Schüsseln mit verschiedenen Salaten

Editorial


30.6.2017
Bis in die 1990er Jahre stand deutsche Integrationspolitik hauptsächlich für die Eingliederung ausländischer Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt. Heute umfasst das Politikfeld fast alle gesellschaftlichen Bereiche: etwa die Integration in das Bildungssystem, die kulturelle Integration und die soziale Integration, zum Beispiel durch Sport und Vereine. Zwar herrscht Konsens darüber, dass diejenigen, die neu ins Land kommen und dauerhaft bleiben werden, Teil der Gesellschaft werden sollen. Strittig ist aber, wie dies am besten gelingen kann.

Ab 2015 waren die meisten Zuwanderer nach Deutschland Geflüchtete. Entsprechend dominierte in jüngerer Zeit die Fluchtmigration die öffentlichen Integrationsdebatten. Doch nicht zuletzt das Ergebnis des türkischen Verfassungsreferendums 2017 – fast zwei Drittel der in Deutschland lebenden türkischen Wählerinnen und Wähler stimmten für das Präsidialsystem – rückte auch Menschen in den Fokus, die schon in zweiter oder dritter Generation hier leben.

So geht es im Bundestagswahlkampf nicht nur um technische Details, die etwa die Sprachförderung betreffen, sondern auch um grundlegende Fragen des Zusammenlebens: Welche Anstrengung kann man von Zuwanderern, welche von einer offenen Gesellschaft einfordern? Wie lässt sich die kulturelle oder religiöse Identität von Minderheiten mit dem Selbstverständnis der Mehrheitsgesellschaft vereinbaren? Und was verstehen Zugewanderte selbst unter einer geglückten Integration? Die Antworten auf diese Fragen und die geplanten Integrationsmaßnahmen betreffen die ganze Gesellschaft, nicht nur den Teil der Menschen, der vor Kurzem nach Deutschland gekommen ist.


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Lorenz Abu Ayyash für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.