APUZ Dossier Bild

25.10.2005 | Von:
Andreas Kötzing

Editorial

Der Film ist das Leitmedium unserer Zeit. In der Welt der bewegten Bilder spiegeln sich die jeweiligen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft wider.

Der Film ist das Leitmedium unserer Zeit. In der Welt der bewegten Bilder spiegeln sich die jeweiligen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft wider - nicht zuletzt deshalb, weil das Medium Film mehr als einmal zu Propagandazwecken missbraucht worden ist. Filme sind Ausdruck eines zeitbedingten Selbstverständnisses und verraten uns indirekt vieles über uns: das Publikum. Ein Film wie etwa Der Untergang sagt viel weniger über den Nationalsozialismus aus, als über ein bestimmtes Bild, das heute von der NS-Zeit existiert.

Gerade die filmische Darstellung von historischen Ereignissen sorgt oft für Diskussionen. Die Dramaturgie eines Films, seine ästhetischen Mittel, die Zuspitzung auf einzelne Aspekte - all das ist umstritten, sobald ein Film für sich in Anspruch nimmt, authentisch zu sein. Wie sollte aber auch ein Film aussehen, der beispielsweise ein realistisches Bild von den Lebensverhältnissen in der DDR zeichnen will? Sollte er die Verbrechen der Staatssicherheit, die eingeschränkte Freiheit der Bevölkerung und die Propaganda des SED-Regimes betonen? Oder sollte er die solidarischen Beziehungen der DDR-Bürger untereinander zeigen, ihren utopischen Traum von einer gerechteren Welt und das alltägliche Funktionieren der Gesellschaft, jenseits von Unterdrückung und Kontrolle? Geht das eine überhaupt ohne das andere?

Hinter solchen Fragen verbirgt sich ein Dilemma: Filme sind immer subjektiv. Sie können die Gesellschaft nicht objektiv abbilden, weil bereits jede Kameraeinstellung und jeder Blickwinkel die Realität filtert. Die filmische Wirklichkeit ist immer inszeniert. Doch diese Inszenierung gelingt manchen Regisseuren bisweilen so gut, dass ihre Bilderwelt der realen Welt scheinbar in nichts nachsteht. Doch macht nicht gerade das den Reiz der bewegten Bilder aus?