglich 19 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen in den neuen Bundesländern sind im Jahr 2012 der Ansicht, dass es das Beste sei, wenn sich der Vater um den Beruf und die Mutter um die Familie kümmert (ebd.: 388). Vor diesem Hintergrund wird die Diskussion um "aktive" Vaterschaft und die Herausstellung eines "neuen" väterlichen Engagements aus ostdeutscher Perspektive denn auch als westdeutsches Lifestyle-Phänomen wahrgenommen (Behnke et al. 2013).

Vom Familienernährer zum Basisversorger

Insgesamt haben sich die Einstellungen zur Erwerbsarbeit von Frauen und Müttern deutlich gewandelt. Heute wird die Berufstätigkeit von Frauen mehrheitlich positiv gesehen. Diese Veränderungen auf Seiten der Frauen bedeuten aber nicht, dass sich das Leitbild von Männlichkeit und Vaterschaft gleichermaßen gewandelt hat (vgl. zu Folgendem: BMFSFJ 2013: 32ff). Zwar betonen Männer in ihrem Selbstbild einzelne Attribute stärker, die eher weiblich konnotiert sind, wie zum Beispiel Konflikte schlichten, Gefühle zeigen, Selbstkritik, Hilfsbereitschaft, auf einen Ausgleich zwischen Privatem und Beruf achten. Aber im Kern basiert das Selbstbild weiterhin auf Merkmalen, die für die Berufsorientierung und das Leitbild des Familienernährers stehen. Die höchsten Zustimmungswerte erhalten die Attribute: die Familie gut versorgen (76 Prozent), berufliche Kompetenz/Fachmann sein (60 Prozent) und Leistungsorientierung/Ehrgeiz (57 Prozent).

Vater spielt mit seinem SohnDie Anforderungen an Väter werden komplexer. Denn auch sie wollen stärker Beruf und Familie unter einen Hut bringen. (© Damian Longerich/www.cupitronic.net)
Das Leitbild von Männlichkeit und Vaterschaft wird damit komplexer, ohne dass es sich grundlegend verändert. Neue Attribute und Ansprüche werden ergänzt, aber nicht notwendig zu einer neuen Synthese verbunden. Im Vergleich verschiedener Altersgruppen und Generationen von Männern erweist sich das Leitbild des Familienernährers als relativ stabil. Die Vorstellungen differieren aber hinsichtlich Lebensform (Single, Partnerschaft, Elternschaft) und verschiedenen sozialen Milieus. Auch Frauen, so zeigen empirische Befunde, wirken an der Aufrechterhaltung dieses Leitbilds mit, indem sie viele der traditionellen Attribute weiterhin erwarten, gleichzeitig aber auch neue Anforderungen stellen, wie etwa die stärkere Beteiligung an der Versorgung und Erziehung der Kinder. Gestützt wird dieses Leitbild zudem durch eine Reihe familienpolitischer Rahmenbedingungen, wie etwa das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Mitversicherung der Partnerin bei der Krankenversicherung.

Neu eingeführte Familienleistungen wie das Elterngeld setzen demgegenüber Anreize für eine stärkere Väterbeteiligung an der Familienarbeit (Baronsky et al. 2012). In die gleiche Richtung weist die Entwicklung eines neuen Leitbilds, das zunehmend an Bedeutung gewinnt: der Mann als moderner Basisversorger (BMFSFJ 2013:34ff). Dieses Leitbild ist dadurch charakterisiert, dass es weiterhin auf Existenzsicherung und Erwirtschaftung des Familieneinkommens bezogen bleibt, die Verantwortung dafür aber nicht mehr allein dem Mann beziehungsweise Vater zuweist. Zudem enthält es verstärkt gleichgestellte Partnerschaftsauffassungen und Persönlichkeitsmerkmale. Beide Leitbilder – Familienernährer und moderner Basisversorger – bestehen heute parallel nebeneinander. 45 Prozent der Mütter und 41 Prozent der Väter präferieren das Leitbild des Basisversorgers: Sie sehen beide Partner in der Verantwortung, in etwa zu gleichen Teilen zum Familieneinkommen beizutragen. In welchem Umfang dieses Leitbild auch tatsächlich umgesetzt wird, ist eine andere Frage, auf die noch eingegangen wird. Demgegenüber folgen 47 Prozent der Mütter und 53 Prozent der Väter im Alter bis 60 Jahre der Vorstellung, dass der Mann hauptverantwortlich für das Familieneinkommen zuständig ist. Das tradierte Leitbild gewinnt zudem mit der Anzahl der vorhandenen Kinder an Zuspruch. Bei zwei Kindern hängen 58 Prozent der Mütter und 68 Prozent der Väter diesem Leitbild an, bei drei Kindern sogar 72 Prozent der Mütter und 67 Prozent der Väter.

Alte Vorstellungen werden brüchig, neue sind noch nicht etabliert

Deutlich wird, dass Einstellungsmuster und Verhaltensweisen von Männern bzw. Vätern keineswegs einheitlich sind. Dies wird durch viele weitere Studien bestätigt, die Unterschiede innerhalb der Gruppe der Männer beziehungsweise Väter herausstellen. Insofern ist die Annahme, alle Männer seien gleich, eine starke Vereinfachung der Wirklichkeit. Notwendig ist vielmehr eine Differenzierung auch innerhalb der Gruppe der Männer beziehungsweise Väter. In der wissenschaftlichen Literatur wird dabei in der Regel ein Spektrum von eher traditionell bis eher modern orientierten Männern beziehungsweise Vätern aufgemacht.

Nach einer repräsentativen Untersuchung lassen sich die Männer in Deutschland in vier Typen einteilen (Volz/Zulehner 2009: 35ff.): Demnach werden 27 Prozent der Männer als (teil-)traditionell eingestuft. Mehr als die Hälfte der Männer pendeln entweder pragmatisch balancierend (24 Prozent) oder verunsichert suchend (30 Prozent) zwischen traditionellen und modernen Vorstellungen. Etwa jeder fünfte Mann schließlich lässt sich der Gruppe der aufgeschlossen modernen Männer zurechnen. Diese letzte Gruppe steht einer egalitären Arbeitsteilung der Geschlechter in Beruf und Familie sowie der Emanzipation von Frauen insgesamt deutlich positiver gegenüber als die übrigen Männer-Typen. Zu dieser Gruppe gehören überdurchschnittlich häufig Männer im Alter von 30 bis 39 Jahren mit (Fach-)Hochschulreife beziehungsweise Hochschulabschluss.

Frauen sind demgegenüber insgesamt moderner eingestellt. Nach der zitierten Studie gelten knapp ein Drittel der Frauen als modern und lediglich 14 Prozent werden als (teil-)traditionell eingestuft. Hinsichtlich der Einstellungsmuster existiert also eine Kluft zwischen den Geschlechtern. Wenn 30 Prozent der Männer als verunsichert suchend charakterisiert werden können, zeigt dies, dass alte Vorstellungen brüchig geworden sind, ohne dass neue Leitbilder bereits fest etabliert wären. In diesem Spannungsfeld bewegen sich Männer und Väter heute. Das ist besonders bei jungen Erwachsenen auffällig, also in einer Lebensphase, in der die Gründung einer Familie verstärkt zum Thema wird. Junge Männer nehmen die neuen Anforderungen, sich auch verstärkt um Kinder und Haushalt zu kümmern, durchaus wahr (vgl. im Folgenden: Institut für Demoskopie Allensbach 2013: 17ff). Allerdings sehen viele von ihnen nicht, dass damit auch eine Relativierung der Ernährerrolle verbunden sein kann. Knapp drei Viertel der jungen Männer im Alter von 18 bis 34 Jahre glauben, es würde von ihnen erwartet, für den Unterhalt der Familie sorgen zu müssen. Aber lediglich etwas mehr als die Hälfte der Frauen im gleichen Alter hat tatsächlich diese Erwartung.

Insgesamt zeigt sich: Die Anforderungen an Männer werden vielfältiger. Väter werden ebenfalls mit der Problematik konfrontiert, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Da jedoch ein Großteil der Väter keine "Entlastung" von ihrer Ernährerrolle wahrnimmt, begreifen viele Väter die neu an sie gerichteten Erwartungen als zusätzliche (und insofern nicht erfüllbare) Anforderung. Dies kann zu einem Gefühl der Überforderung führen (vgl. auch Baumgarten et al 2012). Heute haben 61 Prozent der Väter mit Kindern unter 16 Jahren häufig oder gelegentlich Probleme, Beruf und Familie zeitlich zu vereinbaren (Institut für Demoskopie Allensbach 2013: 14). Mehrheitlich lösen sie diesen Konflikt zugunsten des Berufs, wohingegen bei Müttern in der Regel die Familie vorgeht. Die Verantwortlichkeiten sind also im Großen und Ganzen nach wie vor klar verteilt.

Kinderwünsche und Familiengründung von Männern

Unterschiedliche Studien im Zeitverlauf belegen, dass sich kinderlose Männer und Frauen mehrheitlich Kinder wünschen, Frauen etwas ausgeprägter und entschiedener als Männer (vgl. zusammenfassend Rost 2007: 80ff). Zumeist wird heutzutage eine Familie mit zwei Kindern als ideal angesehen. Nach einer aktuellen Studie zur Familiengründung von Männern hegen heute knapp 93 Prozent der jungen Männer im Alter von 15 bis 33 Jahren einen Kinderwunsch (Bertelsmann Stiftung 2008: 42f).

Allerdings sind weder der Kinderwunsch noch die gewünschte Kinderzahl feste Konstanten. Vor allem das Alter der Befragten ist ein entscheidender Einflussfaktor. Je älter die Befragten sind, desto geringer sind Kinderwunsch und gewünschte Kinderzahl. Bei kinderlosen Frauen im Alter von 35 bis 37 Jahren liegt die gewünschte ideale Kinderzahl bereits deutlich niedriger als bei kinderlosen Männern gleichen Alters (Goldstein et al. 2010: 18f). 75 Prozent der kinderlosen Männer dieser Altersgruppe wollen eine eigene Vaterschaft in den nächsten zwei Jahren tatsächlich realisieren (Becker 2011: 4). Allerdings nimmt der Kinderwunsch auch bei Männern mit zunehmendem Alter ab. Von den 25- bis 27-jährigen kinderlosen Männern wollen lediglich 5 Prozent keine Kinder, von den 35- bis 37-Jährigen bereits 25 Prozent (ebd.: 4).

Es gibt auch für Männer ein begrenztes subjektives Zeitfenster für die Gründung einer Familie. Das optimale Alter für eine Erstvaterschaft geben Männer mehrheitlich mit 25 bis 30 Jahren an; im Schnitt liegt das Wunschalter bei knapp unter 28 Jahren (Bertelsmann Stiftung 2008: 47f). Als "zu früh" wertet eine Mehrzahl der Männer eine Vaterschaft im Alter von 22 Jahren oder jünger (ebd.: 111f). Sind Männer bis zum Alter von 45 Jahren nicht Vater geworden, wollen sie mehrheitlich dauerhaft kinderlos bleiben. Als Hauptgrund gilt das eigene Alter beziehungsweise das der Partnerin (vgl. Helfferich et al. 2004: 26ff).

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Mehr als jeder fünfte Mann bleibt kinderlos

Auch wenn die Mehrheit der jungen Männer (und Frauen) gerne Kinder möchte, klaffen Wunsch und Wirklichkeit deutlich auseinander. Männer bleiben häufiger kinderlos als Frauen, wie verschiedene Studien zeigen. Bei kinderlosen Männern ab 45 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, noch Vater zu werden, sehr gering (Schmitt 2005: 21f). Insofern deckt sich die Realität mit der subjektiven Vorstellung zum maximal denkbaren Alter einer Erstvaterschaft. Insgesamt bleibt mehr als jeder fünfte Mann dauerhaft kinderlos. Bei den Frauen lag der Anteil der Kinderlosen bei älteren Geburtsjahrgängen deutlich niedriger (Ruckdeschel/Naderi 2009: 3f). Aktuell erreicht die Kinderlosigkeit bei den 40- bis 44-jährigen Frauen allerdings ein ähnlich hohes Niveau wie bei den Männern (Statistisches Bundesamt 2013b: 31ff).

Ein Grund für Kinderlosigkeit liegt darin, dass die Familiengründung heute immer stärker aufgeschoben wird. Dies lässt sich am stetig steigenden Erstgeburtsalter von Frauen ablesen. Das durchschnittliche Alter der Frauen bei Geburt des ersten Kindes ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen und liegt heute bei 29 Jahren (ebd.: 19f). Gründe dafür liegen unter anderem in der gestiegenen Bildungsbeteiligung von Frauen und – das gilt für beide Geschlechter gleichermaßen – in längeren Ausbildungszeiten, schwierigeren Übergangsprozessen in den Beruf und insgesamt einer längeren Phase der beruflichen Etablierung. Gerade für Männer ist ein stabiles Einkommen und eine sichere berufliche Position allerdings eine wichtige Voraussetzung für die Familiengründung. Das Leitbild des Familienernährers hat also auch hier einen bedeutsamen Einfluss. 57 Prozent der jungen kinderlosen Männer ist davon überzeugt, dass der richtige Zeitpunkt dann gekommen ist, wenn sie eine Familie ernähren können (Bertelsmann Stiftung: 44f).

Die Idealvorstellung von Familiengründung folgt damit einem sequentiellen Muster, bei dem Kinder erst dann realisiert werden, wenn der Mann die ökonomische Basis der Familie sicherstellen kann. Darüber hinaus ist eine gefestigte Partnerschaft für 66 Prozent der jungen kinderlosen Männer die zentrale persönliche Voraussetzung für eine Familiengründung (ebd.: 46f). Eine fehlende passende Partnerschaft ist eine der wesentlichen Ursachen für die Kinderlosigkeit von Männern.

Erwerbsarbeitsmuster von Vätern und Müttern

Obgleich das Leitbild des Ernährers weiterhin stark vertreten ist, gilt es keineswegs mehr für alle Väter. In vielen Fällen sind die Einstellungen von Männern partnerschaftlicher und "moderner" geworden. Dies zeigt sich auch in der Praxis. Ein Blick auf das gemeinsame Erwerbsarrangement von Paaren mit minderjährigen Kindern verdeutlicht: Das klassische Ernährermodell mit erwerbstätigem Vater und zu Hause bleibender Mutter ist rückläufig. In 55 Prozent der Fälle waren im Jahr 2012 beide Elternteile aktiv erwerbstätig, bei 29 Prozent war der Vater Alleinverdiener, bei fünf Prozent arbeitete nur die Mutter und bei zehn Prozent war keiner der beiden beschäftigt (Statistisches Bundesamt 2013b: 47). Im Vergleich zu 1996 hat damit der Anteil der Paarfamilien mit traditionellem Ernährermodell um elf Prozentpunkte und im Vergleich zu 2009 um zwei Prozentpunkte abgenommen (vgl. Rübenach/Keller 2011: 336).

Allerdings zeigt sich zugleich, dass der tatsächliche Einfluss der Familiengründung auf das Ausmaß der Erwerbstätigkeit von Vätern eher gering ist. Männer, die Väter werden, sind zumeist weiter in Vollzeit erwerbstätig, unterbrechen die Erwerbstätigkeit nicht und übernehmen in der Regel die Rolle des hauptverantwortlichen Familienernährers. Weitgehend unabhängig vom Alter und von der Anzahl der Kinder waren im Jahr 2012 über 80 Prozent der Väter aktiv erwerbstätig [1] (Statistisches Bundesamt 2013b: 39f). Ganz anders stellt sich demgegenüber die Situation von Müttern dar. Ihre Erwerbstätigkeit hängt stark von der Anzahl und dem Alter der Kinder ab. Im Jahr 2012 waren lediglich 32 Prozent der Mütter mit einem Kind unter drei Jahren aktiv erwerbstätig und 62 Prozent der Mütter mit jüngstem Kind zwischen drei und sechs Jahren. Mit zunehmendem Alter der Kinder steigt die Erwerbsbeteiligung von Müttern weiter an.

Trotz zunehmender Erwerbstätigkeit der Mütter bleiben die Väter in der Rolle des hauptverantwortlichen Familienernährers. In einer aktuellen repräsentativen Umfrage unter 20- bis 55-jährigen Vätern mit Kindern im eigenen Haushalt sagen 74 Prozent der Väter von sich, dass größtenteils sie für die finanzielle Versorgung der Familie verantwortlich seien (Forsa 2013: 21). Das vorherrschende Modell bei Paaren mit minderjährigen Kindern, bei denen beide Partner aktiv erwerbstätig sind, ist heute das Modell "Vater Vollzeit, Mutter Teilzeit". Je nach Anzahl der Kinder trifft dies auf 69 Prozent (ein oder zwei Kinder) beziehungsweise 77 Prozent (drei oder mehr Kinder) der Elternpaare mit doppelter Erwerbstätigkeit zu (Statistisches Bundesamt 2013b: 56). Eine annähernde Gleichverteilung der Erwerbsverantwortung im Sinne des Leitbilds des modernen Basisversorgers findet also de facto weit weniger statt, als dies von Müttern und Vätern gewünscht ist. Dies zeigt auch ein Blick auf den Erwerbsumfang von aktiv erwerbstätigen Vätern und Müttern. 2012 lag die Vollzeitquote von Vätern mit jüngstem Kind unter drei Jahren bei 94 Prozent, lediglich sechs Prozent arbeiteten in Teilzeit (ebd.: 44f). 40 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Väter begründete dies mit fehlender Vollzeittätigkeit, lediglich 15 Prozent arbeiteten wegen der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen Teilzeit. Anders bei den Müttern, deren Teilzeitquote bei 70 Prozent lag und die dies mehrheitlich mit ihren Betreuungsverpflichtungen begründeten.

Ein Großteil der Väter wünscht sich mehr Zeit für die Familie

Das Arbeitsvolumen von Vätern und Müttern klafft deutlich auseinander (vgl. im Folgenden Institut für Demoskopie Allensbach 2012:17ff). Berufstätige Väter mit minderjährigen Kindern hatten 2012 eine durchschnittliche reale Wochenarbeitszeit von 44 Stunden, berufstätige Mütter hingegen arbeiteten 28 Stunden pro Woche. Lange Arbeitszeiten und Überstunden sind für einen Großteil der Väter die Regel. Ein Viertel der berufstätigen Väter mit minderjährigen Kindern arbeitete 2012 regelmäßig über 50 Stunden pro Woche, weitere 40 Prozent arbeiteten 41 bis 49 Stunden.

Vater und Sohn gemeinsam an der BohrmaschineMit dem Elterngeld fördert die deutsche Politik seit 2007 explizit die stärkere Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung. (© Damian Longerich/www.cupitronic.net)
Vor allem bei Vätern liegen die tatsächlichen Arbeitszeiten damit deutlich höher als die gewünschten. Väter wollen gerne weniger arbeiten, nicht zuletzt wegen der Familie. Die gewünschte durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vätern liegt bei lediglich 36 Stunden; 30 Prozent der Väter würden gerne eine vollzeitnahe Teilzeitarbeit im Umfang von 30 bis 35 Wochenstunden realisieren. Insgesamt wünscht sich ein Großteil der Väter (72 Prozent) unter der Woche mehr Zeit für die Familie.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Zeitwünsche nicht realisiert werden können, liegt nach Einschätzung der Väter in den betrieblichen Rahmenbedingungen. 56 Prozent der Väter meinen, dass in ihrem Betrieb nur wenig oder gar nicht auf zeitliche Bedürfnisse von Eltern Rücksicht genommen wird (ebd.: 15). Darüber hinaus sind die Vorbehalte in der Arbeitswelt gegenüber Vätern, die aus familiären Gründen kürzer treten wollen, nach wie vor groß. Häufig wird eine Relativierung des erwerbszentrierten Lebensmodells mit einem reduzierten beruflichen Engagement gleichgesetzt und letztlich als Abweichung von auf Berufsarbeit bezogenen tradierten Männlichkeitsvorstellungen verstanden (BMFSFJ 2013: 12).

Väter und Elterngeld

Es lässt sich zusammenfassen: Die Realität der Erwerbsarrangements von Paaren mit Kindern ist weiterhin stark durch das tradierte Ernährermodell geprägt, das allerdings heute in einer modernisierten Form vorliegt. Der Vater bleibt nach Familiengründung in Vollzeit erwerbstätig, die Mutter reduziert ihre Erwerbsarbeit nach der Geburt des ersten Kindes und steigt dann nach und nach in Teilzeit wieder ein. Zugleich klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Ein substantieller Teil der Väter möchte gerne weniger Zeit für den Beruf aufwenden, sich die Verantwortung für das Familieneinkommen mit der Partnerin teilen und sich insgesamt stärker in die Familienarbeit einbringen. Übergreifend sind 81 Prozent der Väter der Meinung, ein guter Vater zeichne sich dadurch aus, dass er so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringt (Forsa 2013: 24). Dieser Anspruch findet heute auch gesellschaftlich eine breite Zustimmung. Über zwei Drittel der Bevölkerung meint, dass sich Väter heute mehr als früher an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Dies wird nahezu ausnahmslos positiv eingeschätzt (Institut für Demoskopie Allensbach 2012: 33f).

Ein Indikator für die stärkere Beteiligung von Vätern ist ihre Inanspruchnahme von Elterngeld und Elternzeit, also einer befristeten beruflichen Auszeit aus familiären Gründen. Das Elterngeld wird seit 2007 als Lohnersatzleistung angeboten, wenn sich ein Elternteil in der ersten Zeit nach der Geburt um das Kind kümmert. Mit den zwei Partnermonaten wurde beim Elterngeld erstmalig eine Leistung für "den Partner" eingeführt, die verfällt, wenn sie nicht genutzt wird. Damit fördert die Politik in Deutschland erstmalig explizit eine stärkere Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung (Baronsky et al. 2012). [2]

Seit Einführung des Elterngeldes hat die Nutzung dieser familienpolitischen Leistung durch Väter kontinuierlich zugenommen. Während bei der zuvor geltenden Leistung des Erziehungsgeldes weniger als fünf Prozent der Antragsteller Väter waren, liegt die Väterbeteiligung am Elterngeld aktuell bei über 29 Prozent (Statistisches Bundesamt 2013a).[3] Mehrheitlich nehmen Väter die beiden Partnermonate in Anspruch, im Durchschnitt liegt die Bezugsdauer bei 3,2 Monaten. [4] Vor allem junge Väter nehmen die Auszeit häufiger direkt im Anschluss an die Geburt des Kindes als ältere Väter (BMFSFJ 2012: 89f). Damit besteht die Möglichkeit, von Beginn an eine enge Vater-Kind-Beziehung aufzubauen. Eine Inanspruchnahme der Partnermonate durch Väter unterstützt zudem den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin. Wichtige Einflussfaktoren, die eine Nutzung des Elterngeldes durch Väter fördern, sind die Erwerbstätigkeit beider Partner (insbesondere ein höheres Nettoeinkommen der Partnerin) sowie gute betriebliche Rahmenbedingungen.

Arbeitsteilung in den Familien: Haus- und Erziehungsarbeit ist nach wie vor meist Frauensache

Die Inanspruchnahme von Elterngeld (und Elternzeit) durch Väter ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Väterbeteiligung in der Familie. Drei Viertel der Männer in Deutschland sind heute davon überzeugt, dass Väter ebenso wie Mütter ihre Kinder lieben und pflegen können (Volz/Zulehner 2009: 119). Mehrheitlich trauen sich Männer Familienkompetenzen zu, die Pflege und Betreuung auch von Säuglingen und Kleinkindern ist für sie keineswegs mehr ein Tabuthema. Gradmesser für die Umsetzung eines geänderten Leitbilds von Vaterschaft ist aber letztlich, wie sich Mütter und Väter die Kindererziehung und Hausarbeit auch unabhängig von der Übernahme familienbedingter Auszeiten untereinander aufteilen. Soweit der Anspruch besteht, gemeinsam für das Familieneinkommen verantwortlich zu sein, braucht es eine entsprechende Arbeitsteilung auch im Familienalltag, wenn nicht eine Doppelbelastung der Mütter die Folge sein soll.

Einschlägige Untersuchungen zeigen allerdings immer wieder, dass die Familienarbeit stark asymmetrisch zwischen den Geschlechtern aufgeteilt ist (vgl. aktuell: BMFSFJ 2013: 51ff und 95ff, Institut für Demoskopie Allensbach 2013: 40ff). Frauen übernehmen den überwiegenden Teil der alltäglich anfallenden Hausarbeit sowie den Hauptanteil bei der Erziehung und Betreuung der Kinder. 70 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kinder geben an, die Familienarbeit weitgehend alleine zu erledigen, im Vergleich zu 12 Prozent der Väter (Institut für Demoskopie Allensbach 2012: 23f).

Mit der Familiengründung reduzieren Mütter, wie oben dargestellt, in erheblichem Umfang ihre Erwerbsbeteiligung bzw. ihre Arbeitszeit und konzentrieren sich auf die Betreuung des neugeborenen Kindes und den Haushalt. Dadurch setzt in aller Regel eine Re-Traditionalisierung der Arbeitsteilung zwischen den Partnern ein, selbst bei Paaren, die das Ideal einer egalitären Aufgabenverteilung vertreten oder vor Geburt des ersten Kindes mehr oder weniger praktiziert haben (vgl. Rüling 2007). Bereits bei Paaren ohne Kinder sind Frauen mehrheitlich für die Erledigung klassischer Haushaltstätigkeiten – wie Wäsche machen, Kochen oder Putzen – überwiegend oder hauptsächlich zuständig. Bei Paaren mit Kindern übernehmen nahezu ausschließlich Frauen hauptverantwortlich diese Aufgaben (BMFSFJ 2012: 58f). Ähnliches gilt für die Hauptverantwortung bei der Erziehungsarbeit (ebd.: 100f). Viele Väter sehen sich zwar weiter in der Mitverantwortung, haben aber allein schon aufgrund ihrer Berufstätigkeit nicht die Möglichkeit, sich zeitlich in gleicher Weise einzubringen. Dadurch etabliert sich eine Arbeitsteilung, die oft nur schwer zurück zu drehen ist, wenn sie sich einmal eingeschliffen hat. Dieser traditionalisierende Effekt verstärkt sich in der Regel bei weiteren Kindern und mit der Dauer der Beziehung (Grunow 2007).

Die "neuen" Männer und Väter als richtungsweisende Minderheit

Steigen Mütter nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung wieder in den Beruf ein, häufig mit reduziertem Erwerbsumfang, bleibt die Familienarbeit weitgehend in ihrem Verantwortungsbereich und führt zur häufig beklagten Doppelbelastung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber auch viele Väter erleben die Situation als unbefriedigend, weil sie ihren eigenen Ansprüchen an aktive Vaterschaft und eine stärkere Beteiligung an der Familienarbeit nicht gerecht werden können. Eine Lösung dieses Dilemmas kann gelingen, wenn beide Bereiche – die Verantwortung für Familie und die Verantwortung in Familie – konsequent von beiden Partnern übernommen und gemeinsam getragen würde. Allerdings zeigen verschiedene Studien, dass selbst wenn beide Eltern in Vollzeit erwerbstätig sind, im Durchschnitt die Mutter mehr Kinderbetreuung und Hausarbeit übernimmt als der Vater (Wengler et al. 2008).

Insgesamt lassen sich verschiedene Einflussfaktoren auf die Aufteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung ausmachen. Unverheiratete Paare und Paare in den neuen Bundesländern haben eine egalitärere Arbeitsteilung als Ehepaare und Paare in den alten Bundesländern. Darüber hinaus übernehmen bei Paaren mit modernen Geschlechterbildern auch die Männer mehr Haus- und Familienarbeit als bei traditionell eingestellten Paaren. Schließlich sind die Erwerbsarbeitszeiten und das Einkommen im Paarvergleich relevant – je mehr die Frau im Vergleich zu ihrem Partner arbeitet und je mehr sie verdient, desto höher die Beteiligung der Männer zu Hause.

Paarbeziehungen, in denen eine Gleichverteilung bereits Realität ist, sind bislang eine kleine Minderheit. Wird als definitorische Grundlage für "neue" Männer beziehungsweise Väter genommen, dass sich Männer in gleichem Umfang wie ihre Partnerin an allen Aufgaben der Haus- und Erziehungsarbeit beteiligen, so lassen sich derzeit sechs Prozent der Männer als gleichgestellte neue Männer bezeichnen (bezogen auf Hausarbeit) und neun Prozent der Väter als gleichstellte neue Väter (bezogen auf Erziehungsarbeit) (BMFSFJ 2013: 61ff, 104ff). Das ist noch weit entfernt von einer Massenbewegung, aber auch keine zu vernachlässigende Größe mehr. Es ist zudem eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Mütter ihre Erwerbswünsche realisieren und sich beruflich weiter entwickeln können.

Vater-Kind-Beziehung

Der Wunsch vieler Väter, sich heute insgesamt verstärkt in die Kindererziehung einzubringen und eine aktive Beziehung zu ihren Kinder aufzubauen, ist allerdings nicht nur aus gleichstellungspolitischer Sicht von Bedeutung. Verschiedene Forschungsergebnisse zeigen, dass sich ein stärkeres väterliches Engagement positiv auf die Vater-Kind-Bindung und die kindliche Entwicklung auswirken kann (vgl. zu Folgendem BMFSFJ 2011: 24ff). Gerade der unterschiedliche Umgang von Mutter und Vater mit dem Kind hat einen förderlichen Einfluss. Insofern sind beide Eltern als Bezugspersonen wichtig. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist aber vor allem die Beziehung als solche von Bedeutung. Als zweite Bezugsperson neben der Mutter hat der Vater eine wichtige Funktion bei der Herauslösung des Kleinkindes aus der zunächst engen Beziehung zur Mutter. Von zentraler Bedeutung ist der Vater im Familiensystem darüber hinaus bei der Geburt des zweiten Kindes, da er sich verstärkt um das ältere Geschwisterkind kümmern kann, während die Mutter mit dem Säugling beschäftigt ist. Insgesamt zeigen die Forschungsergebnisse zur Eltern-Kind-Beziehung: Entscheidend ist nicht allein die Quantität, sondern vor allem die Qualität der gemeinsamen Zeit. Wenn Väter mit ihren Kindern Zeit verbringen und sensibel auf ihre Bedürfnisse eingehen, können sie auch bei einer eher traditionellen Arbeitsteilung eine enge und eigenständige Beziehung zu ihren Kindern aufbauen. Von einer stabilen Vater-Kind-Beziehung profitieren beide Seiten: die Väter und die Kinder.

Väter gewinnen persönlich, indem sie eine enge emotionale Bindung aufbauen sowie eine eigenständige und wichtige Bezugsperson für das Kind werden. Kinder entwickeln sich besser, wenn ihnen eine zweite Bezugsperson zur Verfügung steht. In psychologischen Studien wurden bei Kindern von Vätern, die feinfühlig auf ihre Kinder eingehen und diese adäquat fördern, sowohl eine höhere soziale Kompetenz als auch höhere kognitive Fähigkeiten beobachtet. Diese positiven Effekte lassen sich bis ins Jugend- und junge Erwachsenenalter nachweisen. In diesen Lebensphasen zeigten die Jugendlichen mehr Reflexionsfähigkeit in Partnerschaften und mehr Selbstvertrauen in neuen Situationen. Dieser Befund verdeutlicht, wie wichtig die ersten Lebensjahre des Kindes für eine tragfähige Vater-Kind-Beziehung sind. Gerade für Väter eröffnen Elternzeit und Elterngeld insofern wesentliche Spielräume, um sich mehr Zeit für die Beziehung zu den eigenen Kindern zu nehmen.

Fazit

Leitbilder von Vaterschaft sind in Bewegung geraten. Viele Väter wollen heute partnerschaftlicher sein und mehr Zeit für Familie und Kinder aufbringen. Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist allerdings nach wie vor hoch: Noch immer übernimmt ein Großteil der Väter hauptverantwortlich die Rolle des Familienernährers und beteiligt sich nicht substanziell an der Haus- und Erziehungsarbeit. Zwar wird das Elterngeld von Vätern seit seiner Einführung immer besser angenommen, aber lediglich ein kleiner Teil der Väter versucht über eine kurze "Babypause" hinaus dauerhaft die eigene Arbeits- und Familiensituation zu verändern. Kürzere Arbeitszeiten und mehr Engagement in der Familie bleiben so häufig unerfüllte Ansprüche oder sind nur schwer und mit viel Aufwand zu realisieren. Zugleich ist das Thema Veränderung von Vaterschaft in gesellschaftlichen und politischen Debatten präsent und nicht mehr wegzudiskutieren. Auch auf betrieblicher Ebene gibt es mittlerweile viele gute Ansätze, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für Väter zu erleichtern. Insofern bleibt Vaterschaft und ihr Wandel ein Thema mit Zukunft.

Notwendig ist allerdings, dabei das Verhältnis der Geschlechter als Ganzes in den Blick zu nehmen. Die Situation von Vätern und Müttern – von Männern und Frauen – lässt sich nicht isoliert betrachten, sondern nur im Verhältnis zueinander. Dies gilt sowohl für die Familie als auch für die Arbeitswelt. Viel wäre gewonnen, wenn mehr Väter und Mütter die Verantwortung für die Bereiche Familieneinkommen, Haushalt und Kinder konsequent gemeinsam tragen würden, anstatt sie aufzuteilen. Das ermöglicht beiden Geschlechtern die Teilhabe an beiden Lebensbereichen. Mütter erfahren Anerkennung im Beruf und erarbeiten sich eine eigenständige soziale Absicherung. Väter werden als Familienernährer entlastet und bauen intensivere Beziehungen zu ihren Kindern auf. Ob und wie das umgesetzt werden kann, ist zunächst eine gemeinsame Entscheidung der beteiligten Personen. Aber die Politik kann diesen Prozess unterstützen, indem sie förderliche Rahmenbedingungen setzt und sich von einem solchen Leitbild neuer Partnerschaftlichkeit in der Ausgestaltung zukünftiger Maßnahmen und Vorhaben leiten lässt.

Literatur

Baader, Meike Sophia (2006): Vaterschaft im Spannungsverhältnis zwischen alter Ernährerrolle, neuen Erwartungen und Männlichkeitsstereotype. Die Thematisierung von Vaterschaft in aktuellen Print-Medien, in: Bereswill, Mechthild/Scheiwe, Kirsten/Wolde, Anja (Hg.): Vaterschaft im Wandel. Multidisziplinäre Analysen und Perspektiven aus geschlechtertheoretischer Sicht, Weinheim und München, S. 117-136

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Baumgarten, Diana/Kassner, Karsten/Maihofer, Andrea/Wehner, Nina (2012): Warum werden manche Männer Väter, andere nicht? Männlichkeit und Kinderwunsch, in: Walter, Heinz/Eickhorst, Andreas (Hg.): Das Väter-Handbuch. Theorie, Forschung, Praxis, Gießen, S. 415-443

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BMFSFJ (Hg.) (2012): Familienreport 2011. Leistungen, Wirkungen, Trends, Berlin

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Institut für Demoskopie Allensbach (2013): Der Mann 2013: Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit, hrsg. durch Bild der Frau, Axel Springer AG, Hamburg

Kassner, Karsten (2008): Männlichkeitskonstruktionen von „neuen Vätern“, in: Baur, Nina/Luedtke, Jens (Hg.): Die soziale Konstruktion von Männlichkeit. Hegemoniale und marginalisierte Männlichkeiten in Deutschland, Opladen & Farmington Hills, S. 141-163

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Rüling, Anneli (2007): Jenseits der Traditionalisierungsfallen. Wie Eltern sich Familien- und Erwerbsarbeit teilen, Frankfurt/New York

Schmitt, Christian (2005): Kinderlosigkeit bei Männern – Geschlechtsspezifische Determinanten ausbleibender Elternschaft, in: Tölke, Angelika/Hank, Karsten (Hg.): Männer – Das "vernachlässigte" Geschlecht in der Familienforschung. Sonderheft 4 der Zeitschrift für Familienforschung, Wiesbaden, S. 18-43

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Volz, Rainer/Zulehner, Paul M. (2009): Männer in Bewegung. Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland, Baden Baden

Wengler, Annelene/Trappe, Heike/Schmitt, Christian (2008): Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Elternschaft. Analysen zur Aufteilung von Hausarbeit und Elternaufgaben auf Basis des Generations and Gender Survey. Materialen zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 127, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden

Linkliste und Literaturtipps zum Weiterlesen

berufundfamilie gGmbH (Hg.) (2008): Männer vereinbaren Beruf und Familie – Über die zunehmende Familienorientierung von Männern und Lösungsbeispiele für Arbeitgeber. Reihe: für die praxis, Heft 4, Frankfurt am Main download unter: http://www.beruf-und-familie.de/index.php?c=43&sid=&cms_det=516

Bundesforum Männer. Interessenverband für Jungen, Männer und Väter
Homepage: http://www.bundesforum-maenner.de/

Gesterkamp, Thomas (2010): Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere, Opladen & Farmington Hills

Jansen, Mechthild M. et al. (Hg.) (2011): Neue Väter hat das Land? Dokumentation einer Fachtagung, POLIS 54, Hessische Landeszentrale für politische Bildung, Wiesbaden

Prognos AG (2005): Väterfreundliche Maßnahmen im Unternehmen. Ansatzpunkte – Erfolgsfaktoren – Praxisbeispiele. Basel
Download unter:http://www.prognos.com/fileadmin/pdf/Vaeterbroschuere2005.pdf

Der Väter Blog
unter: http://vaeter-und-karriere.de/blog/

Väter e.V.
Homepage: http://vaeter.de/

Väterzentrum Berlin
Homepage: http://vaeterzentrum-berlin.de/

ver.di (Hg.) (2010): Männer bei der Arbeit. Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ein Thema auch für Männer, Berlin; Informationen unter http://gender.verdi.de/themen/maennerpolitik/++co++57cc08b4-6264-11e3-aa3d-52540059119e

DGB Bundesvorstand / ver.di Bundesverwaltung(Hg.) (2015): Väter in Elternzeit. Ein Handlungsfeld für Betriebs- und Personalräte, Berlin http://familie.dgb.de/++co++217d621a-dd26-11e4-9f7f-52540023ef1a
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Fußnoten

1.
Die aktiv Erwerbstätigen umfassen alle Voll- und Teilzeitbeschäftigten im erwerbsfähigen Alter ohne vorübergehend Beurlaubte (z.B. Personen in Elternzeit).
2.
Die Möglichkeit zur Aufteilung bestand bereits vor Einführung des Elterngeldes im Rahmen der Regelungen zum Erziehungsurlaub und zum Erziehungsgeld. Mit der Einführung der Elternzeit 2001 wurden die Möglichkeiten, die Elternzeit parallel zu beanspruchen, flexibler regelt. Mit den Partnermonaten beim Elterngeld gibt es ab 2007 aber zum ersten Mal eine Leistung, die verfällt, wenn sie nicht durch beide Elternteile genutzt wird.
3.
Vgl. Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 6. Dezember 2013 (411/13).
4.
Im Vergleich dazu ist die Bezugsdauer von Müttern mit 11,7 Monaten deutlich höher. Rund 96 Prozent der anspruchsberechtigten Mütter beziehen Elterngeld. (vgl. Statistisches Bundesamt 2013a).
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Autor: Karsten Kassner für bpb.de
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