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11.3.2004 | Von:
Werner A. Meier

Gesellschaftliche Folgen der Medienkonzentration

Media Governance

In Anbetracht der wenig erfolgreichen staatlichen Regulierung sieht das so genannte "Media Governance-Konzept" eine umfassende Rechenschaftspflicht der Medien gegenüber der Gesellschaft vor. Es beinhaltet die Auseinandersetzung mit unternehmerischen und journalistischen Risiken, die zwangsläufig durch Medienmacht entstehen.[7] Mittels neuer Leitbilder, gesellschaftlicher Umweltbilanzen oder medienethischer Kodizes sollen führende Medienkonzerne ihr unternehmerisches und publizistisches Handeln transparent machen und belegen, dass sie ihrer gewachsenen demokratiepolitischen Verantwortung nachkommen (regulierte Selbstevaluierung). Zugleich werden sie dazu angehalten, mögliche demokratieunverträgliche Folgen unternehmerischer Strategien und Handlungsanweisungen in öffentlichen Hearings zu rechtfertigen. Sollten sie professionelle und redaktionelle Vorschriften missachtet haben, muss eine Produkthaftung von allen Anspruchsgruppen einklagbar sein. Die flächendeckende Implementierung eines solchen "Media Governance-Konzepts" würde Eigentümer, Management und Medienschaffende dazu zwingen, sich regelmäßig mit unternehmerischen und journalistischen Risiken auseinander zu setzen. Durch die jährliche Erstellung eines "Media Governance-Berichts" würde der demokratiepolitisch wichtige gesellschaftliche Selbstverständigungsprozess ständig in Gang gehalten. Eine Konzentrationskontrolle im Sinne von "Media Governance" könnte helfen, die Ausbreitung vorherrschender Meinungsmacht von einem oder mehreren Medienunternehmen zu erschweren. Ob die Medienbranche und die Medienpolitik zu einem solchen Schritt bereit sind, ist derzeit allerdings mehr als fraglich.


Fußnoten

7.
Vgl. Josef Trappel/Werner A. Meier/Klaus Schrape/Michaela Wölk (Hrsg.), Die gesellschaftlichen Folgen der Medienkonzentration. Veränderungen in den demokratischen und kulturellen Grundlagen der Gesellschaft, Opladen 2002.