Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich am 10.09.2015 nach dem Besuch einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Berlin-Spandau für ein Selfie zusammen mit einem Flüchtling fotografieren.

1.4.2016 | Von:
Priska Daphi

Zivilgesellschaftliches Engagement für Flüchtlinge und lokale "Willkommenskultur"

Fazit

Wie dieser Beitrag gezeigt hat, trägt das zivilgesellschaftliche Engagement für Flüchtlinge, neben der Verbesserung der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen, auch zu positiven Einstellungen gegenüber Flüchtlingen vor Ort bei. Dies unterstreicht den gesamtgesellschaftlichen Effekt des Engagements in der Flüchtlingsarbeit.

Die zentrale Rolle des zivilgesellschaftlichen Engagements für die Integration von Flüchtlingen verdeutlicht auch die Notwendigkeit, Ehrenamtliche stärker zu unterstützen. Sie tragen eine hohe Verantwortung und sind derzeit sehr großen Belastungen ausgesetzt. Hier bedarf es – trotz erster Pilotprojekte[31] – mehr Unterstützung von Bund, Ländern und Kommunen. Wichtig wären (mehr) Fortbildungs- und Supervisionsangebote für Ehrenamtliche, um der fachlichen und auch psychischen Überlastung entgegenzuwirken. Auch mehr Koordinationsstellen wären hilfreich, sowohl um den Verwaltungsaufwand der Initiativen zu verringern, als auch um die Ehrenamtlichen untereinander stärker zu vernetzen.

Neben solchen direkten Angeboten für Ehrenamtliche und Initiativen trägt auch die Stärkung der etablierten Verbände dazu bei, die Engagierten zu entlasten. Diese wünschen sich vor allem in juristischen und psychologischen Fragen mehr Beratung durch Fachkräfte.[32] Bisher mangelt es an hauptamtlichen Fachkräften in Verbänden (und Behörden), die in der Lage wären, das Engagement zu koordinieren oder zu begleiten.

Zivilgesellschaftliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit braucht zudem Ressourcen wie finanzielle Mittel und Räume. Die kleineren Flüchtlingsinitiativen haben den Vorteil, dass sie viel Flexibilität und Autonomie bieten, stoßen jedoch schnell an organisatorische Grenzen; insbesondere die Mittelbeschaffung ist schwierig und kostet viel Zeit. Einige Städte haben in diesem Sinne für Flüchtlingsinitiativen Stadtteilfonds eingerichtet. Besonders Budgets, die flexibel für verschiedene Tätigkeiten eingesetzt werden können, erleichtern die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit.

Die genannten Maßnahmen sind nicht nur wichtig, um zivilgesellschaftliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit auf Dauer zu stellen und bereits Geleistetes zu bewahren und daran anzuknüpfen. Sie sind auch von zentraler Bedeutung, um der staatlichen Verantwortung für die Integration von Flüchtlingen gerecht zu werden.

Fußnoten

31.
Vgl. ebd., S. 163f.
32.
Vgl. G. Mutz et al. (Anm. 8), S. 34.
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Autor: Priska Daphi für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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