Fisch in einem Fluss in China schwimmt gegen den Strom.

Editorial


20.6.2014
Vor 70 Jahren, am 20. Juli 1944, scheiterte der wohl aussichtsreichste Versuch von innen, Adolf Hitler zu töten. Auch wenn das Bombenattentat der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf den "Führer" fehlschlug, der Tyrannenmord und der Staatsstreich nicht gelangen – das Datum wurde zum Synonym für den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und damit zum Symbol für ein "anderes Deutschland". Der Umgang mit diesem Datum fiel beiden deutschen Gesellschaften lange Zeit nicht leicht, beweist die Tat doch: Es gab in der Diktatur und im Krieg Alternativen zum Mitmachen, Mitlaufen und Wegschauen.

Widerstand kann vielfältige Erscheinungsformen haben – und je nachdem, ob der Begriff eng oder weit gefasst wird, lassen sich auch gewaltlose Formen der Selbstbehauptung darunter fassen. Waren etwa die unzähligen überlieferten Versuche, unter unmenschlichen Bedingungen Würde und Humanität zu beweisen, nicht auch Akte des Widerstands? So gesehen, bedeutet Widerstand, sich gegenüber einer herrschenden Macht Bereiche von Autonomie und Selbstbestimmung zu bewahren, und seien sie noch so klein.

Allen Formen und historischen oder aktuellen Beispielen von widerständigem Verhalten gemeinsam ist die Voraussetzung, dass eine bestehende Ordnung als illegitim betrachtet wird. Dies lässt sich zweifellos sowohl für das "Dritte Reich" als auch für den Sowjetkommunismus in Mittelosteuropa sowie für sämtliche Kolonialregime konstatieren. Was die jeweiligen Widerstandsbewegungen in diesen Fällen erreichten, unterscheidet sich dagegen sehr: Während zahlreiche ehemalige Kolonien sich selbst befreit haben und heute unabhängig sind, ist das deutsche Erbe des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in erster Linie ein moralisches – denn die Befreiung kam schließlich von außen.