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Editorial


4.5.2004
In Israel und Palästina bestimmen Gewalt und Gegengewalt das Leben der Menschen. Eine der Ursachen dieser dauerhaften Konfrontation liegt in der israelischen Besetzung palästinensischen Landes, eine weitere sind die Terroranschläge militanter palästinensischer Gruppen, auf die das israelische Militär mit aller Härte antwortet. Trotz zahlreicher Friedenspläne scheint dieser älteste Regionalkonflikt von einer Lösung meilenweit entfernt.

In Israel und Palästina bestimmen Gewalt und Gegengewalt das Leben der Menschen. Eine der Ursachen dieser dauerhaften Konfrontation liegt in der israelischen Besetzung palästinensischen Landes, eine weitere sind die Terroranschläge militanter palästinensischer Gruppen, auf die das israelische Militär mit aller Härte antwortet. Die traurige Bilanz seit Ausbruch der Al-Aqsa-Intifada vom September 2000 sind 2921 tote Palästinenser und 963 tote Israelis. Die israelische Regierung macht Palästinenserpräsident Yassir Arafat für die Terroranschläge verantwortlich. Ministerpräsident Ariel Sharon hat kürzlich in einem Fernsehinterview erklärt, dass er sich nicht mehr an die US-Präsident George W. Bush gegebene Zusage gebunden fühle, die Unversehrtheit Arafats zu garantieren. Dessen Deportation in den Gaza-Streifen oder sogar die Tötung des PLO-Chefs werden seitens der Regierung als mögliche Optionen genannt. Diese Politik der "gezielten Tötungen" wie zuletzt von Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin und seinem Nachfolger Abdel Asis Rantisi ist im Westen auf Kritik gestoßen. Trotz zahlreicher Friedenspläne scheint dieser älteste Regionalkonflikt in den internationalen Beziehungen von einer dauerhaften Lösung meilenweit entfernt zu sein.

Einen historisch-deskriptiven Überblick zum Nahostkonflikt gibt Elmar Krautkrämer. Er schildert die Ereignisse bis zur Staatsgründung Israels im Mai 1948, die Kriege, die das Land führen musste, und die Suche nach Frieden. So werden die zentralen Punkte der verschiedenen Initiativen und Abkommen wie die Oslo-Verträge, die Camp-David-Verhandlungen, die Road Map und die "Genfer Initiative" beschrieben. Für Yoav Gelber ist der arabisch-jüdische Konflikt einzigartig und beispiellos. Zentrale Ursache sei die arabische Weigerung, Israels Existenzrecht anzuerkennen und sich mit dem Land auszusöhnen. Der Autor weist die These zurück, dass Zionismus Kolonialismus sei. Der Erfolg des Zionismus sei zwar spektakulär gewesen, aber unvollständig geblieben. Israel kämpfe immer noch ums Überleben. Ein Modell, wie sich das Überleben dauerhaft sichern und der Konflikt lösen ließe, stellt Moty Cristal vor. Er benennt die Einflussfaktoren im israelisch-palästinensischen System und diskutiert verschiedene Entwicklungsrichtungen wie Konflikt-Lösung und Konflikt-Management. Bei beiden Optionen spielen die Faktoren Macht und Vertrauen eine bedeutende Rolle. Wie wichtig die öffentliche Meinung in Israel für eine mögliche Richtungsänderung in den bilateralen Beziehungen ist, macht David Witzthum anhand von Umfragen deutlich. Der Autor teilt nicht die Ansicht, dass die Kontrahenten des Kampfes müde seien. Einige Studien zeigten, dass Solidarität und Entschlossenheit im Kampf zu einer nicht unbedeutenden öffentlichen, psychologischen Kraft in Israel geworden seien.

Von palästinensischer Seite wird der Konflikt naturgemäß anders gesehen als von israelischer Warte. Hisham H. Ahmed beschreibt die Eskalation des Konfliktes in den vergangenen Jahren und unterzieht die "Genfer Initiative" einer kritischen Würdigung. Sie habe den Palästinensern geschadet und ihre Opposition geschwächt, indem sie den Zwiespalt innerhalb der Gesellschaft verstärkt habe. Überraschend ist, dass auch die drei israelischen Autoren diesem Dokument ablehnend gegenüberstehen. Es scheint, als sei diese Initiative nur in Europa - und hier besonders in Deutschland - begeistert aufgenommen worden. Wie sich die Nahostpolitik der Europäischen Union in der Region auswirkt und ob das Gewicht der EU seit den neunziger Jahren zugenommen hat, diskutiert der Beitrag von Isabel Schäfer.