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Ein halbes Jahrhundert staatliche politische Bildung in Deutschland


4.2.2004
Es war ein weiser Beschluss, nach dem Zweiten Weltkrieg Zentralen für politische Bildung einzurichten. Politische Bildung ist kein Luxusgut, auf das man in Sparzeiten verzichten kann.

Einleitung



Die Zentralen für politische Bildung sind in die Jahre gekommen und tun gut daran, ihre Arbeit zu bilanzieren. Es war ein überragender und weiser Beschluss, diese nach dem unseligen Zweiten Weltkrieg einzurichten. Die Entwicklungen im Bund und in den Ländern liefen - auch in chronologischer Sicht - nicht ganz parallel, aber im Lauf der Jahre entstanden in allen Bundesländern Landeszentralen für politische Bildung. Zum Glück gibt es sie auch in den neuen Bundesländern.




Doch die aktuelle Momentaufnahme macht Sorgen. In einigen Ländern ist das Firmenschild "Landeszentrale für politische Bildung" kaum mehr berechtigt, wenn man die Infrastruktur der Einrichtung genauer unter die Lupe nimmt. Sicher, wer die großen Finanznöte im Bund, in allen Ländern und auch in den Kommunen nicht sieht, gehört zu den Träumern, die auch in der politischen Bildung eher Schaden anrichten. Jeder, der sparen muss - das gilt auch für den privaten Bereich -, trennt sich von dem, was am ehesten entbehrlich ist. Wenn ich im Jahr nicht drei oder vier, sondern nur zwei Urlaubsreisen machen kann, geht davon die Welt nicht unter.

Doch wird die Sache schwierig, wenn es um existenzielle Fragen geht. Ich behaupte mit fester Überzeugung: Politische Bildung ist kein Luxusgut, auf das man in Sparzeiten verzichten kann. Ohne politische Bildung fehlt unserer Demokratie der Sauerstoff zum Atmen. Das Verhängnisvolle in diesem Zusammenhang ist, dass Demokratien selten mit lautem Knall ihren Geist aufgeben. Es handelt sich in der Regel um einen schleichenden, tückischen Prozess, der erst bemerkt wird, wenn es zu spät ist.