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29.9.2004 | Von:
Ulrich Arnswald

Zum Stellenwert der DDR-Geschichte in schulischen Lehrplänen

Bei allen Unterschieden der Lehrpläne einzelner Bundesländer wird deutlich: Das Gesellschafts- und Machtsystem der DDR oder die Entwicklung von Widerstand und Opposition werden unsystematisch und nur unzureichend dargestellt.

Einleitung

Die heutige Schülergeneration hat im fünfzehnten Jahr nach der friedlichen Revolution in der DDR keine eigene Erinnerung mehr an diesen Teil der deutschen Geschichte. Was sollen die Schülerinnen und Schüler in unserem Land heute über die SED-Diktatur wissen? Welchen Beitrag kann der Schulunterricht leisten? Erwerben die Schülerinnen und Schüler hinreichende Fähigkeiten, um Lehren für die Gegenwart zu ziehen? Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, wurde eine Lehrplananalyse vorgenommen, welche die gegenwärtig gültigen Lehrpläne der allgemein bildenden Schulen in Deutschland auf denStellenwert des Themas SBZ/DDR hin untersuchte.[1]




Anstöße für eine solche Analyse ergaben sich nicht zuletzt durch kritische Äußerungen aus der Politik, der politischen Bildung sowie aus allgemeinen Vermutungen zum wenig befriedigenden Wissensstand der Schülerinnen und Schüler über den zweiten deutschen Staat. Vorausgegangene wissenschaftliche Untersuchungen konnten diesen Gegenstandsbereich bislang nicht in dieser Breite und Tiefe abbilden.[2]

Eine Analyse der gegenwärtigen Lehrpläne musste die nach Bundesländern und auch die nach Unterrichtsfächern bestehenden Unterschiede berücksichtigen und in Kauf nehmen. Die Ausführlichkeit der Pläne reicht von allgemeinen Hinweisen der Rahmenpläne bis zu detaillierten Darstellungen der Fachlehrpläne auf unterschiedlichen Ebenen. In die Untersuchung wurden 107 gültige Lehrpläne, die einen direkten Bezug zur DDR-Geschichte aufweisen, einbezogen. Das betraf die Lehrpläne für die Fächer Geschichte (Anteil 55 Prozent), Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Politik und verwandte Fächer (33 Prozent) sowie Deutsch und Religion. Um Vergleichbarkeit herzustellen, ging die Lehrplananalyse von der Betrachtung von fünf Geschichtsfeldern aus. Dieser Schwerpunktsetzung folgen die weiteren Darlegungen.[3]


Fußnoten

1.
Dieser Text beruht auf der Studie Zum Stellenwert des Themas DDR-Geschichte in den Lehrplänen der deutschen Bundesländer. Eine Expertise im Auftrag der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin 2004, 61 Seiten.
2.
Vgl. Günter Buchstab (Hrsg.), Geschichte der DDR und deutsche Einheit. Analyse von Lehrplänen und Unterrichtswerken für Geschichte und Sozialkunde, Schwalbach/Ts. 1999, darin insbes. J.-D. Gauger/U. Margedant, Die Inhalte der Lehrpläne: DDR - deutsche Frage - Einheit, S. 45 - 66, sowie Bodo v. Borries, Geschichtliches Bewusstsein und politische Orientierung von Jugendlichen in Ost- und Westdeutschland, in: Neue Sammlung, 34 (1994) 3, S. 363 - 382.
3.
Im Folgenden werden in den Fußnoten folgende Abkürzungen benutzt: LPE - Lehrplaneinheit; LP - Lehrplan; RPL - Rahmenplan, IGS - Integrierte Gesamtschule; Jgst. - Jahrgangsstufe(n); Gymn. - Gymnasium; RS - Realschule; HS - Hauptschule. Für die Bezeichnungen der Bundesländer werden die offiziellen Abkürzungen verwandt.