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6.5.2003 | Von:

Verlust von Humankapital in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit

V. Zusammenfassender Untersuchungsschritt

Mit den vorstehend umrissenen Prüfschritten konnten bedeutsame und - mit Ausnahme der Abiturientenquote - auch rechnerisch gewichtige Zusammenhänge der "unabhängigen" Prüfmerkmale mit dem regionalen Intelligenzniveau RDI aufgezeigt werden. Diese Prüfmerkmale sind jedoch nicht unabhängig voneinander. Arbeitslosigkeit z.B. korreliert hoch mit Wirtschaftskraft (r =-.49), Wirtschaftskraft mit Urbanität (r =.52) usw.

In einem weiteren - entscheidenden - Analyseschritt haben wir daher auf der Basis eines Pfadmodells die spezifischen, im Verbund wirksamen Gewichte der fünf "unabhängigen" Prüfmerkmale für die Erklärung der beobachteten Unterschiede bei der "abhängigen" Variablen, dem regionalen Intelligenzniveau (RDI), berechnet.

Grundlage für die Anordnung der Prüfmerkmale in einer Pfadanalyse ist die Bewertung der wechselseitigen Abhängigkeiten der Analysemerkmale. In der vorliegenden Untersuchung war insbesondere die Feststellung entscheidend, dass Wirtschaftskraft und Urbanität nur langfristig und vermutlich auch nur mittelbar auf das regionale Intelligenzniveau (RDI) wirken. Wir haben sie daher als so genannte "exogene" Variablen an den Rand bzw. die Basis des Strukturmodells platziert und somit auch die Prüfmerkmale Arbeitslosenquote, Binnenwanderung und Abiturientenquote in Abhängigkeit von diesen beiden Basisvariablen betrachtet (vgl Abbildung 2).

Die in Abbildung 2 eingezeichneten Pfeile ("Pfade") geben Stärke und Richtung unmittelbarer Einflüsse der "vorgeschalteten" Prüfmerkmale auf die jeweils abhängigen Merkmale an. Im Ergebnis erlauben die rechnerisch ausgewiesenen Abhängigkeiten folgende Feststellungen:

- Das regionale Intelligenz-Niveau hängt in unerwartet hohem Ausmaß von der jeweiligen Arbeitslosenquote ab.

- Abwanderung aus einer Region - wesentlich bedingt durch Arbeitslosigkeit - verstärkt die Tendenz zu einem unterdurchschnittlichen Intelligenzniveau.

- Wirtschaftskraft und Urbanität bedingen nur mittelbar (über die Arbeitslosenquote und die Binnenwanderung) die Unterschiede im Intelligenzniveau.

- Mit höherer Wirtschaftskraft und Urbanität steigt auch die regionale Abiturientenquote. Diese zeigt jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf das durchschnittliche Intelligenzniveau.

- Die in das Pfadmodell einbezogenen Prüfmerkmale erklären insgesamt 41 Prozent der RDI-Varianz.