Bijiashan Windkraftanlage in China.

China National Petroleum Corporation (CNPC)

China


1.3.2013
Der chinesische Konzern ist eine der größten Firmen der Welt. Er spiegelt in vielfacher Weise die Programmatik chinesischen Wirtschaftens wider: Fehlendes Know How und mangelnde ethische Maßstäbe werden durch Größe und Expansionsdrang wettgemacht.

Die Hauptgeschäftsstelle von CNPC (China National Petroleum Corporation) in Beijing.Die Hauptgeschäftsstelle von CNPC (China National Petroleum Corporation) in Beijing. (© Public Domain, Charlie Fong)

Leitung: Vorstand, besitzt Ministerialrang
Produktion: 2,75 Millionen Barrel Öl pro Tag
Umsatz: RMB 2.381,3 Milliarden/ US$ 359,6 Milliarden (2011)
Gewinn: RMB 130,5 Milliarden/ US$ 19,7 Milliarden (2011)
Investitionen: k.A.
Ressourcenkontrolle: N/A
Beschäftigte: geschätzt weit über 1 Million; PetroChina 552,810 (2011)
(Quellen: EIA, CNPC, PetroChina)

Die China National Petroleum Corporation (CNPC) ist eine der drei großen chinesischen nationalen Ölfirmen. Zusammen mit der China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) und der China Petroleum and Chemical Corporation (Sinopec) dominiert CNPC den chinesischen Öl- und Gassektor. CNPC ist dabei für etwa 60 Prozent der chinesischen Ölförderung sowie knapp 80 Prozent der Gasförderung verantwortlich. Auch private internationale Ölfirmen (IOCs) sind in China tätig, allerdings nur offshore, also bei Tiefsee-Bohrungen im Meer. Zudem sind chinesische NOCs immer mit Mehrheitsanteilen an den den Verträgen mit IOCs zur gemeinsamen Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen beteiligt (sog. Production Sharing Agreements) .

China ist aufgrund seines rasanten Wirtschaftswachstums mittlerweile zweitgrößter Ölkonsument der Welt und seit 1993 Netto-Ölimporteur. Von den 9,8 Millionen Barrel, die es täglich konsumiert, kann das Land geschätzte 4,3 Millionen Barrel durch inländische Produktion selbst decken. Als Konsumenten-NOC kommt CNPC neben dem Heimatmarkt daher eine wichtige Rolle in der internationalen Expansionsstrategie Chinas zu. In den vergangenen Jahren haben sich chinesische NOCs am persischen Golf, in Afrika, Lateinamerika, aber auch in Nordamerika Beteiligungen an Öl- und Gasreserven gesichert und dabei allein im Jahr 2011 geschätzte 18 Milliarden US Dollar investiert. CNPC hält Beteiligungen in 30 Ländern und produziert so etwa eine Million Barrel pro Tag außerhalb seines Heimatmarktes. Für CNPCs internationales Geschäft ist dabei überwiegend PetroChina zuständig, der am Aktienmarkt von Shanghai, Hong Kong und New York gelistete Teil des Konzerns. Während also CNPC als Holding voll in Staatshand verbleibt, konnte sich PetroChina, heute eine der nach Börsenwert größten Firmen der Erde, eher unter "Marktkonditionen" entwickeln, Kooperationen mit IOCs eingehen und so zu einem nationalen Champion mit internationalem Gewicht werden. PetroChina schneidet im Unternehmensranking von Transparancy International mit Platz 69 (und damit vor den privaten, westlichen Konkurrenten Schlumberger oder ConconoPhillips) passabel ab, was vor allem auf die von der Börse vorgeschriebene Berichtspflicht zurückzuführen ist. Überspitzt ausgedrückt hat CNPC daher zwei Gesichter – das "internationale" von PetroChina, und das eher "chinesische" seiner Holding CNPC.

Bei aller internationalen Ausrichtung ist allerdings die Verbindung zum chinesischen Staat überdeutlich. CNPCs Spitzenleute werden von der Organisationsabteilung, einem wichtigen Gremium der chinesischen Kommunistischen Partei (KP) zur Auswahl von Führungspersonal, ausgewählt und vom Politbüro bestätigt. Sie sind damit bestens mit der KP vernetzt. Der Vorstand von CNPC hat gar den Rang eines Ministers inne. Auch der Aufsichtsrat von PetroChina, nominal eine unabhängige Einheit, ist mehrheitlich von Vertretern des chinesischen Staates besetzt. CNPC ließ sich in der Vergangenheit auch seine internationalen Aquisitionen durch die chinesische Diplomatie flankieren, was von IOCs als unfairer Wettbewerb ausgelegt wurde. Vor allem seine Aktivitäten im ölreichen Sudan, dessen Regierung massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, brachten ihm den Vorwurf ein, ethische Maßstäbe in seinem Geschäftsgebaren auszublenden – ein Vorwurf, der schnell der chinesischen Expansionsstrategie insgesamt anhaftete, da die chinesische Regierung eine Verurteilung des Sudans im UN-Sicherheitsrat erfolgreich verhinderte. Politische Verbindungen schützen CNPC jedoch nicht vor Konkurrenz auf seinem Heimatmarkt. Die bedeutenden Schiefergasvorkommen des Landes sollen laut Beschluss des Ministeriums für Land und Ressourcen in Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen ausgebeutet werden – nicht zuletzt um die noch fehlende Expertise chinesischer Energieunternehmen im wichtigen Geschäft mit unkonventionellem Öl und Gas auszugleichen.


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Andreas Goldthau für bpb.de

 

Zahlen & Fakten Europa

Energie

13,6 Prozent der weltweiten Versorgung mit Primärenergie im Jahr 2009 entfielen auf die 27 Mitgliedstaaten der EU. Werden zu den 27 EU-Staaten noch 16 weitere europäische Staaten hinzugezählt, steigt der Anteil auf gut ein Fünftel. Die Energieabhängigkeitsquote der EU lag dabei bei mehr als 50 Prozent. Weiter... 

Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.Dossier

Umwelt

Die Umwelt stellt uns Lebensgrundlagen und Rohstoffe zur Verfügung, die wir pflegen und erhalten sollten. Doch es fällt schwer, klare Grenzen zu ziehen: Wo nutzt der Mensch die Natur? Und wo zerstört er sie dauerhaft? Weiter... 

Ein schmelzender Eisberg, aufgenommen am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgroenland. Die fuehrenden Industrienationen kommen am Mittwoch, 8. Juli 2009, beim G-8-Gipfel in L'Aquila, Italien, zusammen, um ueber die Wirtschaftskrise und den Klimaschutz zu beraten. (ddp images/AP Photo/John McConnico) --- FILE - This is a July 19, 2007 file photo of an iceberg as it melts off Ammassalik Island in Eastern Greenland. (ddp images/AP Photo/John McConnico)Dossier

Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus? Weiter...