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Der Untergang der Weimarer Republik

Kampf um die Republik 1919 - 1923

Friedrich Ebert und Konrad Adenauer
Grossansicht des Bildes
Reichspräsident Friedrich Ebert (Mitte) mit dem Kölner Oberbürgermeister und späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer (rechts) in den 1920er Jahren. Foto: AP
Schon die ersten Jahre der Weimarer Republik erwiesen sich politisch als äußerst schwierig: Die Last der Reparationszahlungen, die fehlende Akzeptanz der neuen Staatsform in der Bevölkerung und ein aufkeimender Extremismus stellten die junge Demokratie vor eine Zerreißprobe.


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Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)
Sturm, Reinhard
Inhalt
Einleitung
Versailler Vertrag
Finanzpolitik und Wirtschaftsentwicklung
Politische Polarisierung
Rechtsradikalismus
Aufstände und Putschversuche
Reparationsprobleme
Deutsch-russisches Abkommen
Ruhrbesetzung
Hyperinflation
Diktatur in Bayern
Kommunistische Umsturzversuche
Hitler-Putsch
Separatistenbewegungen
Ablösung Stresemanns
Kommunistische Umsturzversuche
Im Sommer 1923 setzte sich in der Führung der KPdSU die Überzeugung durch, dass die krisenhafte Entwicklung in Deutschland bald zu einer revolutionären Situation führen werde. Ende August 1923 beschloss das Politbüro, einen "deutschen Oktober" (das heißt eine Revolution nach dem russischen Vorbild vom Oktober 1917) mit allen Mitteln zu unterstützen. Es gab sogar Planungen für eine militärische Intervention: 2,3 Millionen Rotarmisten wurden in Bereitschaft gehalten, 20 Territorialdivisionen zusätzlich aufgestellt. Denn im Falle einer deutschen Revolution mit sowjetischer Hilfe erwartete Stalin einen Krieg zuerst mit dem Durchmarschland Polen, dann mit Frankreich, England und den baltischen Ländern. An einen Sieg der KPD knüpfte sich in Moskau vor allem die Hoffnung auf Wirtschaftskooperation. Das hoch industrialisierte "Sowjetdeutschland" und die agrarische Sowjetunion würden sich vorteilhaft ergänzen. Die Aktionen sollten möglichst am symbolträchtigen 9. November beginnen, dem Jahrestag der Revolution in Berlin.

Ab September 1923 traf die KPD konkrete Vorbereitungen. Das Moskauer Politbüro half mit Geld und Militärexperten bei der Aufstellung und Ausrüstung "Proletarischer Hundertschaften" (ca. 50000-60000 Mann). Außerdem nutzte die KPD die Chance, am 10. Oktober in Dresden, am 16. in Weimar in SPD-geführte Landesregierungen einzutreten und dadurch in staatliche Machtpositionen zu gelangen. Von Sachsen und Thüringen sollte der "deutsche Oktober" seinen Ausgang nehmen. Die zum linken Flügel der SPD zählenden sächsischen und thüringischen Sozialdemokraten koalierten mit den Kommunisten, weil sie zum einen die Überwindung der Feindschaft zwischen den beiden Arbeiterparteien wünschten; zum anderen sahen sie in den "Proletarischen Hundertschaften" der KPD - denen sich in Sachsen und Thüringen auch Sozialdemokraten und Gewerkschafter anschlossen - eine Möglichkeit, den aus Bayern erwarteten rechtsradikalen "Marsch auf Berlin" zu stoppen. Dass die KPD mit ihrer Einheitsfronttaktik plante, SPD- und Gewerkschaftsmitglieder auf ihre Seite zu ziehen, nahmen sie nicht wahr.

Anders als in Bayern handelte es sich in Sachsen und Thüringen um legitime parlamentarische Mehrheitsregierungen. Jedoch verstießen die "Proletarischen Hundertschaften" eindeutig gegen die Entwaffnungsvorschriften des Versailler Vertrages. Außerdem war die KPD eine gegen die parlamentarische Demokratie gerichtete Partei; Ebert und Stresemann hielten Kommunisten in Staatsämtern für untragbar. Der Reichspräsident ordnete daher am 29. Oktober 1923 gegen Sachsen, am 6. November gegen Thüringen die Reichsexekution an. Reichswehrtruppen marschierten nach Dresden und Weimar. Bei Zusammenstößen zwischen Soldaten und Demonstranten gab es mehrere Dutzend Tote und Verletzte. Die "Proletarischen Hundertschaften" wurden aufgelöst; die kommunistischen Minister entlassen (Sachsen), oder sie traten zurück (Thüringen).

Der "deutsche Oktober" war freilich schon vor den Reichsexekutionen abgeblasen worden. Anders als bei früheren Aufständen scheute die KPD diesmal das Risiko, mit einer isoliert bleibenden Aktion zu scheitern. Sie versammelte daher am 21. Oktober in Chemnitz 450 Arbeiterdelegierte - Kommunisten, Gewerkschafter und einige Sozialdemokraten - aus Sachsen und Thüringen, zum Teil auch aus anderen Ländern. Die Konferenz lehnte einen Revolutionsversuch mehrheitlich ab. Dennoch überfielen in Hamburg am 23. Oktober bewaffnete kommunistische Trupps - rund 300 Mann - planmäßig 17 Polizeistationen und besetzten öffentliche Gebäude. Die Polizei brauchte nur wenige Tage, um den aussichtslosen Aufstand niederzuschlagen. 24 Kommunisten und 17 Polizisten kamen dabei ums Leben. Ob die (besonders aktionistische) Hamburger KPD mit ihrer Aktion die (vorsichtigere) Parteiführung in Berlin zum Losschlagen hatte zwingen wollen oder ob sie von ihrer in Chemnitz erst nach der Konferenz eingetroffenen Delegation falsch informiert worden war, ist ungeklärt.



Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)



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