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Partizipation in Familie und Schule - Übungsfeld der Demokratie

6.10.2005

Zusammenfassung und Ausblick



Kinder werden heute in vielen Familien mit ihren Sichtweisen und Interessen in Entscheidungsprozesse einbezogen. Dies geschieht häufig, wenn es um ihre persönlichen Belange geht, vielfach aber auch im Hinblick auf Familienangelegenheiten. Erfahrungen mit Partizipation in der Familie machen sich auch in der Schule bemerkbar: Wenn bei den Eltern die Bereitschaft besteht, Kinder an familienbezogenen Entscheidungen zu beteiligen, werden von diesen auch Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schule häufiger genutzt. Wir können also davon ausgehen, dass die in der Familie gepflegte Verhandlungskultur auch als Trainingsfeld für Partizipationsaktivitäten außerhalb der Familie gelten kann. Wie wir gleichfalls zeigen konnten, besteht auch ein Zusammenhang zwischen Beteiligung in der Schule und der Bereitschaft zu politischem Engagement: Jugendliche, die in der Schule Partizipationsmöglichkeiten wahrnehmen, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit auch im Hinblick auf politische und gesellschaftliche Belange aktiv.

Partizipation setzt persönliche und soziale Kompetenzen voraus, die in Kindheit und Jugend gelernt werden. Wer früh die Möglichkeit geboten bekommen hat, zu argumentieren und sich für die eigenen Belange selbstverantwortlich stark zu machen, wer bereits als Kind als respektabler Partner akzeptiert wurde, der wird im späteren Leben mit höherer Wahrscheinlichkeit bereit sein, sich politisch aktiv zu verhalten und auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen Verantwortung zu übernehmen. Die vorgestellten Ergebnisse weisen darauf hin, dass die in der Familie erlernten Verhaltensweisen dabei eine wichtige und nachhaltige Rolle spielen.

Entsprechende Lernprozesse sind jedoch nicht nur auf die Familie beschränkt. Erfahrungen im Hinblick auf Beteiligung und respektierende Umgangsformen können Kinder auch in Kindertageseinrichtungen, in der Grundschule und in weiterführenden Schulen sowie in der Kinder- und Jugendarbeit sammeln. Will man eine "partizipatorische Grundbildung" für alle Kinder und Jugendlichen erreichen, so müssen diese Ergebnisse gerade auch ein Anstoß dafür sein, Beteiligungserfahrungen in anderen Kontexten zu verstärken. Wie in einer qualitativen Studie gezeigt werden konnte, können Beteiligungsmodelle, die in ihren Methoden und Verfahren auch Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern mit niedrigem sozioökonomischem Status ansprechen, zu sehr beeindruckenden Erfahrungen führen.[15]

Bislang gelingt dies jedoch eher in außerschulischen Kontexten, also im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit oder auch mit projektorientierten Modellen kommunaler Beteiligung. Um alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen, muss es sich gerade die Schule zur Aufgabe machen, ein Lernfeld für Partizipation bereitzustellen. Dabei muss die Schule sich der Tendenz bewusst sein, dass Partizipationsangebote sehr viel leichter von Kindern aufgegriffen werden, die durch entsprechende Erfahrungen in der Familie bereits vorgebildet sind. Mit einer kreativen Gestaltung von Beteiligungsangeboten und einer unterstützenden pädagogischen Begleitung kann es jedoch gelingen, alle Kinder einzubeziehen und damit für alle entsprechende Bildungsangebote zur Verfügung zu stellen.



Fußnoten

15.
Vgl. Claudia Franziska Bruner/Ursula Winklhofer/Claudia Zinser, Partizipation - ein Kinderspiel? Beteiligungsmodelle in Kindertagesstätten, Schulen, Kommunen und Verbänden, hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2001; Ursula Winklhofer/Claudia Zinser, Partizipation von Kindern und Jugendlichen - Erfahrungen in der Kommune, in: kursiv. Journal für politische Bildung, (2003) 3, S. 30 - 35.