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16.8.2006 | Von:
Olaf Zimmermann

Kulturberufe und Kulturwirtschaft - Gegensatz oder Symbiose?

Gehasst und geliebt - die Big Player der Kulturwirtschaft

Die Big Player der Kulturwirtschaft werden von den Künstlern zumeist zugleich gehasst und geliebt. Gehasst werden sie wegen ihrer Marktposition, die ihnen eine stärkere Stellung in den Verhandlungen mit den Künstlern verleiht, und weil sie mit ihren Produkten, die oft nicht die eigenen sind, die Märkte beherrschen. Aus demselben Grund werden sie auch geliebt. Die Big Player der Kulturwirtschaft können mit einem beträchtlichen Werbeaufwand Künstler auf dem Markt positionieren. Sie verhelfen diesen damit zum Durchbruch und sorgen dafür, dass ihre Werke flächendeckend verfügbar sind. Und sie können Künstler nicht nur berühmt, sondern sogar reich machen.

Anhand des Eingangsbeispiels von "Deutschland sucht den Superstar" lassen sich sehr anschaulich die Möglichkeiten eines Big Players aufzeigen. Bertelsmann als Medienkonzern sendet innerhalb seines Senders RTL die Show "Deutschland sucht den Superstar" an einem Samstagabend; am Montagabend darauf findet eine nochmalige Auswertung der letzten Staffel - angereichert mit zusätzlichen Informationen sowie Klatsch und Tratsch über die Kandidaten im Bertelsmann-Sender SuperRTL - statt. Im Zeitschriftenstandbein des Bertelsmann-Konzerns der Gruppe Gruner + Jahr erscheinen die Sendungen begleitende Zeitschriften. Aus der Bertelsmann-Unternehmenssparte BMGSony winken den Siegern schließlich Plattenverträge. Dieses kurze Beispiel zeigt, wie ein großer Konzern mit Hilfe verschiedener Unternehmenssparten "Künstler machen kann".

Der Bertelsmann-Konzern mit seinen verschiedenen Unternehmenssparten - TV-Hörfunk, Bücher, Zeitschriften und Tonträger - ist sicherlich ein besonders ausgeprägtes Beispiel für die Marktmacht der Big Player. Aber auch andere große Konzerne, und seien sie in nur einem Bereich tätig, verfügen über eine erhebliche Marktmacht und Präsenz. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass zum Beispiel der Tonträgermarkt von vier international agierenden Konzernen beherrscht wird.

Für Künstler ist es, wie oben bereits erwähnt, teilweise sehr attraktiv, mit den großen Unternehmen zusammenzuarbeiten; ihre Verhandlungsposition ist aber eine ungleich schlechtere als jene mit einem Einzelunternehmen, dessen eigener wirtschaftlicher Erfolg unmittelbar mit dem der Künstler verknüpft ist.

Die Big Player der Kulturwirtschaft orientieren sich in erster Linie am Ziel der Gewinnmaximierung. Die vertriebenen Kulturgüter müssen sich innerhalb eines definierten Zeitfensters vermarkten lassen. Die in solchen Unternehmen tätigen Entscheider verstehen sich beruflich nicht zuerst als Kunstliebhaber, sondern als betriebswirtschaftlich denkende Manager. Entsprechend positionieren sich die Unternehmen im Markt und verhalten sich gegenüber den Künstlern und möglichen Konkurrenten. Damit die Kunst nicht zu kurz kommt, leisten sich die Big Player zumeist Unternehmensbereiche, die weniger oder gar keinen Gewinn erwirtschaften müssen und von den anderen quersubventioniert werden. Diese kulturellen Inseln sind wichtig für das Selbstverständnis dieser Unternehmen als Teil der Kulturwirtschaft.

Die Mitarbeiter dieser Unternehmen sind in der Regel Angestellte mit einem normalensozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Persönliche Verantwortung in dem Sinne, dass ihre eigene Existenz unmittelbar vom Erfolg der vertretenen Künstler abhängt, ist nicht gegeben. Der Kulturarbeitsmarkt in diesem Kulturwirtschaftssegment lässt sich daher am ehesten mit anderen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen vergleichen - obwohl auch hier eine Affinität zum Kulturbereich und ein Verständnis für die Besonderheiten dieses Marktes wichtig ist.