Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Medien
Urheberrecht
Einführung
Urheberrecht in Bildern
Grundlagen
In Zahlen
Im Alltag
Im Gespräch
Reto M. Hilty
Dieter Gorny
Gabriele Beger
Patrick von Braunmühl
Christine Ehlers
DieBücher: Urheberrecht im Alltag/Wissen und Eigentum
Der Film: Good Copy Bad Copy
Literatur
Links
Glossar
Zeitleiste
Weitere bpb-Angebote
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Dossier Urheberrecht

"Wir brauchen eine dem digitalen Zeitalter angemessene Debatte über geistiges Eigentum"


 1 / 2 
weiter
Interview mit Dieter Gorny
 
Herr Gorny, was macht ein Bundesverband Musikindustrie eigentlich genau?

Dieter Gorny: Der Bundesverband Musikindustrie e.V. ist der Verband der Tonträgerwirtschaft, in dem rund 350 kleine, mittelständische und große Labels organisiert sind, die rund 90 Prozent des deutschen Marktes repräsentieren. Er vertritt die Interessen dieses Bereichs der Kreativwirtschaft, der ein wesentliches Glied der Verwertungskette des künstlerischen Produktes Musik ist. Heute wird mehr Musik denn je gehört, doch die Bereitschaft, dafür auch zu bezahlen, war nie so gering. Vom Kopieren können Künstler aber nicht leben. Deshalb sehe ich es als meine Aufgabe an, die Akzeptanz von Musik als Wirtschaftsgut in der Gesellschaft nach vorne zu bringen. Sonst wird über kurz oder lang die musikalische Vielfalt abnehmen.

Zur Person
Dieter Gorny ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie e.V., der die Interessen von rund 350 Labels und Musikunternehmen (rund 90 Prozent des deutschen Musikmarktes) vertritt. Er ist Präsidiumsmitglied des Deutschen Musikrats und Professor für Kultur- und Medienwissenschaften an der Fachhochschule Düsseldorf. 1993 gründete er gründete den Musiksender VIVA und war CEO der VIVA Media AG.

Welche Rolle spielt dabei das Urheberrecht?

Eine fast schon mehr als zentrale, ich denke, die herausragende Rolle in einer zukünftigen Diskussion. Die Creative Industries - die kreativen Industrien – entwickeln und produzieren kreative Inhalte und erzeugen so Produkte, die als geistiges Eigentum schützbar sein müssen. Durch die Verwertung dieser 'Intellectual Properties' entsteht ein ökonomischer Mehrwert. Das Urheberrecht und die Schützbarkeit des geistigen Eigentums ist die Grundlage der gesamten kreativen Ökonomien von Film über Musik bis zu Verlagen oder Software.

Wieso sind diese Märkte wichtig?

Wenn man die europäische Ökonomiedebatte verfolgt, so sieht man, dass wir einerseits mit der Globalisierung, andererseits mit einem immer stärkeren Rückgang der traditionellen Industrien in Europa konfrontiert sind. Wenn wir die Herausforderung annehmen, die europäische Wissensgesellschaft mit der technologischen Zukunft und den globalen Herausforderungen zu verknüpfen, dann sind sich alle einig, dass einer der zukünftigen Leitmärkte, die unsere Prosperität sichern, die 'Creative Industries' sind.

Wie sichert denn das Urheberrecht diese Märkte?

Ein Künstler kann frei entscheiden, ob er sein Werk der industriellen Verwertung zuführt oder nicht. Aber wenn wir wollen, dass eine Ökonomie aus kreativen Werken entsteht, dann brauchen wir das Urheberrecht. Sonst wäre das, was kreatives Eigentum genannt wird, so allgemein verfügbar, dass sich ökonomische Prozesse nicht mehr in Gang setzen ließen. Das würde am Ende dazu führen, dass ein Künstler oder eine Künstlerin sagt: "Wenn ich keine Chance habe, mit meiner Kunst meinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann mach ich das auch nicht mehr."

Wir haben ja, wenn man sich auf die 'recorded music' bezieht, ein schönes Schlagwort: "Es wurden nie so viele CDs gekauft wie heute." Der Nachteil dabei ist, dass nur noch auf einem Viertel davon Musik ist. Aber kurze Zeit später ist auch auf den anderen drei Vierteln Musik. Das zeigt, dass das Interesse an Musik ungebrochen ist.

Die Musiknutzung über CDs oder MP3-Player hat sich von 1995 bis 2005 von 14 auf 45 Minuten mehr als verdreifacht. Die Menschen gehen sehr intensiv mit Musik um, sie brauchen Musik im Alltag, sie wenden sich der Musik bewusst zu. Musik ist ein sehr elementares Gut.

Was ich vermisse, ist der Respekt vor denen, die dafür sorgen, dass man solche schönen Momente erleben kann. Wenn das Gut Musik so eine zentrale Bedeutung einnimmt, dann müssen wir auch sagen: "Das ist mir etwas wert." Dann müssen wir eine 'Respekt-Debatte' führen, da ansonsten Musik in der heutigen Form nicht mehr möglich ist. Wir brauchen deshalb eine neue, dem digitalen Zeitalter und den gesellschaftlichen Veränderungen adäquate Debatte über Urheberrecht und geistiges Eigentum.


27. November 2007

 1 / 2  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Schriftenreihe (Bd. 552)
Wissen und Eigentum
Wissen und Eigentum
Besitzen Autoren ihre Werke? Ist Wissen ohne rechtlichen Schutz vermarktbar, verwertbar oder wertlos? Wissen und Eigentum führt in Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter ein.
Wissen und Eigentum

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home