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Aktuelle Situation

Das Verhältnis von Islamisten und Rechtsextremisten


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Droht eine gemeinsame extremistische Front über den Antisemitismus?
Armin Pfahl-Traughber
Keine enge Kooperation zwischen Islamisten und Rechtsextremisten



Zu einer derart engen Zusammenarbeit kam es später nicht mehr. Gleichwohl bedienten sich arabische Islamisten und Nationalisten fortan auch der von den Nationalsozialisten propagierten antisemitischen Auffassungen und Schriften, fanden doch Behauptungen über "jüdische Ritualmorde" ebenso große Verbreitung wie Übersetzungen der gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion". Einige bedeutende Politiker sahen die letztgenannte Schrift in öffentlichen Erklärungen als echt an und deuteten die Politik Israels in deren Licht. Hierzu gehörten u.a. der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser, der lybische Staatschef Muammar al Qadhafi und König Faisal von Saudi Arabien. Auch wenn es vereinzelt zu Kontakten mit deutschen Rechtsextremisten kam – so gab etwa Nasser der „Deutschen Nationalzeitung“ ein Interview mit israelfeindlichen Inhalten – so entwickelte sich daraus keine engere Zusammenarbeit mit bedeutenden Vertretern des islamistischen oder nationalistischen Spektrums der arabischen Welt.

Gleiches gilt für die Gegenwart: Bei den Kontakten zwischen Islamisten und Rechtsextremisten handelt es sich um Einzelfälle oder Einzelpersonen. Hierzu gehört der Besuch des NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und des NPD-Mitglieds Horst Mahler bei einer Tagung der "Hizb at Tahrir" 2002. Darüber hinaus bewegte sich im deutschen Rechtsextremismus der Schweizer Muslim und Rechtsextremist Ahmed Huber etwa als Referent bei der NPD. Und in Schweden betrieb lange Jahre Ahmed Rami sein "Radio Islam" mit antisemitischen und holocaustleugnenden Inhalten. Von einem wirklichen Bündnis zwischen Islamisten und Rechtsextremisten lässt sich allerdings nicht sprechen. Dem stehen neben den ideologischen Differenzen auch unterschiedliche Interessen und Strategien entgegen. Islamisten sehen in Rechtsextremisten keine bedeutsame politische Kraft, welche für sie als Bündnispartner attraktiv sein könnte. Und bei den Rechtsextremisten gibt es nur eine Minderheit, die ein Interesse an einer solchen Kooperation hat.

Die Holocaust-Leugnung als stärkste Gemeinsamkeit

Der stärkste gemeinsame Bezugspunkt besteht gegenwärtig in der Leugnung oder Relativierung des Holocaust. Nachdem Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sich in mehreren Erklärungen und Interviews in diesem Sinne geäußert hatte, jubelten ihm viele deutsche Rechtsextremisten zu. So bemerkte etwa die Zeitschrift "Nation & Europa" auf ihrem Titelblatt "Danke, Herr Präsident!". Auch die während der Fußballweltmeisterschaft beabsichtigten Solidaritätsdemonstrationen der NPD für die iranische Mannschaft erklären sich so. Insgesamt betrachtet handelte es sich aber noch um eine sehr einseitige Sympathiebekundung, die von der anderen Seite nicht mit einer Akzeptanz als Kooperationspartner erwidert wurde. Ob sich dies mit der für Dezember 2006 in Teheran geplanten Holocaust-Konferenz ändert, bleibt abzuwarten. Zumindest plante man hier auch die Einladung bekannter rechtsextremistischer Revisionisten aus Deutschland und anderen Ländern als Referenten einer staatlich organisierten Tagung.

Trotz der Gemeinsamkeiten insbesondere in der antisemitischen Grundeinstellung dürfte es längerfristig nicht zu einer verstärkten Kooperation zwischen Islamisten und Rechtsextremisten kommen. Dem stehen zum einen die erwähnten ideologischen Unterschiede entgegen, gibt es doch auch für die Rechtsextremisten nur eine Basis im gemeinsamen Feindbild Israel und USA unter Beibehaltung einer grundsätzlich ausländerfeindlichen Grundposition. Zum anderen wird die von Teilen der Rechtsextremisten in Richtung einer Kooperation ausgestreckte Hand von den Islamisten nicht ergriffen. Sie bedienen sich mitunter in deren antisemitischem Agitationsarsenal und laden möglicherweise auch Holocaust-Leugner zu Konferenzen ein. Basis für die Bildung eines gemeinsamen politischen Blockes müsste allerdings mehr sein. Je höher ideologisiert die Anhänger der beiden extremistischen Weltbilder sind, desto stärker dürfte trotz der gemeinsamen Feindbilder letztendlich die Ablehnung sein.


28. November 2006

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