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24.6.2004 | Von:
Ulrich Pfeil

"Nicht alle Deutschen haben ein Herz aus Stein"

Das Bild des deutschen Widerstands in Frankreich nach 1945

Fazit

Dem Kampf gegen die Besatzer kam in der französischen Nachkriegsgesellschaft eine enorme politische und symbolische Bedeutung zu; er ließ die Résistance zu einem positiven Anknüpfungspunkt nationaler Identität werden. Die Durchsetzung einer neuen nationalen "Meistererzählung" mit ihren Mythen und Legenden brauchte Abgrenzung und leistete Vorschub für die Kollektivschuldthese und eine antideutsche Grundstimmung.

Dass in den transnationalen Kommunikationskanälen lange Zeit nur wenig Platz für eine angemessene Würdigung des deutschen Widerstandes zur Verfügung stand, lag nicht zuletzt auch an den Ungleichzeitigkeiten im Umgang mit den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Während der nationalkonservative Widerstand bzw. der 20. Juli 1944 in der Bundesrepublik als Ausdruck antitotalitären Handelns überhöht wurde, dominierte im französischen Intellektuellenmilieu eine antifaschistische Grundhaltung, die sich erst nach dem von Alexander Solschenizyn 1974 ausgelösten "Gulag-Schock" in einen antitotalitären Grundkonsens weiterentwickelte.

Diese diskursiven und intellektuellen Inkompatibilitäten versuchten Adenauer und de Gaulle seit Anfang der sechziger Jahre zu überwinden, indem sie weiterhin existierende Tabuthemen hinter einem "versöhnenden" Schlussstrichdiskurs überspielten. Die Grundlage für eine transnationale Interaktion in der Widerstandsforschung förderten sie mit dieser geschichtspolitisch motivierten Entscheidung jedoch nicht, so dass es erst eines Generationswechsels und einer damit einhergehenden Entmythologisierung bedurfte, um die Historisierung des Widerstands in den neunziger Jahren gemeinsam anzugehen.