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Medienmacht und Medienmissbrauch


12.12.2005
Heftige Vorwürfe wie Medienkampagnen, Wahlmanipulation und Medienmacht wurden nach der Bundestagswahl erhoben. Der kritische Journalist wird zunehmend nicht mehr in seiner Wächterfunktion, sondern als Hindernis gesehen.

Einleitung



"Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten." Dieser Satz von Hanns Joachim Friedrichs soll die Ausgangsbasis der Betrachtungen zurzurückliegenden Wahlberichterstattung sein; einer Berichterstattung, die wie noch nie zuvor in die Kritik der Politik geriet, allerdings nur in Einzelfällen begründet ist.

Politiker beschweren sich, wenn ihre Interviews nicht gedruckt werden, und sie beschweren sich auch, wenn kritische Kommentare erscheinen. Einerseits benötigen Politiker die Medien, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, andererseits reagieren sie ungehalten, wenn Journalisten ihren verfassungsgemäßen Auftrag erfüllen. Politiker, die erkannt haben, dass ohne eine positive Berichterstattung Wahlen nicht gewonnen werden können und ihr Bedürfnis nach Außendarstellung nicht erfüllt wird, nutzen mittlerweile alle Spielarten der PR, um durch die Medien in die Öffentlichkeit zu gelangen.

Zunehmend scheinen Politiker nicht mehr in der Lage zu sein, sich verständlich mit der Öffentlichkeit auseinander zu setzen. Dazu kommt die immer stärkere Abgrenzung gegenüber kritischen Berichten. Auch wenn es hypothetisch klingt: Es muss befürchtet werden, dass die Politik zunehmend versuchen wird, die Arbeit der Medien durch gesetzliche Maßnahmen einzuengen, um sie so gefügiger zu machen. Die aktuellen Fälle von Redaktionsdurchsuchungen bei "Cicero", die Sicherung von Verbindungsdaten wie im Fall der "Dresdner Morgenpost" oder die Beschattung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst stehen für diese Befürchtung. Über 150 derartige Fälle registrierte der Deutsche Journalistenverband von 1997 bis ins Jahr 2000.