Ein Klassiker der Gaming-Welt: Pac Man. Das Bild zeigt eine Aufnahme des Spiels von 1983. Pac-man wird von drei Geistern gejagt, während er versucht, so viele Punkte wie möglich zu "fressen".

26.7.2019 | Von:
Yasmina Banaszczuk

Toxic Gaming. Rassismus, Sexismus und Hate Speech in der Spieleszene

Hate Speech

Neben mangelnder Repräsentation und teilweise stereotyper Darstellung von Personen of Color ist auch Rassismus unter Gaming-Fans selbst ein Problem. Mit der größeren Verfügbarkeit von stabilen und schnellen Internetverbindungen sind Online-Multiplayer-Spiele auf dem Vormarsch, wodurch immer mehr Menschen, die sonst keinerlei Berührungspunkte miteinander haben, mit- und gegeneinander spielen. In diesen Situationen müssen sich Angehörige marginalisierter Gruppen regelmäßig Anfeindungen stellen – seien sie sexistisch, rassistisch, homophob oder auf andere Art und Weise herabwürdigend. Vor allem zwei Faktoren befeuern den teilweise problematischen Umgang in Mehrspieler-Settings: zum einen die mangelnde Sanktionierung von Hate Speech durch die Spieleunternehmen, zum anderen das Vorleben problematischer Inhalte durch Streamerinnen und Streamer.

In "Red Dead Redemption 2" etwa gibt es einen Online-Modus, in dem weltweit Menschen aufeinander treffen und gemeinsam die Welt des "Wilden Westens" erkunden können. Zu Beginn erschafft man sich einen Charakter, wobei man verschiedene Haut- und Haarfarben wählen kann. Der Umgang miteinander obliegt der Entscheidung der Spielerinnen und Spieler: Banden bilden, andere angreifen, zusammenarbeiten oder für sich bleiben – alles ist möglich. Das schließt leider rassistische Handlungen von Mitspielenden ein. Avatare mit schwarzer Hautfarbe werden im Spielchat mit dem englischen N-Wort beschimpft, es gibt Spielerbanden, die an den Ku-Klux-Klan angelehnt sind, und einige Spieler gehen gar im Rollenspiel eines ehemaligen Sklavenhändlers auf.[22] Entsprechend feindselig kann die Erfahrung für all diejenigen sein, die ihre Charaktere nicht weiß gestalten. Ist der Charakter weiblich, kommt eine zusätzliche Ebene hinzu – angedeutete oder angedrohte sexualisierte Gewalt ist ebenso in den Chats von Online-Spielen zu finden wie sexistische Sprüche. Doch auch in der offenen Welt des Singleplayer-Modus von "Red Dead Redemption 2" versuchen sich Spieler an der Grenzüberschreitung: In einem millionenfach geklickten Youtube-Video bringt ein Spieler einen gefesselten schwarzen Mann zu einem Treffen des Ku-Klux-Klans, nur um zu sehen, was passiert. (Auflösung: Es passiert nichts. Die Entwickelnden hatten so einen Vorfall offenbar nicht antizipiert.)

Fälle wie diese scheinen Video- und Streamingplattformen wie Youtube oder Twitch nicht zu sanktionieren, und auch bei den Spielestudios selbst setzen sich wirksame Sanktionierungen nur langsam durch. Die Reporting-Systeme innerhalb von Mehrspieler-Modi werden von Spielerinnen und Spielern häufig als unzureichend kritisiert. Stattdessen setzen verschiedene Entwickler und Publisher auf positive Bestärkung: Die Spielerinnen und Spieler können nach einer Spielrunde diejenigen unter sich auszeichnen, die besonders gut gespielt haben oder besonders freundlich waren. Studios wie Blizzard oder Riot Games verzeichneten durch diese Maßnahmen einen signifikanten Rückgang toxischer Chatnachrichten.[23]

Schädliche Äußerungen zu reduzieren, scheint also möglich – nichtsdestotrotz sind wirksame Sanktionen ebenso wichtig. Im Spiel "Rainbow Six Siege" von 2015 implementierte das Spielestudio Ubisoft ein System, das den Spieler oder die Spielerin beim Senden von missbräuchlichen Nachrichten sperrt. Die Dauer der Sperrung steigt mit jedem Verstoß, beim dritten Mal wird eine Untersuchung eingeleitet, die zur permanenten Sperrung führen kann.[24]

Fußnoten

22.
Vgl. Patricia Hernandez, Playing Red Dead Online as a Black Character Means Enduring Racist Garbage, 15.1.2019, http://www.theverge.com/2019/1/15/18183843/red-dead-online-black-character-racism«.
23.
Beim Spiel "Overwatch" (Blizzard) zwischen 15 und 30 Prozent, im Spiel "League of Legends" (Riot Games) sogar 40 Prozent. Vgl. Jay Costello, Foul Play: Tackling Toxicity and Abuse in Online Video Games, 17.8.2018, http://www.theguardian.com/games/2018/aug/17/tackling-toxicity-abuse-in-online-video-games-overwatch-rainbow-seige«.
24.
Vgl. ebd.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Yasmina Banaszczuk für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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