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"Der Bolschewik". (Als Koloss über der Stadt Moskau, im Hintergrund die Lenin-Bibliothek). Gemälde, 1920, von Boris M. Kustodijew (1878–1927).

18.8.2017 | Von:
Ekaterina Makhotina

Erinnerung an die Russische Revolution im heutigen Russland

Schluss

Alle drei Perspektiven knüpfen an aktuelle politische Kontexte an, wobei die imperial-konservative Deutung in der Öffentlichkeit am präsentesten ist. Für die russische Führung, Putin und seine Administration, ist das tragischste an der Revolution und ihren Folgen der Verlust des Imperiums. Putin bezeichnete Lenins sofortigen "Frieden ohne Annexionen und Kontributionen" als Verrat an den nationalen Interessen und dessen Beharren auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker als eine "Zeitbombe für den russischen Staat".[16] Der Bewertungsmaßstab der Russischen Revolution ist in diesem Fall die imperiale Größe Russlands.

Auch die traditionelle sowjetische Perspektive auf die Russische Revolution ist nach wie vor verbreitet. Es handelt sich dabei meist um eine wehmütige Sichtweise, die von der älteren Bevölkerung eingenommen wird und mit einer Sowjetnostalgie einhergeht.

Der Ruf der Liberalen nach der Revolution, wie er noch vor zehn Jahren erklang, ist 2017 höchstens noch in leisen Tönen zu vernehmen. Putins Beschwören der Stabilität und die wahrgenommene oder auch nur erhoffte Besserung der Lebensverhältnisse schwächten den Drang nach radikalen Veränderungen.

Zum hundertsten Jubiläum erscheint die Russische Revolution vor allem als ein geschichtspolitisches Instrument, mit dem die gegenwärtige politische Führung die Sehnsucht nach tatsächlicher Veränderung befriedigen kann.

Fußnoten

16.
Protokoll der Sitzung des interregionalen Forums vom 25.1.2016, http://kremlin.ru/events/president/news/51206«.
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Autor: Ekaterina Makhotina für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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Oktoberrevolution, Demonstration, Sevastopol, 2016, 1917
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Oktoberrevolution

2017 jährte sich die Russische Revolution zum 100. Mal. Sie hatte zwei Phasen. Der Untergang des Zarenreichs im März 1917 im Zuge der "Februarrevolution". Und sieben Monate später die "Oktoberrevolution" mit der Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki unter Lenin, die das Ende sozial-liberaler und demokratischer Strömungen besiegelte.

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