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26.5.2002 | Von:
Weert Canzler
Andreas Knie

"New Mobility"? Mobilität und Verkehr als soziale Praxis

Die negativen Folgen des dramatisch gestiegenen Autoverkehrs müssen eingedämmt werden. Dafür ist eine aktive Verkehrspolitik unerlässlich, symbolisch ausgedrückt durch eine "Verkehrswende".

I. Einleitung

Verkehrsprobleme sind in aller Munde, mögliche Lösungen werden aller Orten diskutiert, es tut sich jedoch wenig. Staumeldungen und die Malaise der Bahn sind unsere tägliche Medienkost. Im Kern des Problems geht es um die Folgen des dramatischen Anwachsens des motorisierten Individualverkehrs (MIV) sowie des Straßengüterverkehrs in modernen Gesellschaften und um die Klärung der Frage, wie diese eingedämmt werden können. Glaubt man den Vertretern der Autoindustrie, dann werden sich viele Probleme des Automobilverkehrs in den nächsten Jahrzehnten von selbst erledigen. Mittelfristig sollen dank neuer Antriebe, allen voran die Brennstoffzelle, die Emissionen der klassischen Schadstoffe der Vergangenheit angehören. Damit ist aber nur eine Dimension der Negativfolgen des Automobilismus erreicht. Es bleibt wichtig, die negativen Auswirkungen des Automobilverkehrs insgesamt einzudämmen. Dazu gehört, den Raumbedarf des fließenden und stehenden Verkehrs nicht weiter steigen zu lassen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und insbesondere den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten sowie die Möglichkeiten eines Lebens ohne Auto zu erhalten bzw. nicht noch weiter zu verschlechtern. Eine aktive Verkehrspolitik, die nicht nur der Autonutzung freien Lauf lässt, ist also auch in Zukunft nötig.


Eine moderne Verkehrspolitik muss die enorme Verbreitung und die vielfältige Bedeutung des Automobils für die Alltagsorganisation und für die Lebensplanung vieler Menschen ernst nehmen. Das Auto und das Eigenheim im Grünen stehen dabei meistens in einer symbiotischen Beziehung. Eine moderne Verkehrspolitik wird aber zugleich die Grenzen des motorisierten Individualverkehrs, vor allem in der Stadt, im Auge behalten müssen und kann nicht blind auf die Technikversprechungen der Autohersteller und ihrer informationstechnischen Zulieferer vertrauen.