30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Die durch den China-Afrika-Entwicklungsfonds finanzierte Wanbao-Reisplantage in Mosambik

19.10.2018 | Von:
Farai Mutondoro

Zwischen Afro-Optimismus und Afro-Pessimismus. Aussichten der afrikanischen Wirtschaft

Ausblick

Die afrikanische Wirtschaft als Ganzes ist in makroökonomischer Hinsicht seit 2000 gewachsen. Dieses Wachstum wurde durch den Anstieg der Rohstoffpreise ermöglicht, vor allem des Ölpreises, der von weniger als 20 US-Dollar pro Barrel 1999 auf mehr als 145 US-Dollar 2008 stieg.[11] Der Anteil der Rohstoffe bei den Exporten der Subsahara-Staaten stieg von 57 Prozent in den Jahren 1990 bis 1999 auf 76 Prozent in den Jahren 2010 bis 2014.[12] Allerdings erklärt der Rohstoffboom das Wachstum nur zum Teil. Natürliche Ressourcen trugen zwischen 2000 und 2008 nur zu 24 Prozent zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei,[13] von daher leisteten andere wichtige Wirtschaftsbereiche wie Groß- und Einzelhandel, Verkehrswesen, Telekommunikation und Produktion ebenfalls wesentliche Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung. Tatsächlich verzeichneten Länder wie Ruanda und Äthiopien, die nicht so stark von Rohstoffexporten abhängig sind, im vergangenen Jahrzehnt höhere Wachstumsraten als Länder, bei denen Rohstoffexporte eine größere Rolle spielen. Zwischen 2008 und 2011, also während einer Phase großer weltwirtschaftlicher Unsicherheit, wuchs die afrikanische Gesamtwirtschaft um mehr als vier Prozent.[14]

Der Abschwung folgte 2015/16 mit dem Einbruch des Ölpreises: Von 100 US-Dollar pro Barrel 2013 sank er bis Februar 2016 auf 26 US-Dollar, ehe er sich bis Oktober bei etwa 50 US-Dollar einpendelte.[15] Der Preisverfall traf Afrika besonders, weil einige der führenden afrikanischen Volkswirtschaften, etwa Angola und Nigeria, eine dramatische Abhängigkeit von der Ölproduktion aufweisen. In Angola, Gabun und der Republik Kongo sind 40 bis 50 Prozent des BIP auf die Ölexporte zurückzuführen, im Falle von Äquatorialguinea sind es sogar 80 Prozent.[16] Entsprechend machen in Angola, der Republik Kongo und Äquatorialguinea die Erlöse aus dem Ölverkauf 75 Prozent der Staatseinnahmen aus.[17]

Auch der Verfall der Mineralien- und Metallpreise und die Eintrübung der chinesischen Wirtschaft 2015/16 hatten negative Auswirkungen auf die afrikanische Wirtschaft. Während die Preise für die wichtigen Exportgüter Kupfer und Eisenerz um etwa 25 beziehungsweise 40 Prozent einbrachen,[18] gingen infolge der nachlassenden chinesischen Nachfrage nach Primärgütern 2015 auch die afrikanischen Exporte nach China um beinahe 40 Prozent zurück.[19] Entsprechend erreichte das afrikanische Wirtschaftswachstum mit 1,5 Prozent 2016 einen Tiefpunkt – den tiefsten seit mehr als zwei Jahrzehnten.[20]

Seit 2016 hat sich die afrikanische Wirtschaft jedoch wieder etwas erholt: Der Afrikanischen Entwicklungsbank zufolge betrug das reale Wachstum 2017 3,6 Prozent, für 2018 und 2019 wird ein Wachstum von 4,1 Prozent erwartet.[21] In ihrem jüngsten "African Economic Outlook" hebt die Entwicklungsbank mit Blick auf das Wirtschaftswachstum die folgenden regionalen Unterschiede hervor:

"Ostafrika bleibt mit einem geschätzten Wachstum von 5,6 Prozent 2017 nach 4,9 Prozent 2016 die am schnellsten wachsende Region in Afrika. Das Wachstum dürfte rege bleiben und 2018 5,9 Prozent und 2019 6,1 Prozent erreichen. In der Region ist starkes Wachstum weitverbreitet und liegt in vielen Ländern (Dschibuti, Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda) bei 5 Prozent oder mehr. (…)

Nordafrika verzeichnete 2017 mit 5 Prozent die zweithöchste Wachstumsrate in Afrika, nach 3,3 Prozent 2016. Das Wachstum der Region wird sich 2018 voraussichtlich auf 5,1 Prozent beschleunigen, um 2019 auf 4,5 Prozent zurückzugehen. (…)

Südliches Afrika. Das Wachstum im südlichen Afrika verdoppelte sich 2017 fast, auf 1,6 Prozent von 0,9 Prozent 2016. Die Verbesserung spiegelt die bessere Performance der drei wichtigsten Rohstoffexporteure wider: Südafrika, das sein (mit 0,9 Prozent immer noch geringes) Wachstum verdoppelte, Angola, wo sich die Wirtschaftsleistung auf 2,1 Prozent erhöhte, und Sambia, dessen Wachstum 4,1 Prozent betrug. (…)

Westafrika. Begünstigt durch erhöhte Ölförderung und Produktionswachstum in der Landwirtschaft dürfte Nigeria seine 2017 erzielten Zuwächse konsolidieren. Es wird daher mit einer Beschleunigung des Wachstums in Westafrika auf 3,6 Prozent 2018 und 3,8 Prozent 2019 gerechnet. Andere große Länder, die zu diesem Wachstum beitragen, sind Côte d’Ivoire, Ghana und Senegal; bei kleineren Ländern (Benin, Burkina Faso, Sierra Leone und Togo) ist mit einem Wachstum von 5 Prozent oder mehr zu rechnen.

Zentralafrika. Trotz der Erholung der Ölpreise blieb die Region Zentralafrika weiter hinter den Erwartungen zurück. In der Republik Kongo (–4 Prozent) und Äquatorialguinea (–7,3 Prozent) schrumpfte die Wirtschaftsleistung deutlich, wodurch das Gesamtwachstum der Region 2017 auf 0,9 Prozent fiel. Eine moderate Erholung in der Republik Kongo wird das Wachstum in der Region fördern, das 2018 um 2,6 Prozent und 2019 um voraussichtlich 3,4 Prozent zulegen wird."[22]

Während ich diesen Text schreibe, herrscht also durchaus wieder verstärkte Euphorie in Bezug auf die verheißungsvolle Zukunft der afrikanischen Volkswirtschaften vor. So argumentiert auch Brahima Coulibaly, dass die Hälfte der Volkswirtschaften in Subsahara-Afrika im Verlauf der nächsten fünf Jahre mit einer Wachstumsrate zulegen werden, die ähnlich oder höher ist als jene, die in der Hochphase des Africa-Rising-Hypes vorherrschte.

Coulibaly zufolge wird sich zudem etwa die Hälfte der weltweit am schnellsten wachsenden Ökonomien nach wie vor auf dem afrikanischen Kontinent befinden, wobei mehr als zwanzig Volkswirtschaften im Verlauf der kommenden fünf Jahre mit einer durchschnittlichen Rate von fünf Prozent oder mehr wachsen werden – und somit schneller als die Weltwirtschaft insgesamt, für die eine Rate von 3,7 Prozent prognostiziert wird. Ghana, Äthiopien, Côte d’Ivoire, Senegal, Ruanda, Tansania, Burkina Faso, Sierra Leone, Benin und Guinea sollen demnach die Top-Ten-Performer des Jahres 2018 werden.[23] Aus makroökonomischer Perspektive scheint die Zukunft somit glänzend zu sein. Doch ein Blick auf die sozialen und menschlichen Entwicklungsfaktoren sowie auf die Entwicklung der Regierungsführung lässt etwas anderes vermuten.

Fußnoten

11.
Vgl. Acha Leke et al., What’s Driving Africa’s Growth, McKinsey, Juni 2010, http://www.mckinsey.com/featured-insights/middle-east-and-africa/whats-driving-africas-growth«.
12.
Vgl. Benedicte Vibe Christensen, Challenges of Low Commodity Prices for Africa, Bank of International Settlements, BIS-Papers 87/2016.
13.
Vgl. Leke et al. (Anm. 11).
14.
Vgl. African Development Bank, African Development Report 2012, Tunis 2012, S. 6–19.
15.
Vgl. Kingsley Ighobor, Commodity Prices Crash Hits Africa, in: Africa Renewal 3/2016, S. 30f.
16.
Vgl. Amadou Sy, Falling Oil Prices and the Consequences for Sub-Saharan Africa, 23.12.2014, http://brook.gs/2bPK8vo«.
17.
Vgl. Christensen (Anm. 12).
18.
Vgl. The World Bank, Africa’s Pulse, Vol. 12, Oktober 2016, S. 6, http://hdl.handle.net/10986/22722«.
19.
Vgl. Amy Copley, External Risks to Africa’s Growth: Falling Commodity Prices, China’s Economic Slowdown, and Rising External Debt, 27.5.2016, http://brook.gs/2bJL9VT«; Africa-China Exports Fall by 40% After China Slowdown, 13.1.2016, http://www.bbc.com/news/world-africa-35303981«.
20.
Vgl. The World Bank, Africa’s Pulse, Vol. 17, April 2016, S. 1, http://hdl.handle.net/10986/29667«.
21.
Vgl. African Development Bank, African Economic Outlook, Abidjan 2018, S. 4.
22.
Ebd., S. 8–11.
23.
Vgl. Brahima S. Coulibaly, The Imperative of Domestic Resource Mobilization, in: The Brookings Institution, Foresight Africa, 11.1.2018, http://brook.gs/2FjTBcQ«, S. 26–36.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Farai Mutondoro für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.