Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch.

23.12.2016 | Von:
Anne-Sophie Friedel

Editorial

Der Beginn der Reformation jährt sich zum 500. Mal: 1517 brachte der Bettelmönch Martin Luther 95 Thesen gegen den päpstlichen Ablasshandel in Umlauf. Zwar war er nicht der erste Kritiker dieser Praxis, die das Seelenheil scheinbar käuflich machte. Aber sein Protest, den er anschließend in heftigen Auseinandersetzungen mit anderen Gelehrten und der römischen Papstkirche zu einer theologischen Lehre ausformulierte, in deren Mittelpunkt der Einzelne in seinem persönlichen Verhältnis zu einem gnädigen Gott stand, wurde zum medialen Großereignis und erwies sich bald als zündender Funke für eine Entwicklung, die das Christentum spalten und die hergebrachte Ordnung in Europa erschüttern sollte.

Selten hat ein Jahrestag einen so langen Schatten vorausgeworfen. Seit Jahren ist Luther als Sachbuchthema, Spielzeugfigur oder Zierde für Merchandising-Artikel allgegenwärtig. Eine "Lutherdekade" hat sich in einzelnen Themenjahren mit hunderten Tagungen, Vorträgen und Ausstellungen dem Einfluss der Reformation auf zentrale Aspekte der "westlichen" Moderne wie Bildung, Freiheit und Toleranz gewidmet. Der Deutsche Bundestag hat das Reformationsjubiläum zum "Ereignis von Weltrang" erklärt und beachtliche Mittel bereitgestellt. 2017 wird der Reformationstag am 31. Oktober einmalig als bundesweiter Feiertag begangen.

Jenseits der Fokussierung auf die Person Martin Luther und schwer nachweisbare Langzeitwirkungen der Reformation mit Blick auf Demokratie, Kapitalismus und Menschenrechte sind im Vorfeld des Jubiläums zahlreiche beteiligte Akteure mit unterschiedlichen Interessenlagen auszumachen. Auch 2017 dürfte es auf die zentrale Frage, die (Kirchen-)Historiker und Theologen seit Langem umtreibt, mehr als eine Antwort geben: Wofür steht "die" Reformation?

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Autor: Anne-Sophie Friedel für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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