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9.6.2002 | Von:
Frank Bösch

Bereit für den Wechsel? Die strategische und inhaltliche Positionierung von CDU/CSU und FDP vor der Bundestagswahl 2002

VIII. Fazit

Der vergleichende Blick auf CDU/CSU und FDP zeigte, welche unterschiedlichen Akzente die Parteien im Vorfeld der Wahl setzten. Die Liberalen wiesen vor allem bei ihrer medialen Darstellung ein hohes Innovationspotenzial auf. Sie griffen Elemente des amerikanischen Wahlkampfes auf, fügten aber zugleich eigenständige Ansätze hinzu. Die CDU/CSU experimentierte dagegen einige Zeit mit neuen Medienauftritten, ließ diese dann aber zugunsten einer eher traditionellen Kampagne fallen. Schließlich setzte sie auf eine "Inszenierung der Nicht-Inszenierung" ihres Kandidaten.

Inhaltlich profilieren sich beide Parteien vor allem in der Wirtschaftspolitik, allerdings mit ähnlichen Ansätzen. In anderen Politikfeldern lassen sich dagegen deutliche Differenzen ausmachen, weshalb man nicht vorschnell von einer Ununterscheidbarkeit der Parteien sprechen sollte. Union und FDP suchten eine polarisierende Abgrenzung von Rot-Grün, die zugleich eine inhaltliche Annäherung nicht immer ausschloss. Das recht konkrete Programm der FDP unterscheidet sich dabei in zahlreichen Punkten von der Union und ist somit tatsächlich keine "Taschenbuchausgabe" der CDU/CSU.

Die CDU/CSU befindet sich programmatisch in einer Übergangsphase. Die Union liberalisierte ihre Standpunkte in verschiedenen Bereichen, hielt im Wahlprogramm dann jedoch stärker an ihren traditionellen Grundlinien fest. Klare Konzepte legte sie vor allem in der Wirtschafts- und Familienpolitik vor. Die Koordinierungsschwierigkeiten bleiben unverkennbar. Die CDU/CSU ist eben weiterhin keine Programmpartei. Ihr Wahlkampf dürfte damit weniger auf papierenen Entwürfen als auf den bayrischen Wirtschaftsdaten ruhen.