Dossierbild Afrikanische Diaspora
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Die "Brothers Keepers"-Story


10.8.2004
Brothers Keepers: ein Zusammenschluss afro-deutscher Musiker, die ein Statement gegen rassistische Gewalt abgeben. Mit den Erlösen aus Konzerten oder Plattenverkäufen helfen sie den Opfern, sie sind Ansprechpartner von Initiativen, die dem rechten Alltagsterror entgegenstehen.

"Brothers Keepers"-Poster."Brothers Keepers"-Poster. (© Brothers Keepers e.V.)

Intro



Wir sind ein Zusammenschluss afro-deutscher Hip-Hop-/Soul- und Reggae-Künstler, die in der Debatte um rassistische Gewalt 2001 ein Statement abgaben. Unsere Arbeit und die unseres Vereins beschäftigt sich nach wie vor mit dem Thema Gewalt gegen Ausländer und "People of Color". Ausgehend von dem Skinhead-Mord an Alberto Adriano definierten wir afro-deutschen Rapper und Sänger unsere Standpunkte neu.

Die Anfänge



Es begann als kleine Idee bei "Nitty Gritty Music" in Köln. Hier sitzen Label und Verlag meiner Hip-Hop/Reggae-Band "BANTU". Zusammen mit meinem Bruder Don Abi und unserer damaligen Gruppe "Weep Not Child" traten wir bereits 1994 in Hoyerswerda bei einer Protestaktion gegen Faschismus auf. Seither beschäftigt mich sehr das Thema Gewalt gegen Menschen afrikanischer Herkunft. Als Ende der Neunziger wiederum die Welle der Gewalt zunahm, beschloss ich meine künstlerischen und politischen Energien mit der Veröffentlichung eines gemeinsamen Albums hörbar zu machen: "Die Zeit war lange überreif – wir afro-deutschen Musiker mussten endlich Position beziehen."

Mein alter Mitstreiter TORCH, der 1992 "Fremd im eigenen Land" schrieb, war sofort dabei und ebenfalls D-FLAME. Erste Schritte zu gemeinsamen Aufnahmen wurden im Sommer 2000 gemacht und viele schlossen sich in den darauf folgenden Wochen an. Am 3. Oktober 2000 fand die erste Jam-Session in unserem Studio statt. In den darauf folgenden Monaten entstanden die 14 einzelnen Tracks. Bis Dezember 2001 produzierte der afro-deutsche Hip-Hop-Produzent Dj Desue die gängigen Beats.
So entstand die kleine Idee zum großen Projekt. Zum wummernden, melancholischen Beat von Dj Desue gehen Textstrophen von Rappern wie Samy Deluxe und D-Flame unter die Haut:
    Im Landtag diskutiert man über einen Antrag
    Und währenddessen plant der nächste Nazi seinen Anschlag
    Die Schandtat wird bedauert, doch was ich mich dann frag:
    'Warum steht schon wieder 'ne schwarze Familie am Grab?'
    Deine Seele muss am Arsch sein, wenn Du Umstände beklagst
    und Kanaken dafür jagst.
Und Torch fügt hinzu:
    In all den Jahren, in denen wir Airplay verschwendet haben
    Man könnte denken, wir Rapper hätten nichts zu sagen.
Mitglieder der Rap-Band Brothers Keepers am 15. November 2001 in Oberhausen. Die Brothers Keepers starten einen HipHop- und Lyrik-Wettbewerb. Pünktlich zum Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung und dem Welttag der Poesie am 21. März rufen die Rapper junge Menschen auf, kreativ ihre Stimme gegen Rassenhass und Diskriminierung zu erheben. Eingeschickt werden können selbstproduzierte HipHop-Tracks und selbstverfasste Gedichte zum Thema. Die Schauspieler Katja Riemann, Birol Uenel, Rapper Clueso sowie die Brothers Keepers Torch, Denyo und Germ waehlen aus den Kategorien HipHop und Lyrik jeweils einen Sieger. Neben zahlreichen Preisen winkt auch eine Veröffentlichung. Einsendeschluss ist der 1. FebruarMitglieder der Brothers Keepers im November 2001. (© ddp/AP)

Brothers Keepers-Verein



In den vergangenen zehn Jahren sind geschätzte (die genauen Zahlen werden von der Bundesregierung verschleiert) 120 ausländische und andersdenkende Menschen Todesopfer von rechter Gewalt in Deutschland geworden. Sie hinterlassen neben ihren Lebenspartnern zum Teil mehrere Kinder. Viele Hinterbliebene benötigen dringend finanzielle Unterstützung (u.a. für Beerdigung, Rückführung des Leichnams, Umzug). Viele Opfer rassistischer Gewalt haben ihr Leben lang an den Folgen der Misshandlungen zu leiden.

An dieser Stelle halfen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten und leisteten mit den Erlösen aus Konzerten, Plattenverkäufen, etc. Opferhilfe. Darüber hinaus wurde der Verein zum Ansprechpartner von Bewegungen, die dem rechten Alltagsterror entgegenstehen. Wir wollten alternative Projekte unterstützen, denn gerade diese Initiativen sind vereinzelt unterwegs in den so genannten "National Befreiten Zonen" und sie müssen wissen, dass sie nicht alleine sind.

Brothers Keepers-Schultour 2002



Als wir im Frühjahr 2002 eine Schultour durch die neuen Bundesländer machten, waren wir schockiert von der Apathie und Langeweile an den Schulen. Es waren Orte, wo Menschen ihre Hoffnung verloren hatten und braunes Gedankengut plötzlich zur Mode wurde. Die Mitläuferzahl von Jugendlichen, die von Neonazis in Angst und Schrecken versetzt wurden, drohte zur Gefahr für Zivilcourage und Demokratie zu werden. Uns wurde schlagartig klar, wie schnell die Verbindung von Kleinbürgertum, Rassenhass und Faschismus an diesen Orten ein Vakuum entstehen ließ, in dem Menschen afrikanischer Herkunft zur Zielscheibe wurden. Diese Jugendlichen hatten resigniert, bevor sie überhaupt Hoffnung auf ein besseres Miteinander selbst erleben konnten.

Unsere Konzerttour und die Gespräche mit Schülern öffneten einen Weg zur Seele, der nicht zuletzt durch unsere provokanten Lyrics und fetten Beats überzeugte. Mit auf Tour waren die "Brothers & Sisters Keepers" Samy Deluxe, Afrob, Meli, Germ, Blaise, Don Abi und Ono sowie Helfer und Freunde unserer immer größer werdenden Initiative. Über Berlin-Marzahn, Ludwigslust, Rostock-Lichtenhagen, Pirna und Prenzlau ging es fünf Tage quer durch Ostdeutschland. Nicht nur für die Schüler war diese Reise überaus spannend, auch wir brannten darauf, etwas über die Verhältnisse im Osten zu erfahren. Wir wollten erfahren, wie die Jugendlichen leben, welche Träume und Probleme sie haben, was sie zum Thema Nazis, Ausländer und rechte Gewalt dachten.



 

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