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16.8.2006 | Von:
Olaf Zimmermann

Kulturberufe und Kulturwirtschaft - Gegensatz oder Symbiose?

Einzelunternehmen als Kulturwirtschaft im engeren Sinne

Betrachtet man die Kulturwirtschaft als einen Baum mit Jahresringen, so folgen als nächste Gruppe der Kulturberufe die Einzelunternehmen der Kulturwirtschaft. Das sind die Galerien, Verlage, Kulturveranstalter, Künstleragenten und andere Unternehmen, die von Inhabern geführt werden, die für wirtschaftliche Gewinne und Verluste persönlich haften, das heißt sowohl für Misserfolge einstehen müssen als auch von den Erfolgen profitieren.

Diese Unternehmen sind den Künstlern eng verbunden. Ihr wirtschaftlicher Erfolg hängt unmittelbar von jenen Künstlern ab, die sie vertreten. Hier lässt sich das symbiotische Verhältnis, von dem das Bundesverfassungsgericht in seinem bereits angeführten Urteil aus dem Jahr 1987 sprach, am leichtesten nachvollziehen: Ein Galerist benötigt die Arbeiten Bildender Künstler, um überhaupt etwas ausstellen und verkaufen zu können. Umgekehrt sind diese daran interessiert, ihre Werke über den professionellen Kunsthandel zu verkaufen und etwa in Museumsausstellungen vermitteln zu lassen, weil sie auf diese Weise von der Vermarktung ihrer Werke entlastet werden und sich stärker ihrer künstlerischen Arbeit widmen können. Gleichzeitig ist es auch ein Ausweis von Professionalität und Anerkennung auf dem Markt, wenn die Arbeiten über den professionellen Kunsthandel gehandelt und vermittelt werden.

Ein ähnlich enges Verhältnis besteht zwischen Verlagen und Autoren. Ein Manuskript muss erst verlegt werden, um von den Lesern wahrgenommen und gekauft werden zu können. Dabei übernimmt der Verlag üblicherweise die Kosten für das Lektorat, den Satz, den Druck und den Vertrieb. Der Autor wird am Erlös beteiligt. Verlage brauchen gute Manuskripte, aus denen Bücher gemacht werden können, um überhaupt etwas zu vermarkten zu haben; Autoren benötigen Verlage, um ihre Werke publizieren zu können. Im Literaturbetrieb ist die Selbstvermarktung nicht üblich. Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Verband deutscher Schriftsteller als Berufsorganisation der Autoren und Übersetzer ist, dass mindestens zwei Bücher, die nicht im Selbstverlag erschienen sind, publiziert wurden. Also auch in dieser Kunstsparte ist die Verwertung über ein Unternehmen der Kulturwirtschaft Voraussetzung für die berufliche Anerkennung.

Für Komponisten ließe sich Ähnliches nachzeichnen. Ausübende Musiker, die eine Solokarriere verfolgen wie auch Schauspieler, die in keinem festen Ensemble spielen, bieten ihre Tätigkeit mit Hilfe von so genannten Agenten an: Diese vereinbaren die Aufritte und die Konditionen und erhalten einen Teil des Honorars als Provision.

Gerade an den kleineren inhabergeführten Unternehmen der Kulturwirtschaft lässt sich sehr anschaulich zeigen, wie eng Verwerter und Künstler miteinander verbunden sind: Beide sind Teil der Kulturwirtschaft; beide sind aufeinander angewiesen; beide stehen sich teilweise gegenüber und agieren teilweise gemeinsam gegenüber anderen Marktteilnehmern, also Konkurrenten, oder auch den großen Unternehmen der Kulturwirtschaft.