Dossierbild Afrikanische Diaspora
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Schwarze Künstlerinnen und Künstler in Zeiten der Globalisierung


10.8.2004
Die Werke von bildenden Künstlerinnen und Künstlern sind spannend, unverzichtbar für die Schwarzen Menschen in diesem Land. Sie verleihen den Erfahrungen einer Generation Ausdruck, die sich bisher als vereinzelte geschichtslose Minderheit gesehen hat. Inzwischen sind Schwarze Künstler auf internationalen Events vertreten und haben ihren Platz in den Galerien gefunden.

Stephen Lawson, Skulptur "Reflecting Being"Stephen Lawson, Skulptur "Reflecting Being" (© Stephen Lawson)

Kommunikation und Mobilität



Ausstellungen und Veranstaltungen der letzten 10 Jahre zeigen ein breiteres Spektrum von schwarzen Künstlerinnen und Künstlern als je zuvor. Ob in Malerei, Fotografie, Skulptur, Performance oder Video-Kunst – jedes Genre hat einzelne schwarze Protagonistinnen und Protagonisten. Sie sind auf internationalen Kunstevents vertreten und haben ihren Platz in den örtlichen Galerien. Sie werden angefragt als Kunstschaffende aus Afrika, Amerika oder der Karibik mitunter zu Themen wie: die Situation von Minoritäten, Multikulturalität, Identität.

Die Kommunikations- und Informationstechnologien ermöglichen einen nie dagewesenen Zugang zu Quellen. Künstler haben die Möglichkeit, in Austausch mit Kollegen zu treten und aktuelle Diskussionen zu verfolgen egal über welchen Winkel der Erde, sofern die technischen und ökonomischen Voraussetzungen, ausreichende Schulbildung und eine gewisse Technikbegeisterung gegeben sind.[1]

Der fruchtbare Austausch hat in der westlichen Kunst in Form von Künstlerinnen- und Künstlergruppen sowie –kolonien Tradition. Er setzt neben Privilegiertheit ein hohes Maß an Reisefreudigkeit voraus. Für Künstler aus den Peripherien ist diese Mobilität schwer einzulösen, aber bislang ist das Reisen und Übersiedeln in die ökonomischen Zentren unabdingbar für eine Anerkennung auf dem transatlantischen Kunstmarkt. Eine steigende Anzahl von Künstlerinnen und Künstlern mit mehreren Identitäten, die Ihre Kunst vor dem Erfahrungshintergrund einer weltweiten Diaspora gestalten, hat diese Künstler zumindest weitestgehend von der einengenden Frage nach der Authentizität oder Ethnizität befreit.

Aufbruch in die kulturelle Anerkennung



Der westliche Drang nach Vereinnahmung hatte sich in der Kunst zunächst vornehmlich auf Anleihen aus der Formsprache von Objekten außereuropäischer Kulturen bezogen, auf japanische Zeichnungen oder afrikanische Plastiken. Er weitete sich über Sujets dieser Regionen bis hin auf Künstler selbst aus. Europäerinnen und Europäer begaben sich nun mit entsprechendem Kursangebot in die südliche Hemisphäre auf der Suche nach unverbrauchten Talenten. So erlangten einzelne afrikanische Künstler seit Anfang der 1960er Jahre als Stellvertreter der "Workshopkunst" internationale Bekanntheit. Im kulturell agilen Oshogbo (Duro Lapido Theater, Mbari Mbayo Klub) kamen junge Nigerianer zum Medium der Malerei und bald machten Jacob Afolabi, Rufus Ogundele und Twin Seven-Seven von sich reden. Initiiert und entdeckt für eine westliche Klientel (eine andere bot sich den Künstlern kaum), war die Auswahl der Werke maßgeblich an eine völkerkundliche Erwartungshaltung geknüpft.

"Static drift", Photo work 2001, piece 2."Static drift", Photo work 2001, piece 2. (© Ingrid Mwangi, Robert Hutter)
Das einseitige Aufklauben vereinzelter Kunst aus der Peripherie herrschte noch auf der "documenta IX", wurde dort aber bereits als Aufbruch zu einer wahrhaftigeren Internationalität begrüßt. Zu den Künstlerinnen und Künstlern, die diesen neuen Flair über Kassel verbreiteten, gehörte der Bildhauer Mo Edoga. Seine Skulptur "Signalturm der Hoffnung" entstand während der "documenta IX". Heute ist Edoga wieder in den Schlagzeilen – als Opfer konservativer Borniertheit. Seine künstlerische Arbeit für seine Heimatstadt Mannheim wurde unlängst mit der Anfrage der CDU an den Gemeinderat diskreditiert, ob er denn deutscher Staatsbürger sei oder ob gegebenenfalls seine Aufenthaltsgenehmigung überprüft werde.


Fußnoten

1.
Siehe Olu Oguibe: Die Vernetzung und das Schicksal der Nichtvernetzten, Heise Zeitschriften Verlag, 1999.

 

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