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25.1.2006 | Von:
Britta Oertel
Michaela Wölk

Anwendungspotenziale
"intelligenter" Funketiketten

Die RFID-Technologie ist eine Querschnittstechnologie, deren Anwendungspotenziale in nahezu allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen liegen. In ausgewählten Marktsegmenten zeigen RFID-Systeme bereits seit Jahrzehnten eine kontinuierliche Entwicklung.

Einleitung

Automatisierte Identifikation und Datenerfassung zeichnen sich durch eine schnelllebige Entwicklung aus und sind einer ebenso dynamischen öffentlichen Diskussion ausgesetzt. Die "intelligenten" Etiketten werden in den Medien auch als Funkchips, Smart Labels oder sogar "Schnüffelchips" bezeichnet.

Diese automatischen Identifikationssysteme heißen in der Fachsprache RFID (Radio-Frequenz- IDentifikation) und sollen traditionelle Lösungen wie den Barcode ersetzen. Die Funktion von RFID besteht darin, Waren, Tiere oder auch Personen über Funk eindeutig und kontaktlos zu identifizieren. Der Einsatz von RFID-Systemen eignet sich überall dort, wo automatisch gekennzeichnet, erkannt, registriert, gelagert, überwacht oder transportiert werden soll.

Die RFID-Technologie ist eine typische Querschnittstechnologie, die in nahezu allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen angewandt werden kann. In ausgewählten Marktsegmenten zeigen RFID-Systeme bereits seit Jahrzehnten eine kontinuierliche Marktentwicklung. In anderen Bereichen werden RFID-Systeme getestet. In der Praxis überwiegen derzeit noch unternehmensinterne Einzellösungen, unter anderem aufgrund unzureichender Standardisierung und zu hoher Investitionskosten. Das Potenzial von RFID-Systemen besteht jedoch insbesondere im unternehmensübergreifenden Einsatz, beispielsweise bei der Warenrückverfolgung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Die Entwicklungsperspektiven der RFID-Technologie hängen nicht allein von den technischen Möglichkeiten ab. Neben Technologie und Standardisierung zählen Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Informationssicherheit und Datenschutz sowie die gesellschaftliche Akzeptanz zu den zentralen Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig rückt die Frage, ob und in welcher Form zusätzliche datenschutzrechtliche Regelungen durch den breiteren Einsatz von RFID-Systemen erforderlich sind, verstärkt in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte, die meist unter dem Stichwort "gläserner Kunde" bzw. "gläserner Bürger" geführt wird.

Um die Chancen von RFID zu nutzen und gleichzeitig die Bedrohung für die Persönlichkeitssphäre zu minimieren, müssen die Grundsätze von Informationssicherheit und Datenschutzrecht bereits bei der Konzeption und Markteinführung von RFID-Anwendungen umgesetzt werden. Es gilt, RFID-Systeme zu entwickeln und einzusetzen, die auch den mittel- und langfristigen Anforderungen von Wirtschaft und Privatpersonen an Informationssicherheit[1] und Datenschutz[2] entsprechen. Nur so können zentrale Barrieren bei der wirtschaftlichen Nutzung der RFID-Technologie frühzeitig erkannt und so weit wie möglich vermieden werden.

Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen die Anwendungspotenziale von RFID-Systemen.


Fußnoten

1.
Zu Fragen der Informationssicherheit vgl. die unter Mitwirkung der Autorinnen erstellte Studie "Risiken und Chancen des Einsatzes von RFID-Systemen" (s. Kasten am Ende des Textes).
2.
Zu den spezifischen Risiken von RFID-Systemen im Bereich des Datenschutzes vgl. den Beitrag von Alexander Roßnagel in diesem Heft.