Das TV-Projekt "Zeit für Helden – Und was machst du?" beobachtet mit versteckter Kamera Diskriminierung im Alltag und sucht nach Hilfsbereitschaft und Zivilcourage unter den Passanten.

23.7.2014

Armut und Obdachlosigkeit

In einer der Szenen aus "Zeit für Helden – Und was machst Du?" sieht die Kundin einer Apotheke einen obdachlosen Menschen vor dem Eingang sitzen – und reagiert mit wüsten Beschimpfungen. Die Schauspielerin, die die Kundin spielt, äußert in ihrer Rolle einige verbreitete Vorurteile gegenüber wohnungslosen Menschen, von denen an dieser Stelle drei auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht werden sollen.

Das Vorurteil: "Du bist ein stinkender, arbeitsloser Penner!"

Diese Bemerkung ist respektlos gegenüber Menschen die besonders hilfs- und schutzbedürftig sind. Sie unterschlägt auch, dass Obdachlosigkeit nur in den seltensten Fällen aus freiem Antrieb heraus gewählt wird und viele Gründe dafür eine Rolle spielen, dass jemand seine Wohnung verliert und dann auf der Straße lebt – wo es naturgemäß sehr schwierig sein kann für seine tägliche Körperhygiene zu sorgen. Schätzungen zufolge leben in Deutschland 284.000 wohnungslose Menschen – davon aber weniger als 10 Prozent, nämlich etwa 24.000, auf der Straße.

Es kann mehrere Gründe dafür geben, dass jemand wohnungslos geworden ist: Der Verlust des Jobs oder die Trennung von einem Partner, Streit mit den Eltern oder eine schwere Krankheit, die zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt hat - oft sind es mehrere schwere persönliche Krisen zur selben Zeit, die zum Verlust der Wohnung führen.

Das Vorurteil: "Alle Penner saufen/sind Alkoholiker."

Alkoholismus kann zwar einer der Gründe sein warum jemand seine Wohnung verliert oder warum es für einen wohnungslosen Menschen schwierig sein kann, wieder eine eigene Wohnung zu bekommen. Aber: Nicht alle obdachlosen Menschen haben ein Alkoholproblem. Das Vorurteil ist in so verallgemeinerter Form also schlichtweg falsch.

Das Vorurteil: "Jeder kann irgendwo arbeiten!"

In dieser Aussage steckt vor allem der Vorwurf, dass obdachlosen Menschen der Wille zum Arbeiten fehlen würde. Menschen in Armut oder Wohnungsnot sind zwar oft langzeitarbeitslos, also länger als ein Jahr ohne Arbeit, doch viele von ihnen haben durchaus in ihrem Leben gearbeitet: Etwa 40 Prozent der wohnungslosen Frauen und 50 Prozent der Männer haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Lebensgeschichten von vielen wohnungslosen Menschen zeigen allerdings, dass es sehr schwierig sein kann wieder in geregelte Arbeitsverhältnisse zu finden, wenn man erstmal auf der Straße lebt, denn ohne eine feste Meldeadresse ist es wesentlich schwerer Zugang zu Arbeitsangeboten und Sozialleistungen zu erhalten


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