APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts

Die deutsch-polnischen Beziehungen nach 1945


26.1.2005
Die deutsch-polnische Verständigung, nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte aufgebaut, bedarf nach dem "Honeymoon" einer "Interessengemeinschaft in Europa" neuer Impulse.

Einleitung



Auf eine fast brutale Weise werden Deutsche und Polen in diesen Monaten darauf gestoßen, dass für die gegenseitige kollektive Wahrnehmung, soweit sie der Richtungsgebung durch Politik und Medien ausgesetzt ist, den Erfahrungen der Jahre 1939 bis 1945 konstitutive Bedeutung zukommt. Dies scheint ungeachtet der unzähligen positiven Tendenzen im individuellen Austausch und einer geradezu explosiven Ausweitung und Vertiefung institutionalisierter und informeller Kontakte und Netzwerke in den zurückliegenden 15 Jahren zu gelten.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, vor welch schier unüberwindlichen Barrieren Deutsche und Polen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg standen, als es darum ging, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Besonders die von Deutschen in Polen millionenfach begangenen Verbrechen hatten dem wechselseitigen Verhältnis eine riesige Hypothek aufgeladen. Zweifellos prägten Massenvertreibung bzw. Zwangsaussiedlung aus den polnisch verwalteten deutschen Ostprovinzen und der Territorialverlust, der nach dem Potsdamer Protokoll zugunsten Polens erfolgt war, die westdeutsche Haltung und Politik gegenüber Polen weitaus stärker als das Eingeständnis eigener Schuld. Nach dem Potsdamer Abkommen ließ sich keine repräsentative deutsche Gruppe ermitteln, welche die Gebiete jenseits von Oder und Neiße völlig verloren glaubte. Dazu kam in den ersten Jahren der jungen Bundesrepublik eine breite antikommunistische und antisowjetische Grundströmung, die auf das kommunistisch gewordene Polen abfärbte.

In Polen wiederum musste jede Regierung, die auf Verständnis für ihre Deutschlandpolitik stoßen wollte, auf die Meinung der Bevölkerung achten, auf Gefühle des Hasses, der Angst und der Abwehr nach den nur kurze Zeit zurückliegenden Erfahrungen mit dem nazistischen Terror. Es war das Diktat sowjetischer Interessen, das die soeben aus der Taufe gehobene DDR nur fünf Jahre nach Beendigung des Krieges in Görlitz einen Grenzvertrag mit der kommunistischen polnischen Führung unterzeichnen ließ, mit der das Ulbricht-Regime die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens anerkannte. Der sozialistische Internationalismus zwang zwei Nachbarn in eine Verständigung, für die die Zeit noch längst nicht reif war.

Da die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung eines verträglichen Verhältnisses zwischen Deutschland und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg die Evolution der bundesdeutschen Einstellungen und politischen Doktrinen zu den territorialen und politischen Realitäten östlich von Oder und Neiße war, reflektieren die hier vorgenommenen Periodisierungen vornehmlich entsprechendegesellschaftliche und politische Weichenstellungen in der Bundesrepublik Deutschland.[1]


1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts
Alles auf einer Seite lesen

Fußnoten

1.
Vgl. Dieter Bingen, Die Polenpolitik der Bonner Republik von Adenauer bis Kohl 1949 - 1991, Baden-Baden 1998; Mieczys?aw Tomala, Deutschland - von Polen gesehen. Zu den deutsch-polnischen Beziehungen 1945 - 1990, Marburg 2000.