Inhaltliche Daten
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Sprachförderung in Kindertagesstätte 'Drimbornstraße' in Troisdorf. Auf spielerische Art werden von den Erzieherinnen die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder auch schon in sehr frühem Alter gefördert und unterstützt. (model released) Troisdorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, 13.06.2006
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Schlagworte
Familie , Menschen , reading , Spiele , Reader , blond , Spiel , Kind , lesendes , Kita , Bildung , Bücher , Sprache , Kultur , Lesen , Pädagogik , EDU , Kleinkind , UPBRINGING , FAMILY , Buch , Kindertagesstätte , Kitas , Mädel , Kindergartenplatz , Vorschule , Kindergärten , Kinder , Förderung , Bilderbuch , Soziales , Mädchen , Spielen , GAMES , Gesellschaft , vorschulisch , Begabung , Kindergarten , Mensch , Intelligenz , Personen , vorschulische , Bilderbücher , Bildungswesen , LANGUAGE , Erziehung , lesend , Alter 2-4 , CULTURE (GENERAL) , Kindertagesstätten , Kleinkinder , Lesender , Lernen , PRESCHOOLING , Familien , Lesende , Person , frühkindliche Erziehung
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Überschrift 
Sprachförderung in de...  
Personen
 
Kontinent
-
Land
Deutschland  
Provinz
Nordrhein-Westfalen
Ort
Troisdorf
Aufnahmedatum
20060613
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Rechtliche Daten
Bildrechte
 Verwendung weltweit
Besondere Hinweise
2598 x 1738
Rechtevermerk
picture alliance / JOKER
Notiz zur Verwendung
picture alliance/JOKER
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21.5.2012 | Von:
Sabina Pauen

Wie lernen Kleinkinder? Entwicklungspsychologische Erkenntnisse und ihre Bedeutung für Politik und Gesellschaft

Einleitung

Kinder sind unsere Zukunft - so lautet eine weit verbreitete Einsicht. Was daraus folgt, bleibt zunächst unklar. Stimmt der alte Spruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr"? Und ist es wirklich wahr, dass die ersten Lebensjahre prägend sind? Wenn ja, dann müssen wir alle gemeinsam Sorge dafür tragen, dass gerade Säuglinge und Kleinkinder optimale Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung vorfinden. Worin aber würden solche Rahmenbedingungen bestehen? Welche Maßnahmen müssten wir treffen? Oder gibt es in Deutschland derzeit keinen Bedarf, etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern? Um diese Fragen qualifiziert beantworten zu können, benötigt man Wissen darüber, was Kinder mit auf die Welt bringen, welche zentralen Bedürfnisse sie haben und wie sie Erfahrungen verarbeiten. Nachfolgend werde ich auf diese Punkte eingehen und dabei Erkenntnisse von Wirtschaftswissenschaftlern, Hirnforschern und Entwicklungspsychologen einbeziehen.[1] Anschließend möchte ich einige politische und gesellschaftliche Implikationen diskutieren.

Lohnt sich die Investition in frühe Erziehung und Bildung wirtschaftlich?

Zur Klärung dieser Frage bedarf es umfangreicher Längsschnittstudien, die prüfen, wie sich verschiedene Umweltbedingungen langfristig auf den Lebensweg von Kindern unterschiedlicher Herkunft auswirken. Wegen des enormen Forschungsaufwandes, der mit solchen Vorhaben verbunden ist, gibt es bislang erst wenige Projekte entsprechender Art. Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger James Heckman hat die Ergebnisse verschiedener solcher Studien kombiniert und unter einem ganz bestimmten Blickwinkel analysiert: Konkret wurden die Kosten für Bildungsmaßnahmen in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung ins Verhältnis gesetzt zu dem Betrag, den Menschen später zum Bruttosozialprodukt der Gesellschaft geleistet haben. Basierend auf entsprechenden Daten entwickelte Heckman das sogenannte Return-of-investment-Modell, welches besagt, dass jeder Geldbetrag, den eine Gesellschaft in die Erziehung und Bildung ihres Nachwuchses steckt, umso mehr Gewinn bringt, je früher er investiert wird. Die höchste rate of return (sechs bis zehn Prozent) wurde für Maßnahmen festgestellt, die sich auf Bildung und Erziehung in der frühen Kindheit beziehen. Heckmans Analysen zeigen: Frühe Investitionen fördern den späteren Schulerfolg, reduzieren die Verbrechensrate, wirken sich positiv auf die Arbeitsproduktivität aus, verbessern den Gesundheitszustand und gehen mit verminderten Raten an Teenager-Schwangerschaften einher. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass vor allem Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen von frühen Bildungsangeboten zu profitieren scheinen. Qualifizierte Kinderbetreuung und andere Familienhilfen wirkten sich zudem positiv auf die Eltern aus, indem alleinerziehende oder minderjährige Mütter einen gesünderen und verantwortlichen Lebenswandel führten und eher einen Job fanden, wenn sie bei der Erziehung durch Fachpersonal unterstützt wurden. Ausgehend von diesen Ergebnissen lässt sich die eingangs formulierte Frage klar mit "Ja" beantworten: Investitionen in die ersten Lebensjahre lohnen sich (auch) aus wirtschaftlicher Sicht. Sie verbessern zudem die Chancengleichheit innerhalb einer Gesellschaft.

Gleichzeitig gilt es im Kopf zu behalten, dass jede Maßnahme, die darauf abzielt, den Lebensweg eines Kindes oder einer Familie zu beeinflussen, nur innerhalb bestimmter Grenzen wirksam werden kann, weil unsere genetische Ausstattung mit darüber entscheidet, wie wir uns entwickeln. So haben Längsschnittstudien gezeigt, dass sich eine Verbesserung der Intelligenzwerte selbst bei intensiver Förderung der Kinder nur in sehr begrenztem Umfang erzielen ließ. Weil es einer Gesellschaft aber nicht unbedingt um Testwerte geht, sondern vielmehr darum, dass ihre Mitglieder einen produktiven Beitrag zur Gemeinschaft leisten und dabei möglichst zufrieden sind, ändert diese Tatsache nichts an der Sinnhaftigkeit und Effektivität von Investitionen in frühe Bildung.

Fußnoten

1.
Statt ausführlicher Verweise sei stellvertretend auf zwei weiterführende Titel verwiesen: Sabina Pauen, Vom Säugling zum Kleinkind. Entwicklungstagebuch zur Beobachtung und Dokumentation der frühkindlichen Entwicklung, Heidelberg 2011; dies., Was Babys denken, München 2006.