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17.1.2005 | Von:
Robert Kappel

Wirtschaftsreformen und Armutsbekämpfung in Afrika

Die Inselökonomie Mauritius

Mauritius ist ein ganz anderer Fall. Es hat seit den siebziger Jahren durch wirtschaftspolitische Weichenstellungen einen schnellen Wandel von der Zuckerökonomie zu einer relativ diversifizierten und dynamischen Wirtschaft durchgemacht. Die Inselrepublik mit einer Fläche von gerade 1 860 qkm und einer Bevölkerung von knapp 1,2 Millionen Einwohnern wandte sich nach einer kurzen Zeit der Import-Substitutions-Industrialisierung ab Ende der sechziger Jahre einer exportorientierten Wirtschaftspolitik zu. Diese hat Mauritius ein hohes Wirtschaftswachstum beschert und zu einem - für afrikanische Verhältnisse - hohem Pro-Kopf-Einkommen geführt. Dies liegt höher als das Südafrikas und auf gleichem Niveau wie das Malaysias.

Entscheidend für den Erfolg des mauritischen Wunders sind folgende Grundbedingungen: 1. Umwandlung der Zuckerwirtschaft bei gleichzeitiger Nutzung der garantierten Zuckerabnahme durch Großbritannien und die Europäische Union. 2. Dynamische Entwicklung der Exportproduktionszone (EPZ) und Strukturwandel zu einem Dienstleistungszentrum. 3. Hoher Zufluss an Auslandsinvestitionen und Zuwanderung von ausländischen Experten und Unternehmern. 4. Hoher Ausbildungsstandard und gute Infrastruktur. 5. Hohe Investitionsquote und 6. Politische Stabilität.

Die Zuckerwirtschaft stellt immer noch ein wichtiges Standbein der mauritischen Wirtschaft dar. Das Land hat aber bereits in den siebziger Jahren begonnen, eine EPZ aufzubauen. Diese hat einen rasanten Aufschwung genommen und zur Diversifizierung der Wirtschaft der Insel beigetragen. Es ist eine stetige Weiterentwicklung der EPZ festzustellen, was sich an der Zahl und Struktur der angesiedelten Firmen, an der Zahl der Beschäftigten und an der Bandbreite der Produktion festmachen lässt.

In den letzten zehn Jahren hat Mauritius ein im Großen und Ganzen positives Wirtschaftswachstum zu verzeichnen.[13] Das wirtschaftliche Wachstum wird aller Voraussicht nach jedoch nicht mehr so hoch sein, da auf Mauritius qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Die Anwerbung billiger Arbeitskräfte aus China kann kurzfristig sicherlich einen Beitrag zur Sicherung der Exportfähigkeit für Textil- und Kleidungsexporte leisten, aber langfristig nicht zur notwendigen Anpassung der Industrie an die globalen Wettbewerbsbedingungen beitragen. Notwendig ist die Einwanderung von Experten, die dem Finanzplatz und Dienstleistungszentrum Mauritius neue Impulse geben können.[14]

Seit Jahren durchläuft Mauritius einen Strukturwandel, das Land hat sich den Herausforderungen der Liberalisierung und Globalisierung gestellt.[15] Durch sinkende Terms of Trade, sinkende Exporteinnahmen aufgrund einer schlechten Zuckerernte und noch nicht nachhaltiger Erfolge der EPZ aber gerät das "Wunder Mauritius" an seine Grenzen. Vor allem der Textilsektor war nicht in der Lage, in das Segment hochwertiger Bekleidung zu expandieren und sich nachhaltig als Anbieter in der globalen Wertschöpfungskette zu etablieren.[16] Ein Teil der Produktion wurde wegen Lohnkostenvorteilen nach Madagaskar verlagert.


Fußnoten

13.
Vgl. Deborah Brautigam, Mauritius: Rethinking the Miracle, in: Current History, 98 (1999) 628, S. 228 - 231.
14.
Vgl. Calvin McDonald/James Yao, Mauritius: Unemployment and the Role of Institutions, IMF Working Paper WP/03/211, Washington, D.C. 2003.
15.
Vgl. Arvind Subramanian/Devesh Roy, Who Can Explain the Mauritian Miracle, in: D. Rodrik (Anm. 6), S. 205 - 243.
16.
Vgl. Peter Gibbon, Back to the Basics Through Delocalisation: The Mauritian Garment Industry at the End of the Twentieth Century, (CDR Working Paper 00.7), Kopenhagen 2000.