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17.1.2005 | Von:
Robert Kappel

Wirtschaftsreformen und Armutsbekämpfung in Afrika

Reformen und Wachstum in Uganda

Nach dem Ende des Bürgerkrieges hat Uganda ein ambitioniertes Wirtschaftsreformprogramm verfolgt, das mit den Washingtoner Institutionen abgestimmt und durch Entwicklungshilfe unterstützt wurde. Die Wirtschaft Ugandas wurde stabilisiert und liberalisiert, wodurch sich die Anreizsysteme erheblich veränderten. Das Land konnte hohe Wachstumsraten erreichen; selbst bei einem Nachlassen während der letzten Jahre sind diese noch relativ hoch und höher als der afrikanische Durchschnitt. Die Inflation ging stark zurück, Privatinvestitionen nahmen erheblich zu. Der Banksektor wurde restrukturiert, und andere Sektorreformen brachten eine Liberalisierung und Stabilisierung der Ökonomie. Mit Hilfe verschiedener Strategien sollte Uganda auf einen Wachstumskurs gebracht und eine Modernisierung aller Sektoren unterstützt werden wie z.B. mit Plan of Modernisation of Agriculture (PMA), Medium-Term Competitive Strategy for the Private Sector (MTCS), Strategic Export Program (STRATEX) und Strategic Export Intervention Programme (SEIP). Weitreichende institutionelle Reformen fanden statt wie z. B. Dezentralisierung, Abschaffung von Marketing Boards, Umstrukturierung der staatlichen Verwaltung, Privatisierung von Staatsunternehmen. Die Entwicklungshilfe gab entscheidende Anstöße für das Wirtschaftswachstum.

Das Wirtschaftswachstum Ugandas kommt trotz geringer Investitionsrate zustande. Obwohl diese steigt, ist sie immer noch unterdurchschnittlich. Diese niedrige Rate reflektiert geringe Marktintegration, Unsicherheiten, schwache Verwaltungen und unzureichende institutionelle Reformen.[17] Investitionsaktivitäten konzentrieren sich im Bausektor, der die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen half. Aufgrund niedriger Einkommen, geringer Finanztiefe und sehr schweren Zugangs zu Finanzdienstleistungen gibt es auch nur eine sehr geringe Sparneigung (Sparquote 3,6 Prozent). Die Abhängigkeit von Entwicklungshilfe steigt. Uganda exportiert vor allem landwirtschaftliche (Kaffee) und Fischprodukte, die sehr starken Preisschocks unterworfen sind.

Trotz ausgesprochen hoher Bereitschaft zu Reformen und eines starken Engagements auf Regierungsseite ist der Erfolgsfall Uganda durch zahlreiche Schwächen gekennzeichnet, die dazu beitragen, dass das Land auch im Jahr 2025, selbst bei hohen Wachstumsraten, weiterhin ein Niedrigeinkommensland sein wird. Als wesentliches Problem werden politische und wirtschaftliche Instabilität, soziale Fragmentierungen, niedrige Spar- und Investitionsquoten, hohe Entwicklungshilfeabhängigkeit sowie nachlassende Bereitschaft zu politischen und wirtschaftlichen Reformen genannt. Das Ziel, die Armut bis 2017 auf eine Quote von zehn Prozent der Bevölkerung zu drücken, ist nicht zu erreichen. Denn nachdem die Armut zirka zehn Jahre lang gesunken war, steigt sie seit 1999 wieder an.

Für Uganda lässt sich zeigen, weshalb es trotz guter Reformbestrebungen noch nicht den erhofften strukturellen Durchbruch gegeben hat. Institutionelle Probleme spielen dabei eine große Rolle. Ob ihre Beseitigung allerdings zum erhofften Durchbruch führt, lässt sich nicht vorhersagen.

Die ugandische Landwirtschaft ist von sehr großer Bedeutung für die Entwicklung des Landes, denn die Mehrheit der ugandischen Bevölkerung (80 Prozent) wohnt in ländlichen Gebieten. Die Landwirtschaft verbuchte in den letzten Jahren ein niedrigeres Wachstum als die anderen Sektoren. Hauptursachen sind außer dem Niedergang der Preise der meisten Cash-crop Produkte (Kaffee, Tee usw.) vor allem folgende Probleme der Landwirtschaft, die einen urban bias signalisieren: - Der Zugang zu Elektrizität ist nur in sehr geringem Maß vorhanden. Lediglich zwei Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu Strom. Lagerhaltung für verderbliche Produkte ist häufig nicht möglich. Daher ist die Marktintegration der Bauern stark eingeschränkt. - Ein völlig unzureichendes Transportwesen behindert Investitionen und Wachstum. Die Transportkosten sind sehr hoch, so dass Farmer aus entlegenen Gebieten große Schwierigkeiten haben, die Märkte zu bedienen. - Der Zugang zu Finanzdienstleistungen auf dem Land ist erschwert. Banken haben keine Filialen auf dem Land, und Mikrofinanzinstitutionen haben kaum die Reichweite, die Bevölkerung zu bedienen. Banken sind an ländlichen Kunden wegen so genannter "Treasury Bills" des Staates mit hoher Verzinsung nicht interessiert.

Eine vergleichbare Entwicklung findet sich bei den klein- und mittelständischen Unternehmen. Diese sind kaum in der Lage, wegen ihrer Risikominimierungs- und Überlebensstrategie zu expandieren. Eine eigene Dynamik lässt sich nicht erkennen. Auch wenn das Wachstum der städtischen Bevölkerung sehr hoch ist, spielen die Städte noch keine sehr große Rolle, was sich auch in der geringen Zahl von Unternehmen niederschlägt. Diese sind zahlreichen Hindernissen ausgesetzt (bspw. hohe Transaktionskosten). Ein Industrialisierungsprozess ist kaum existent. Lediglich wenige Unternehmen (wie in der Textilindustrie) sind auch im Export tätig. Uganda kann aufgrund hoher Transportkosten kaum in traditionellen Industriesektoren erfolgreich sein. Noch schwerer ist die Lage der KMU.[18] - Die meisten KMU sind sehr jung. Es zeigt sich, dass gerade junge Unternehmen nur sehr schwer Zugang zu den Banken finden. - Obwohl die Mehrheit der KMU in einem Markt agiert, der durch hohen Wettbewerb gekennzeichnet ist, waren immerhin 60 Prozent der KMU in der Lage zu wachsen (Umsatz- und Beschäftigungswachstum). Viele der befragten Unternehmen haben investiert und planen auch weitere Investitionen. Die Expansion der Unternehmen kann jedoch nicht auf Exportwachstum zurückgeführt werden, da die KMU - von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht exportieren. Sie wachsen, weil es insgesamt ein hohes Wachstum in Uganda gegeben hat und sich die Einkommen in den letzten 15 Jahren verbessert haben. Die lokale Konsumnachfrage bildet die Basis auch für das Wachstum der lokalen Kleinunternehmen. - Die Mehrheit der kleinen Unternehmen ist durch starke Behinderungen gekennzeichnet. Von besonderer Bedeutung sind Hindernisse beim Zugang und den Kosten für Land, Finanzdienstleistungen und Investitions- und Ausrüstungsgüter. Verglichen mit größeren Unternehmen[19] werden vor allem die ländlichen KMU, stark benachteiligt. Banken haben kaum Interesse an Kunden, denen Sicherheiten fehlen und die hohen Risiken wegen mangelnder Kreditdisziplin ausgesetzt sind. Dieses staatlich geförderte Crowding-Out ist eine wesentliche Grenze für das Wachstum der KMU. - KMU sind großen institutionellen Hindernissen ausgesetzt. Ein ugandisches Unternehmen benötigt 17 verschiedene Formulare, um sich registrieren lassen zu können, was hohe Kosten verursacht. Als Folge lassen sich die meisten KMU nicht registrieren und verbleiben informell.

- Die große Mehrheit der KMU hat nur geringe Kompetenzen und agiert lokal, die meisten Unternehmen nehmen nur in Ausnahmefällen Unteraufträge an. Es handelt sich um eine "localized economy", in der Risikominimierung oberstes Gesetz ist. Nur wenige Unternehmen verfügen über Kenntnisse der nichtlokalen Märkte. Lokale Steuern (Marktgebühren) und hohe Transportkostenbehindern den Marktzugang. Ferner ist Uganda eine reine Cash-Economy. Transaktionen werden in bar abgewickelt. Zudem sind Vertrauensbeziehungen zwischen Kunden und KMU nur schwach ausgeprägt. KMU haben kein Vertrauen in staatliche Institutionen. Unternehmensnetzwerke sind nicht existent. Dazu gehört auch, dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen (95 Prozent) noch nie einen Bankkredit aufgenommen hat, und nur wenige KMU konnten Kleinkredite über Mikrofinanzinstitutionen erhalten. KMU finanzieren ihre Investitionen über Freunde und Verwandte. Eine Unternehmenskultur ist wenig ausgeprägt. Die Folge ist, dass der Zugang zu neuer Technologie und sogar zu Second-Hand-Technologie, zu Importeuren und Händlern weitgehend nicht existiert.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Ugandas Unternehmen durch wenige große und vom Staat durch Exportsubventionen geförderte Unternehmen, einen zahlenmäßig dominanten informellen Sektor mit Subsistenzorientierung und eine sehr kleine Mittelschicht von Unternehmen gekennzeichnet ist.


Fußnoten

17.
Vgl. Philip Keefer, Growth and Poverty Reduction in Uganda: The Role of Institutional Reform, Draft Paper 4/27/00, World Bank, Washington, D. C. 2000.
18.
Vgl. Robert Kappel/Jann Lay/Susan Steiner, The Missing Links - Uganda's Economic Reforms and Pro-Poor Growth, Report commissioned by Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Eschborn 2004.
19.
Vgl. Ritva Reinikka/Paul Collier (Hrsg.), Uganda's recovery. The role of farms, firms, and government, Washington, D.C. 2001.