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29.10.2004 | Von:
Stephan Bierling

Die US-Wirtschaft unter George W. Bush

Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten vier Jahren zwiespältig entwickelt. Zwar zeigen die Wachstumsraten nach oben, aber das Plus im Staatshaushalt hat sich in ein hohes Defizit verwandelt.

Einleitung

Als sich Al Gore und George W. Bush im Jahr 2000 um die Präsidentschaft bewarben, befand sich die amerikanische Wirtschaft auf den ersten Blick in einem glänzenden Zustand: Zehn Jahre ununterbrochenes Wachstum, das längste in der US-Geschichte, hatte zu Vollbeschäftigung und einem Anstieg der Einkommen aller Bevölkerungsschichten geführt. Hohe Haushaltsüberschüsse und niedrige Inflation komplettierten das Bild. Zwar kühlte sich das rapide Stellenwachstum etwas ab, und die New Economy wankte, aber dies glich allenfalls einem Wolkenstreifen am Horizont.






Da die wirtschaftliche Entwicklung in der Regel die wichtigste Variable für die Wahlentscheidung der Bürger ist, prognostizierten im Sommer 2000 fast alle Analysten einen Sieg von Vizepräsident Gore. Dass er trotz positiver Voraussetzungen verlor, lag an zwei Faktoren: Erstens distanzierte sich Gore nicht nur von Clintons moralisch zwiespältigem Vermächtnis, sondern auch von seinen ökonomischen Erfolgen. Zweitens hatten sich die Wähler so sehr an die Prosperität der neunziger Jahre gewöhnt, dass sie glaubten, Gore sei kein besserer Garant für ihre Fortsetzung als sein Gegenkandidat. Wirtschaftliche Themen spielten deshalb eine untergeordnete Rolle im Wahlkampf. Wenn sie angesprochen wurden, dann meist in der Form der Frage, wie die projizierten gigantischen Haushaltsüberschüsse am besten zu verteilen seien.

Vier Jahre später wird sich das Schicksal von Präsident Bush dagegen neben der Lage im Irak vor allem am Zustand der Wirtschaft entscheiden. Die Bilanz fällt gemischt aus. Zwar zeigen die Wachstumsraten wieder nach oben, die Inflation und die Zinsen sind niedrig, aber das Plus im Staatshaushalt hat sich in ein hohes Defizit verwandelt, und die amerikanische Jobmaschine ist ins Stottern geraten. Dieser Artikel untersucht vor dem Hintergrund der makroökonomischen Daten, welchen Beitrag Bush durch seine Binnen- und Außenwirtschaftspolitik zu diesen Entwicklungen geleistet hat.