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6.5.2003

"Globalisierung der Weltwirtschaft - Herausforderungen und Antworten"

Eine Dokumentation in Auszügen aus dem Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages

VI. Geschlechtergerechtigkeit

Geschlechtergerechtigkeit ist ein Querschnittsthema und gehört in alle Fachkapitel. So werden beispielsweise im Kapitel "Finanzmärkte" so genannte Gender Budgets diskutiert, welche die Auswirkungen des Staatshaushaltes auf verschiedene Gruppen von Frauen und Männern analysieren; im Kapitel "Arbeitsmärkte" wird gezeigt, dass eine positive Korrelation zwischen Wachstum, Geschlechtergerechtigkeit und hohem Beschäftigungsstand möglich ist, diese Entwicklung jedoch ohne politische Steuerungen, ohne Gleichstellungsgesetze und ein bestimmtes Maß an Frauenfördermaßnahmen nicht zu erwarten ist (). Die Wechselwirkungen von Globalisierung und Geschlechterverhältnissen sind komplex, können jedoch auf drei zentrale Mechanismen reduziert werden:

- Erstens wirkt Globalisierung zum Teil sehr ungleich auf die konkreten Lebens- und Arbeitsverhältnisse von Frauen und Männern, wodurch insbesondere viele arme Frauen in Entwicklungsländern sowohl kurz- als auch langfristig eher zu den Verliererinnen der Globalisierung gehören.

- Zweitens basiert die Globalisierung teilweise auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, die den Auswirkungen von Globalisierung gleichsam vorausgehen. Dies betrifft insbesondere den weiterhin eingeschränkten Zugang von Frauen zu Kompetenzen und Qualifikation, zur Erwerbstätigkeit, zu ökonomischen Ressourcen wie Grund- und Kapitalbesitz sowie zu Entscheidungspositionen. Selbst vor dem Gesetz sind Frauen vielfach nicht gleichberechtigt.

- Drittens verändert Globalisierung aber auch bestehende Geschlechterarrangements. Einige spezifische Gefährdungen und Benachteiligungen von Frauen nehmen zu. So zeigen Studien, dass Frauen überproportional von der asiatischen Finanzkrise und der darauf folgenden gesellschaftlichen Krise betroffen waren. Eine weitere frauenspezifische Gefährdung ist der Menschenschmuggel, der von den Vereinten Nationen als das "am schnellsten wachsende kriminelle Geschäft der Welt" bezeichnet wird. Besonders Frauen und Kinder bilden eine neue globale "Dienstleistungsklasse". Menschenschmuggel steht dabei primär mit dem Sexmarkt, dem Arbeitsmarkt und der illegalen Migration in Zusammenhang.