APUZ Dossier Bild

16.8.2006 | Von:
Klaus R. Kunzmann

Kulturwirtschaft und Raumentwicklung Essay

Es werden zehn mögliche Handlungsfelder einer integrierten Stadtentwicklungspolitik vorgestellt, die Kultur-, Wirtschafts- und Städtebaupolitik zur Förderung der Kulturwirtschaft vor Ort miteinander verknüpft.

Einleitung

Die wirtschaftliche Basis der Städte und Regionen in Europa hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert, und der Prozess des strukturellen Wandels von einer industriellen zu einer "post"-industriellen Wirtschaft ist noch lange nicht abgeschlossen. In diesem Kontext verschwimmen die Grenzen von Produktion, Dienstleistung und Konsum immer mehr, weil neue Technologien ganz neue standort- und zeitunabhängige Produktionsbedingungen ermöglichen. Neue Branchen stoßen in den Stadtregionen Europas in Lücken, welche die weltweite Arbeitsteilung und die Verlagerung industrieller Produktionen in Billiglohnländer hinterlassen.






Eines dieser Segmente ist die Kulturwirtschaft. Zentrale Teilmärkte dieser Branche sind die Darstellende Kunst und Unterhaltungskunst (Theater, Varieté etc.), die Bildende Kunst (Kunst, Design, Architektur etc.), der Buch- und Pressemarkt (Verlage, Buchproduktion etc.), die Musikwirtschaft (Musikveranstalter, Instrumentenbau etc.) und die audio-visuellen Medien (Film, TV, Fotografie, Rundfunk etc.). Die Grenzen dieser Teilmärkte sind unscharf, weil sich das, was "Kultur" ist, kaum eindeutig definieren lässt. Wann ist Literatur nicht mehr Kultur? Wann sind Videoprodukte Kunst, wann nur noch reine Pornographie? Wann werden Designprodukte zu Kitsch-Produkten und fallen aus dem akzeptierten bürgerlichen Kultur-Kanon heraus? Diese Unsicherheiten führen nicht selten dazu, dass in öffentlichen Debatten zu Kultur, Wirtschaft und Raum aneinander vorbeigeredet wird. In der Öffentlichkeit ist die Kulturwirtschaft noch wenig bekannt, was auch auf die Strukturen der meinungsbildenden überregionalen Medien zurückzuführen ist. Das Feuilleton berichtet über Kulturereignisse und nur gelegentlich über wirtschaftliche Schwierigkeiten der kulturellen Infrastruktur in Städten. Im Wirtschaftsteil hingegen spielt Kultur nur selten eine Rolle, meist nur dann, wenn weltweit agierende Buch-, Bild- oder Tonproduzenten ihre Jahresberichte vorlegen oder Musicalfirmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Zu Pressekonferenzen zur Kulturwirtschaft kommt jedenfalls fast immer der Kulturjournalist, nicht der Kollege aus der Wirtschaftsredaktion.