PDF Version (152 KB) Fakten
Viele Menschen sind trotz Erwerbstätigkeit arm. Personen die vom Problem 'Armut trotz Arbeit' betroffen sind, werden auch als 'working poor' bezeichnet. Nach Angaben der International Labour Organization (ILO) lag die Zahl der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,25 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, im Jahr 2009 bei 632 Millionen. Zwischen 1999 und 2009 ist die Zahl allerdings jedes Jahr gesunken – insgesamt um 243 Millionen (27,8 Prozent). Die Zahl der arbeitenden Personen, die in extremer Armut leben, ist laut Schätzungen der ILO trotz der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 leicht zurückgegangen – Anfang 2010 ging die ILO nach ersten Schätzungen und der mittleren Entwicklungsprognose noch von einem krisenbedingten Anstieg auf 744 Millionen aus.
1,19 Milliarden arbeitende Personen lebten im Jahr 2009 in Haushalten mit einem Einkommen von unter zwei US-Dollar pro Tag und Kopf. Auch diese Zahl ist seit 1999 kontinuierlich zurückgegangen – insgesamt um 210 Millionen (15,0 Prozent). Von den drei Entwicklungsszenarien, die die ILO Anfang 2010 entworfen hatte, ist damit die günstigste Entwicklung eingetreten: 2009 waren genauso viele Personen von 'Armut trotz Arbeit' betroffen wie 2008.
In einigen Regionen – wie zum Beispiel im subsaharischen Afrika oder im Mittleren Osten – ist die absolute Zahl der 'working poor' zwischen 1999 und 2009 gestiegen. Relativ zur Bevölkerung ging der Anteil der 'working poor' jedoch auch hier zurück, da die Bevölkerungszahl in allen Regionen schneller wuchs als die Zahl der 'working poor'. Der Anteil der arbeitenden Personen, die in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,25 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, an den weltweit Beschäftigten verringerte sich kontinuierlich von 33,9 Prozent 1999 auf 20,7 Prozent im Jahr 2009. Bei einem Einkommen von unter zwei US-Dollar sank der entsprechende Wert im selben Zeitraum von 54,3 auf 39,1 Prozent. Vor allem Ostasien, insbesondere China, hat den größten Anteil an dieser Reduzierung.
Von allen Beschäftigten, deren haushaltsgewichtetes Einkommen im Jahr 2009 unter der zwei US-Dollar-Grenze lag, lebten 42,6 Prozent in Südasien sowie gut 20 Prozent im subsaharischen Afrika und rund 17 Prozent in Ostasien. Auf die Region Süd-Ostasien und Pazifik entfiel mit 12 Prozent ebenfalls ein großer Anteil. Relativ zur jeweiligen Gesamtzahl der Beschäftigten sind Südasien und das subsaharische Afrika am stärksten vom 'Armut trotz Arbeit'-Problem betroffen: Bezogen auf die zwei US-Dollar-Grenze waren 2009 jeweils rund 8 von 10 Beschäftigten trotz Arbeit arm. Auch bei der 1,25 US-Dollar-Grenze lagen die Werte im subsaharischen Afrika (58,5 Prozent) und in Südasien (43,5 Prozent) am höchsten.
Viele 'working poor' arbeiten im informellen Sektor, also in einem meist schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnis ohne regulären Vertrag, ohne soziale Sicherung und ohne ausreichende Arbeitsschutzbedingungen. Ein besonderes Problem des informellen Sektors ist die Kinderarbeit. Die ILO geht davon aus, dass im Jahr 2008 weltweit 215 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen waren, darunter 91 Millionen Kinder, die 5 bis 11 Jahre alt waren. In der Region Asien-Pazifik war die absolute Zahl arbeitender Kinder mit 114 Millionen am höchsten. Im subsaharischen Afrika war der relative Anteil der Betroffenen am größten: Ein Viertel der 5- bis 17-Jährigen war dort 2008 von Kinderarbeit betroffen (65 Millionen Menschen).
Wie der informelle Sektor ist auch das Problem 'Armut trotz Arbeit' nicht auf die ökonomisch sich entwickelnden Staaten begrenzt. In den ökonomisch entwickelten Staaten gelten die Personen als 'working poor', deren Einkommen trotz Erwerbstätigkeit unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt. So gehörten beispielsweise in den USA nach Angaben des U.S. Department of Labor bzw. des U.S. Bureau of Labor Statisitics im Jahr 2009 10,4 Millionen Erwachsene zur Gruppe der 'working poor' (2008: 8,9 Mio.). Weiter lebten im Jahr 2009 5,2 Millionen Familien unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, obwohl mindestens ein Familienmitglied mindestens die Hälfte des Jahres Arbeit hatte. Im Jahr 2008 waren in Deutschland 7 Prozent aller Erwerbstätigen trotz Arbeit armutsgefährdet. 2005 lag dieser Wert noch bei 5 Prozent (Vollzeitbeschäftigte: 4 Prozent, Teilzeitbeschäftigte: 8 Prozent).
Datenquelle
Copyright © 2011 International Labour Organization (ILO): Global Employment Trends 2011, Accelerating action against child labour; U.S. Department of Labor, U.S. Bureau of Labor Statisitics: A Profile of the Working Poor, 2009; Statistisches Bundesamt: www.destatis.de
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Grundsätzlich wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden: Verallgemeinert bezeichnet die absolute Armut einen Zustand, in dem die Grundversorgung nicht gegeben ist. Dies betrifft alle Haushalte, in denen das gewichtete Einkommen unter zwei US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf liegt. Von extremer Armut wird gesprochen, wenn das gewichtete Haushaltseinkommen weniger als 1,25 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf beträgt.
Von relativer Armut sind Personen betroffen, deren Einkommen unter der jeweiligen Armutsschwelle liegt – beispielsweise liegt diese Schwelle in Deutschland bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet. Weitergehende Informationen zur Ermittlung des verfügbaren Einkommens bzw. des sogenannten Äquivalenzeinkommens finden Sie hier.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO – International Labour Organization) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN – United Nations). Sie wurde im Jahr 1919 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Genf. Die ILO verfügt über eine dreigliedrige Struktur: Die 183 Mitgliedstaaten sind durch Repräsentanten sowohl von Regierungen als auch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Organen der ILO vertreten.
Weitere Informationen zum Thema 'Kinderarbeit' finden Sie hier.
Armut trotz Arbeit
Arbeitende Personen mit weniger als 1,25 bzw. 2 US-Dollar pro Tag, in absoluten Zahlen und in Prozent, 1999 bis 2009
| |
Arbeitende Personen in Haushalten mit einem Einkommen von unter 1,25 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf, in Mio. |
| 1999 |
2003 |
2008* |
2009* |
| Welt |
875,1 |
785,6 |
640,0 |
631,9 |
| davon: |
|
| Südasien |
285,2 |
291,7 |
284,5 |
282,0 |
| subsaharisches Afrika |
147,5 |
156,2 |
170,2 |
174,6 |
| Ostasien |
286,2 |
203,8 |
83,1 |
73,0 |
| Süd-Ostasien und Pazifik |
106,0 |
81,6 |
64,3 |
63,6 |
| Lateinamerika und Karibik |
26,3 |
28,0 |
16,6 |
17,4 |
| Zentral- und Süd-Osteuropa und GUS** |
10,6 |
9,3 |
7,0 |
7,0 |
| Nordafrika |
10,5 |
11,1 |
10,5 |
10,7 |
| Mittlerer Osten |
2,8 |
3,8 |
3,7 |
3,7 |
| |
Anteil an den Beschäftigten, in Prozent |
| 1999 |
2003 |
2008* |
2009* |
| Welt |
33,9 |
28,4 |
21,1 |
20,7 |
| davon: |
|
| Südasien |
56,6 |
52,2 |
44,9 |
43,5 |
| subsaharisches Afrika |
66,9 |
63,0 |
58,5 |
58,5 |
| Ostasien |
38,7 |
26,0 |
10,3 |
9,0 |
| Süd-Ostasien und Pazifik |
45,2 |
32,5 |
23,3 |
22,6 |
| Lateinamerika und Karibik |
13,0 |
12,8 |
6,6 |
6,9 |
| Zentral- und Süd-Osteuropa und GUS** |
7,3 |
6,2 |
4,3 |
4,3 |
| Nordafrika |
21,4 |
20,2 |
16,2 |
16,1 |
| Mittlerer Osten |
6,2 |
7,4 |
6,0 |
5,9 |
|
| |
Arbeitende Personen in Haushalten mit einem Einkommen von unter 2 US-Dollar (Kaufkraft) pro Tag und Kopf, in Mio. |
| 1999 |
2003 |
2008* |
2009* |
| Welt |
1.403,1 |
1.346,6 |
1.199,1 |
1.193,2 |
| davon: |
|
| Südasien |
434,7 |
471,3 |
504,2 |
508,5 |
| subsaharisches Afrika |
189,6 |
209,3 |
236,7 |
243,2 |
| Ostasien |
494,4 |
395,8 |
224,5 |
204,2 |
| Süd-Ostasien und Pazifik |
167,4 |
156,6 |
142,2 |
143,0 |
| Lateinamerika und Karibik |
55,3 |
56,9 |
38,5 |
40,3 |
| Zentral- und Süd-Osteuropa und GUS** |
32,1 |
23,5 |
20,9 |
21,6 |
| Nordafrika |
20,7 |
21,5 |
20,6 |
20,7 |
| Mittlerer Osten |
8,8 |
11,7 |
11,5 |
11,7 |
| |
Anteil an den Beschäftigten, in Prozent |
| 1999 |
2003 |
2008* |
2009* |
| Welt |
54,3 |
48,6 |
39,6 |
39,1 |
| davon: |
|
| Südasien |
86,3 |
84,3 |
79,5 |
78,5 |
| subsaharisches Afrika |
86,1 |
84,4 |
81,4 |
81,5 |
| Ostasien |
66,8 |
50,4 |
27,8 |
25,1 |
| Süd-Ostasien und Pazifik |
71,3 |
62,4 |
51,4 |
50,9 |
| Lateinamerika und Karibik |
27,3 |
26,0 |
15,3 |
15,9 |
| Zentral- und Süd-Osteuropa und GUS** |
22,2 |
15,7 |
12,9 |
13,5 |
| Nordafrika |
42,2 |
39,1 |
31,7 |
31,2 |
| Mittlerer Osten |
19,4 |
22,7 |
18,8 |
18,7 |
* Schätzungen ** ohne Staaten der EU Quelle: Copyright © 2011 International Labour Organization (ILO): Global Employment Trends 2011
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