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Coloured Children

Ein Rap-Tanztheaterstück


26.7.2004
Wer als Afro-Deutscher mehr über seine Wurzeln erfahren möchte, findet in Schulbüchern oder im Unterricht nur wenige Informationen. Vor allem der Kontakt zu anderen Schwarzen Deutschen ist hilfreich, diese Lücke zu schließen. Das Rap-Theaterstück "Coloured Children" zeigt, mit welchen Problemen die Jugendlichen zu kämpfen haben.

"Ich möchte meine Haut abstreifen / es geht nicht ich möchte es nicht begreifen" (Amaka Iyizoba)."Ich möchte meine Haut abstreifen / es geht nicht ich möchte es nicht begreifen" (Amaka Iyizoba). (© Anita Berger)
"Hört mal zu! Jetzt sind wir mal dran. Wir verändern die Geschichte, fangen von vorne an. Schwarzer Bruder, Schwarze Schwester duldet kein Gelächter", so rappte Sarah Odukoya 1997 bei der Premiere von "Coloured Children" im Kölner Stadtgarten. Ihr Gesichtsausdruck – entschlossen. So wie die Botschaft ihrer Texte.

Sarah war eine von sechs Schülerinnen und Schülern im Alter von 15 bis 17 Jahren, die durch das Projekt "Coloured Children" zu Rapperinnen und Rappern wurden. Sie hatten sich viel vorgenommen. Daran bestand für mich als Regisseurin schon am ersten Projekttag kein Zweifel. Sarah, Diana, Amaka, Prince, Chris und Patrice wollten nicht einfach nur ein cooles Gesicht machen und "Yo man!" ins Mikro stöhnen. Sie hatten eine Message, wollten einem gleichaltrigen Publikum von sich und ihrem Leben berichten – als Schwarze Deutsche in Deutschland.

Die Idee von "Coloured Children"



Der Freitod der bekannten afro-deutschen Autorin May Ayim am 9. August 1996 war für den Deutsch-Nigerianer Adé Odukoya Anlass, sich inhaltlich in einem Theaterstück mit den Problemen Afro-Deutscher auseinanderzusetzen. Odukoya, selber Musiker und Rapper, wollte Jugendliche in Deutschland erreichen und ihnen die Situation gleichaltriger Schwarzer Deutscher nahe bringen.

So entstand die Idee für das Rap-Theaterstück "Coloured Children". Gemeinsam haben wir mit den Jugendlichen die Geschichte und Songtexte entwickelt und Regie geführt. Projektleitung übernahm die "Offene Jazz Haus Schule" in Köln. Sie fördert seit Jahren Jugendliche durch musikpädagogische Projekte. Wichtig ist hierbei vor allem die Vernetzung mit professionellen Künstlern, verschiedenen Jugendeinrichtungen, der Landesarbeitsgemeinschaft-Musik NRW (LAG Musik) und den Jugendämtern.

"Coloured Children" ist in erster Linie ein Rap-Tanz-Theaterstück von Afro-Deutschen, aber nicht nur für Afro-Deutsche. Auch Weiße Deutsche Jugendliche machen mit, sollen angesprochen werden. Denn von den Jugendlichen von heute hängt ab, wie Weiße und Schwarze morgen zusammen leben können. "Coloured Children" regt zum Nachdenken und zur Kommunikation an.

Neben den rappenden Schauspielern auf der Bühne gibt es bei "Coloured Children" Breakdancer und Afro-Tänzer.Neben den rappenden Schauspielern auf der Bühne gibt es bei "Coloured Children" Breakdancer und Afro-Tänzer. (© Anita Berger)

Emotion und Tiefgang



"Coloured Children" ist ein Rap-Tanz-Theaterstück, das die jugendlichen Teilnehmer selber geschrieben und erarbeitet haben. Es integriert verschiedene Ausdrucksformen: Gesang, Tanz, Breakdance, DJing und natürlich Rap. Wer sich schon einmal im rhythmischen Sprechgesang versucht hat, weiß, wie schwer es ist, die richtigen, reimenden Worte zu finden und dabei seine Emotionen auszudrücken. Die Jugendlichen haben an vielen Nachmittagen und Abenden hart gearbeitet, damit die Lieder hinterher leicht über ihre Lippen gingen. So wie Patrice Bart-Williams:
    Ein Afrikaner, kein Deutscher
    Vater, warum hast Du mich verlassen
    Hier werde ich langsam aber sicher verblassen
    wie die Erinnerungen an Dich
    Die Vorstellungen von Dir, die mich riefen aus meiner Seele Tiefen und mich nicht loslassen.

Vom Schüler zum Superstar



Heute singt der Soulstar Patrice vornehmlich auf Englisch und macht da weiter, wo er mit "Coloured Children" aufgehört hat. Patrice tourt mit der bekannten Musikerin Lauryn Hill, ist in Frankreich ein Superstar. Er füllt in ganz Europa die Konzerthallen – mit einfühlsamer Musik, die keinen Zweifel an seinen afrikanischen Wurzeln lässt.

"Coloured Children" hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Es erzählt am Beispiel des Schwarzen Deutschen Jugendlichen Harry – gespielt von Patrice – verschiedene Momente im Leben von jungen Menschen, die mit dem Gefühl aufwachsen, sie seien Fremde im eigenen Land. "Coloured Children" konfrontiert die Zuschauer mit Beispielen von alltäglichem Rassismus, wie ihn Patrice und die anderen aus ihrem Alltag kennen.

Heute singt der Soulstar Patrice vornehmlich auf Englisch und macht da weiter, wo er mit "Coloured Children" aufgehört hat. Patrice tourt mit der bekannten Musikerin Lauryn Hill, ist in Frankreich ein Superstar. Er füllt in ganz Europa die Konzerthallen – mit einfühlsamer Musik, die keinen Zweifel an seinen afrikanischen Wurzeln lässt.

"Coloured Children" hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Es erzählt am Beispiel des Schwarzen Deutschen Jugendlichen Harry – gespielt von Patrice – verschiedene Momente im Leben von jungen Menschen, die mit dem Gefühl aufwachsen, sie seien Fremde im eigenen Land. "Coloured Children" konfrontiert die Zuschauer mit Beispielen von alltäglichem Rassismus, wie ihn Patrice und die anderen aus ihrem Alltag kennen.



 

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